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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,3

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Eintreffen der Nachricht von dem Tode Kaiser Ottos II. nach Beendigung der Krönungsfeierlichkeiten.

Überlieferung/Literatur

Thietmar III c. 26, S. 130: completo hoc officio, mox legatus tristi nuncio tanta perturbans gaudia advenit.

Kommentar

H. Böhmer (Willigis, 26) bezweifelt die Aussage Thietmars, hauptsächlich wegen der kurzen Zeit, die dem Boten für seine Fahrt von Rom nach Aachen zur Verfügung stand, und seine Meinung wird von vielen Forschem geteilt. Der Bote kann jedoch auch erst am 26. angekommen sein; aber allzuweit, wie Parisot annimmt (Haute-Lorraine, 507, Anm. 2), darf man die Frist nicht erstrecken. Ein längeres Verweilen der Fürsten in Aachen über den 27. ist sehr unwahrscheinlich. Jedenfalls war die Schnelligkeit dieser Nachrichtenvermittlung eine ganz außerordentliche und setzt einen organisierten Pferdewechsel (vgl. Heusinger, Servitium regis, 28), vielleicht auch ein Botenrelais voraus. Der Eilbote müßte, da er je nach der gewählten Route 1250‒1500 km Straßenlänge in ca. 19‒20 Tagen zu bewältigen hatte, einen Tagesdurchschnitt von ungefähr 70 km eingehalten haben, und wenn wir die Beeinträchtigung seiner Geschwindigkeit durch den Alpenübergang, der wahrscheinlich trotz des Umweges über den im Winter am leichtesten gangbaren Brennerpaß erfolgte, in Rechnung ziehen, müßte er in der Ebene täglich Leistungen von 80 km und mehr erzielt haben. Doch sind auch aus späterer Zeit ähnliche außerordentliche Reisegeschwindigkeiten überliefert, dabei ist eine wesentliche Änderung der Verkehrsmittel und des Straßenzustandes seit dem Hochmittelalter nicht anzunehmen, nur das Relaissystem war ausgebaut worden. (Vgl. Reg. 1323 d, Tod Evergers von Köln, 11. Juni, Eintreffen der Kölner Gesandtschaft in Benevent spätestens am 30. Juni 999.) ‒ Goetz, Verkehrswege; Schulte, Mittelalt. Handel, 1; Menzel, Gesandtschaftswesen (1892); Ohmann, Postwesen, Postgeschichte; Mummenhoff, Nachrichtendienst, Poststraßen; Ludwig, Marschgeschwindigkeit (1897), 1 ff.; Kehr, Urkunden Ottos III., 232, 239, 250; Sickel, Erläuterungen DO. III. S. 380 ff.; Tangl, Bonifatiusfragen, 15 ff.; Voltelini, Bestrebungen Maximilians, 611, Anm. 4.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,3 n. 956u, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0983-12-00_2_0_2_3_0_20_956u
(Abgerufen am 21.10.2017).