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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,1

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Belagerung dieser starken, damals auf einer Rheininsel gelegenen festung, welche Eberhard besetzt hatte, um damit den Elsass zu beherrschen. Liudprandi Antap. IV, 26, Ann. Aug. M. G. SS. 1,69 und Jaffé Bibl. 3,705, Cont. Reginonis, Widukind II,24, welcher es Briseg nennt und von bekriegung auch anderer schlösser Eberhards spricht. Wegen der örtlicheit = Breisach vgl. Dümmler Otto I. 88 (Cont. Reginonis 953 nennt es latibulum semper deo regique rebellantium; 938 hatte sich k. Ludwig desselben bemächtigen wollen vgl. no 76e). Im lager befanden sich mehrere bischöfe (quamplurimi Liudprand c. 26, nonnulli c. 31), darunter der Mainzer, nach der Cont. Reginonis auch Ruodhard von Strassburg, für treue dienstleistung wird 940 der bischof v. Chur belohnt no 82, ferner herzog Hermann von Schwaben Widukind II, 26 (ihn und dessen vettern Udo und Konrad Kurzbold bezeichnet Liudprand Antap. IV, 22 als hauptstützen des königs), dieser für Otto besonders wichtig um das übergreifen des aufstandes nach Süddeutschland zu verhindern (ein schwanken der beiden süddeutschen herzöge meldet unglaubwürdig erst Ekkehard in den Casus s. Galli M. G. SS. 2,104, S. Galler Mitth. 15,184 c. 50). ‒ Drohende katastrophe. Eberhard und Giselbert (nach Cont. Reginonis auch Heinrich) planen von Metz aus den krieg über den Rhein zu tragen, ein teil der ostfränkischen bischöfe schliesst sich (ob hierher die von Cont. Reginonis erwähnten ecclesiastici ? vgl. no 76i) unter führung des erzb. von Mainz an, über die gründe verrät Widukind nur, dass der könig die genehmigung eines von Friedrich mit Eberhard eidlich abgeschlossenen vertrages (no 78a) wegen überschreitung der gegebenen vollmacht versagte. Auf die kunde dass Eberhard und Giselbert (die nennung Heinrichs in den Ann. Quedlinb. 939 M. G. SS. 3,56 wird auf falsche kombination der angaben der Cont. Reginonis zurückzuführen sein, umgekehrt Ranke Weltgesch. 6b, 160) bei Andernach den Rhein überschritten, fliehen die bischöfe (über zahl und namen vgl. Dümmler Otto I. 90) mit hinterlassung von zelt und gepäck heimlich. Widukind II,24.25; die flucht auch bei Cont. Reginonis mit der angabe, dass sie nach Metz eilten Gisalberto et Heinrico se occursuros, ut coniuraverant; Liudprand Antap. IV, 26.31 lässt die bischöfe in ihre residenzen fliehen, Friedrich listig noch im lager verweilen, erst 10 tage vor der schlacht bei Andernach über Mainz nach Metz reiten. Ueber den zweck der hauptunternehmung schweigt leider die Cont. Reginonis. Die von Widukind II, 24 gemeldete plünderung bezieht sich, wie Flodoardi Ann. bestätigen, nur auf die diversion bei Andernach; dass mit derselben Ottos gefangennahme beabsichtigt war (Hrosvithae Gesta v. 280), ist wörtlich genommen sinnlos, nicht aber wenn von dem gesammtunternehmen und als abschneidung der rückzugslinie nach Sachsen verstanden, dies lässt Liudprand Antap. IV, 26 Ottos ritter befürchten, regis fideles circumquaque demoliri bezeichnet er c. 28 wol richtig als die absicht, vgl. Ranke Weltgesch. 6b,161. So erst erklärt sich die allgemeine furcht und meuterei im lager (Widukind II, 24, Liudprand IV, 26, Hrosvith v. 256 ff.) und Widukinds ausspruch: nec ultra spes erat regnandi Saxones. Jedoch Otto bleibt trotz seiner geringen truppenzahl stark und unerschütterlich (Widukind ib.), versagt auch in dieser not einem reichen grafen die abtei Lorsch. Liudprand ib. c. 26.27. Er entsendet den Schwabenherzog (Widukind nennt nur ihn) und die grafen Udo und Konrad (Liudprand und Cont. Reginonis nennen nur diese, Udo allein bei Hrosvithae Gesta v. 283 und in den Ann. Quedlinb., Chuno allein bei Ekkehardi Casus s. Galli c. 50) rheinabwärts, sie stossen bei Andernach auf den nachtrab der feinde und die beiden herzoge selbst, während die hauptmasse des heeres und die beute bereits am linken ufer geborgen war; nach heftigem kampf werden die feinde aufgerieben, Eberhard fällt, Giselbert ertrinkt im Rhein. Cont. Reginonis 939 (die nachricht vom untergang der herzoge aus Ann. Aug.); Widukind II, 26; Liudprandi Antap. IV, 28; Flodoardi Ann. 939; Hrosvithae Gesta v. 280‒287; Ann. Quedlinb. 939; daraus Thietmar II,34 (22); Ann. Stabulenses 938 (M. G. SS. 13,42); Ekkehardi Casus s. Galli c. 50 mit irriger verlegung des kampfes nach Breisach, auch Richer Hist. II, 19 lässt Otto selbst den sieg erringen; der tod der beiden herzoge ist auch in den meisten gleichzeitigen annalen vermerkt, vgl. die zusammenstellung bei Dümmler Otto I. 92. Otto empfängt die siegesnachricht mit frommem ernst auf dem wege zur kirche. Widukind II, 26 und Hrosvithae Gesta v. 292 bis 315, die den ort der schlacht ebenfalls in die nähe von Breisach verlegt; ausführlich bei Liudprand Antap. IV, 29. ‒ Quo audito Brisacenses castellani regiae dominationi subduntur et castellum obsidione absolvitur, Cont. Reginonis, Herimanni Aug. chr. 939; die Liudprand Antap. IV, 31 zufolge geplante entsetzung von Breisach nach rückkehr der herzoge von Andernach nach Metz unterblieb natürlich; mit dem falle der beiden herzoge ist Ottos sieg entschieden. ‒ Der tag der schlacht ist nicht überliefert; der zeitpunkt der rückkehr Ludwigs nach Laon (aug. 2) ist nicht massgebend, vgl. no 77b. 78a das datum der ziemlich gleichzeitigen Mir. s. Ghisleni c. 9 (M. G. SS. 15,578): 938 die dominica hora sexta, XII. kal. sept. Ghisleberto duce adversus Ottonem regem Saxonum causa regni concertante würde unter der annahme dass XV. kal. zu lesen sei, auf den 18. aug. 939 passen, also einen zu no 78 stimmenden späteren zeitpunkt der schlacht ergeben.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,1 n. 78b, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/0939-00-00_2_0_2_1_1_190_78b
(Abgerufen am 24.01.2017).