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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,1

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Synode, 3. sitzung. Die überbringer der ladung, die kardinäle Adrian und Benedikt (c. 14), hatten den papst in Tivoli (Tiberim, vgl. Giesebrecht Kaiserzeit 1 5, 837) nicht getroffen, dessen aufenthalt nicht in erfahrung gebracht, legten ihr schreiben wieder in den schoos der versammlung. Otto bedauert das ausbleiben des papstes und erhebt selbst die klage vor der synode, dass Johann XII. unterdrückt von Berengar und Adalbert ihn durch boten aufgefordert, um gottes willen nach Italien zu ziehen und papst und kirche zu befreien (vgl. no 289b), dass derselbe nach seiner befreiung durch den kaiser (honori debito restitutus, also erfüllung des eides no 309a) den ihm (dem kaiser) auf die reliquien des h. Petrus geleisteten treueid (vgl. no 309c) gebrochen, indem er Adalbert nach Rom kommen liess (no 348b) und gegen ihn verteidigte, ia den aufstand gegen ihn selbst befehligte (no 348b; auch Cont.Reginonis 962. 963 führt nur treulosigkeit als verbrechen Johanns an, vgl. Mitth. des Inst. f. öst. GF. ergbd. 4, 63 anm. 3) und fordert von der synode entscheidung. Die versammlung erkennt einstimmig: inauditum vulnus inaudito est cauterio exurendum; wegen des ärgernisses, welches Johann durch seine schlechtigkeit gegeben, monstrum illud .... a sancta Romana ecclesia pelli aliumque loco eius constitui, qui nobis exemplo bonae conversationis preesse valeat et prodesse (vgl. Benedicti s. Andreae chr. c. 35: kardinaldiak. Johannes und protoscriniar Azzo trachten, ut aecclesie sancte in presulis benigni preesset), Otto gibt dazu volle beistimmung. Liudprandi Hist. Ott. c. 14a; der tag der synode in Johanns gegenconcil Leibnitz Ann. 3, 134. Darauf wählen alle einstimmig mit dreimaligem zuruf den protoscriniar Leo zum papst; nachdem der kaiser die wahl genehmigt, führt ihn die versammlung dem herkommen gemäss nach dem Lateran; zu rechter zeit (am 6. dez., vgl. Jaffé-Löwenfeld 1, 467) wird er in S. Peter geweiht. Liudprandi Hist. c. 15. Mit dieser officiellen darstellung des wahlaktes und der wahlmotive von kaiserlicher seite stimmen im wesentlichen überein die verwandten berichte des Liber pont. (Duchesne 2, 246): omnes Romani uno consensu et una voluntate, clerici atque laici, rogaverunt imperatorem ut s. matri aecclesiae dignum pontificem et pium rectorem tribueret, der kaiser antwortet: eligite qui dignus sit et ego libentissime eum vobis concedam. Statimque a cunctis .... electus et expetitus est domnus Leo (daraus Gregorii Catin. op. c. 2 M. G. SS. 11, 558 und kürzer Herimanni Aug. chr. ib. 5, 115) und das Chr. Benedicti s. Andreae c. 36: Romani magis sevientes inter se petierunt ad imperatorem, ut Leonem protoscrinium papam eligerent (beide ohne erwähnung der absetzung Johanns). Placuit imp., helectus et in sede sanctissima est positus; ferner Flodoardi Ann. 965: saepe (Octavianum) revocante imperatore, a quo quia de inreligiositate sua corripiebatur, reverti nolente, congregata synodo Iohannem (!) illustrem quendam .... clericum (!) per electionem Romanorum papam ordinari fecit. Nur von einsetzung durch Otto spricht Hrosvithae Gesta v. 1497.1498; Ann. Altah.: Leonem in sedem apostolicam collocavit; Adami Gesta Hammab. pont. II, 9: habito concilio episcoporum Iohannem papam .... multis accusatum criminibus deponi fecit quamvis absentem, nam fuga iudicium subterfugerat, et in locum eius protum Leonem ordinari (lässt aber irrig Otto erst ietzt zum kaiser gekrönt werden); Cedreni Hist. comp. 2, 335: ὅν Ὢτωϛ ὁ τῶν Φράγγων βασιλεὺϛ ὰπελάσαϛ ἕτερον ἀντεισήγαγε τῇ ἐϰϰλησίᾳ ποιμένα. Dagegen übergeht die Cont. Reginonis ihrer gewohnheit gemäss (Mittheil. l. c. 62) trotz benutzung desselben berichtes wie Liudprand, L. pont. und Benedikt den anteil des kaisers ganz: plebs Romana Leonem protoscriniarium virum strennuum et industrium communi consensu in locum eius elegit et ordinavit, ähnlich auch der bericht in Bernardi Hild. ep. Ussermann Germ. sacra, prodr. 2, 209. Zur beurteilung der wahl vgl. Dümmler Otto I.353; den formellen anstoss, dass Leo laie war und auf einmal alle weihen empfieng, greift Johann XII. im gegenconcil von 964 (Leibnitz Ann. 3, 134) auf; die kandidatur des bischofs von Parma für diesen posten deutet Rather De contemptu canonum (Op. ed. Ballerini 353) an, indem er ebenfalls Johanns absetzung billigt, vgl. Vogel Rather von Verona 2, 93. ‒ Benedicti s. Andreae chr. c. 36 meldet in diesem zusammenhang rückgabe Tusciens und der Pentapolis an Leo: Ordinata cuncta Tuscia et Pentapolim finibus in aecclesia apostolorum principis et Leoni papa concessit (vgl. Jung in Forsch. 14, 427). ‒ Infolge der absetzung löst sich der bund des papstes mit Adalbert, letzterer schickt sich zur rückkehr nach Corsica an. Cont. Reginonis, vgl. no 350d.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,1 n. 350a, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0963-12-04_1_0_2_1_1_636_350a
(Abgerufen am 25.03.2017).