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RI XIV Maximilian I. (1486/1493-1519) - RI XIV,4,2

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Die Villinger Chronik H. Hugs berichtet: Im selben Jahr (=1503) uf Donstag nach dem hl. Pfingstag sah man hier in Villingen an den Kleidern der Leute figuren alls kritz1), und zwar in Form von Antonius- und Johanneskreuzen; das was der welt gar herschrocklich. Wenn ein Kreuz einem Menschen uf ain hemd fiel, so behielt er das Hemd neun Tage und Nächte lang an und betete Gott und dem heiligen Kreuz zum Lob 15 Vaterunser und 15 Ave Maria. - In einem eine Meile von Rottweil entfernt gelegenen Dorf namens Lindringen (Leidringen) lebte ein 14-jähriges Mädchen, deren Leib an Armen und Schenkeln von roten Kreuzen befallen wurde und auch von allen zaichen, mit denen Gott (=Jesus Christus) gemartert worden war: Geißel, Ruten, Speer, Schwamm und Dornenkrone, Nägel, Hammer und Lanze, nichts ausgenommen, konnte man schinbarlich an ihrem Leib erkennen. Gott zur Ehre stellte sich das Mädchen umb Gottes willen allen ganz nackt zur Schau und hatte nur ihre Scham bedeckt. Das war das größte Wunder, von dem man je gehört hatte, und man zog von weit her zum Mädchen, um es zu besehen. - Der Chronist hat viele dieser Kreuze selbst gesehen. Nicht wenige Menschen gingen sofort in die Kirche um zu beichten, wenn diese Kreuze auf sie fielen, denn es war erschreckend und niemand wußte, was daraus entstehen würde. Das Wunder ging durch das ganze Land um, und was der welt angst zu mut.

Überlieferung/Literatur

ED: Roder, Hug Chronik, 20 f. - REG: Graz FZÖAW, app max-reg, Sammlung Probszt. - NB: Zum sogenannten "Kreuzregen" vgl. auch Bd III/2, Nr 14514, 15200, 15362, 15363, 15364 und Bd IV/1, Nr 17412 (ab Punkt 18), 17880, 17881, 18107, 18329, 18449 sowie in diesem Band Nr 19627, 20182, 20183, 20508, 20540, 20554, 20576, 20592, 20636 (Punkt 8), 20834, 21495. Desgl. Joseph Grünpeck, Prodigiorum, portentorum, ostentorum et monstrorum, que in seculum Maximilianense inciderunt ... interpretatio (ed. 1502); Blasius Hölzl gewidmet mit neun Fderzeichnungen eines Tiroler Meisters, darunter eine Abbildung, die den "Kreuzregen" darstellt (Katalog Maximilian I. (1969), 103, Nr 389 und Abb. 80). Desgl. Jakob Mennel, De signis, portentis atque prodigiis (ed. Freiburg 1503); KM gewidmet mit zahlreichen farbigen Bildern des "Mennel-Meisters" (Katalog Maximilian I. (1969), 142, Nr 527). - LIT: 1) Wiesflecker, Kaiser Maximilian I., III, 47 f. (dort auch die naturwissenschaftliche Erklärung dieses Phänomens als vulkanischer Flugsand oder Aschenregen) und Andreas, Deutschland vor der Reformation, 198 ff.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI XIV,4,2 n. 20504, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1503-06-08_2_0_14_4_1_998_20504
(Abgerufen am 14.11.2018).