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RI XIV Maximilian I. (1486/1493-1519) - RI XIV,4,1

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Der venezianische Gesandte Zaccaria Contarini berichtet der Signorie von Venedig vom Königshof: (1) KM ist vorgestern (3. Jänner) nach Hall zurückgekehrt, wo er die frz. Gesandten und den Spanier zurückgelassen hatte. Gestern kehrte er mit dem spanischen Gesandten hierher (nach Innsbruck) zurück. Die Franzosen erhielten gestern die Nachricht aus Frankreich von der Veröffentlichung des (Trienter) Friedens (Nr 12570 und der Interpretation von Blois Nr 15816). - (2) Contarini hat KM und den Franzosen die Nachrichten der Signorie von Venedig vom 27. Dezember nach der Vesper mitgeteilt. Contarini berichtete, daß die Türken1) eine große Anzahl von Knechten alla Valona (in das Gebiet von Valona) schickten, um die (venezianische) Flotte anzugreifen. Contarini fragte KM, was er dazu sage, da dies a la bocca de Colpho (an der Mündung der Adria) in der Nähe Italiens liegt. Contarini bat um Hilfe, wie dies KM der Christenheit aufgrund seines hohen Amtes schuldig sei. - (3) Anwesend waren bei KM die Herrn de Monsoglia (Montjoie), der Herold des Kgs von Frankreich, der mit Herrn de Robertet gekommen war. Er hatte einen Plan von Griechenland. Matthäus Lang hatte einen anderen Plan des gesamten Donauraumes, und zwar von Deutschland bis nach Konstantinopel und einen großen Teil von Anatolien, mit allen Häfen vom venezianischen Golf (=Adria) bis zur Meerenge von (unleserlich - Dardanellen?). KM hatte diesen Plan zeichnen lassen und meinte, daß die frz. und die venez. Flotte schlecht beraten waren, nach Lesbos zu fahren; da dies so nahe bei Konstantinopel liegt, mußten die Türken die Franzosen und die Spanier von Lesbos vertreiben. Sie hätten besser Modon oder einen anderen Ort auf Morea (Peloponnes) besetzen sollen. Contarini entgegnete, daß Kriegszüge zu Lande unvergleichlich schwerer sind als zur See. - (4) KM kam auf Valona zu sprechen und meinte, daß die Türken auch Zara (Zadar) erobern wollen. Contarini entgegnete, daß für Zadar das gleiche gilt, wie für alle anderen Küstenplätze Venedigs: wenn die christlichen Fsten nicht helfen, wird infolge ihrer Versäumnisse das Unglück Venedigs nicht aufzuhalten sein. KM antwortete, daß er von der Bedrohung Zadars nicht unterrichtet wurde. Contarini verweist noch einmal auf die verzweifelte Lage Venedigs infolge der türkischen Bedrohung1). - (5) Dann kam KM auf Ungarn zu sprechen und sagte, daß er hier nichts Größeres unternehmen könne, weil seine Länder gegen die Türken durch hohe Berge getrennt und geschützt sind. Die Türken können hier mit keinem großen Heer kommen, da es weithin an Lebensmitteln mangelt. - (6) Contarini entgegnete, die Erfahrung habe das Gegenteil gezeigt: die Türken sind (über die Berge) gegen Friaul vorgestürmt und haben dort die Lebensmittel gefunden, die sie brauchten. KM erwiderte, daß die Türken nicht mehr als 5.000 Mann gewesen seien; wenn die Venezianer tüchtige Männer wären, würde kein Türke mehr zurückgekehrt sein. Dann besprach KM, was alles zu tun wäre. - (7) Schließlich verlas KM ein Kapitel der Briefe Ehg Philipps vom 2. Dezember Blois mit der Nachricht, daß ein guter Friede mit Frankreich geschlossen wurde. Morgen sei das Fest der Heiligen Drei Könige; da will KM den Frieden veröffentlichen. Weiters gab es Briefe des Legaten (Peraudi)2) aus Augsburg vom 20. Dezember an seine Sekretäre Narni und Bannissis; er berichtete, daß in Schwäbisch Hall um St. Pauli Bekehrung (25. Jänner) eine Tagung des (Schwäbischen) Bundes abgehalten wird, wohin auch einige Fsten und viele Städteboten kommen werden. Peraudi will diesen Tag besuchen und alle Anwesenden zum Kreuzzug aufrufen. - (8) Der Gesandte von Siena Giovanni Battista (Nachname unleserlich) ist gekommen, um seine Stadt als krl. Gebiet in diesen Frieden einzuschließen und einige Anliegen der Stadt KM vorzutragen. KM empfahl ihm zwei Hauptleute für Siena, und zwar Antonio Maria de Sanseverino und Giovanni Gonzaga. Dieser wollte auf jeden Fall Contarini aufsuchen und im Namen des Mgf (Francesco Gonzaga) der Signorie von Venedig seine Ergebenheit erweisen. Gonzaga berichtete Contarini, er habe aus Italien erfahren, daß der Papst gegen die Signorie Krieg beginnen wolle. Ex Inspruch 5. Januarij 1501 (für uns 1502).

Überlieferung/Literatur

RE (ital. Bericht): Venedig BNM, MSS ital, class VII, Nr 990, colloc 9582, fol. 110v f. - NB: Da der venezianische Kalender das Jahr erst mit dem 1. März umsetzte, ist das Jahresdatum für uns 1502. - LIT: 1) Wiesflecker, Kaiser Maximilian I., III, 49 ff., 144 ff., 487 ff. (dort weitere Literatur und Quellen). - 2) Wiesflecker, Kaiser Maximilian I., III, 39 ff., 49 ff., 456 ff. (dort weitere Literatur und Quellen).

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI XIV,4,1 n. 15862, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1502-01-05_1_0_14_4_0_29_15862
(Abgerufen am 16.06.2019).