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RI XIV Maximilian I. (1486/1493-1519) - RI XIV,4,1

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Der venezianische Gesandte Zaccaria Contarini1) berichtet der Signorie von Venedig vom Königshof: (1) Heute morgen kam Pietro (Bonomo2)) di Trieste zu Contarini mit Briefen aus Ungarn: Darin wird berichtet, daß Alexander von Litauen zum Kg von Polen gewählt wurde. Vorher war aber der Kg (Wladislaw) von Ungarn durch die Liga des Widerstandes zum König gewählt worden, was aber der ungarische Adel nicht wollte; daher ist dessen Bruder Alexander König von Polen geworden. - (2) Kg (Wladislaw) von Ungarn will in den nächsten Tagen zwei Gesandte zu KM schicken, die über den Türkenzug verhandeln sollen. Pietro (Bonomo) berichtete auch von einem ungarischen Unternehmen gegen die Türken, wobei angeblich 500 Dörfer verbrannt wurden. - (3) Pietro (Bonomo) hat Contarini auch berichtet, daß KM heute nach Hall zurückkehren will; Pietro soll mit Contarini hier bleiben und auch auf KMs Anweisung warten. Contarini möchte lieber nach Hall zurückkehren, um mit den frz. Gesandten zusammenzusein, die bald abreisen werden. Es ist sicher die Absicht KMs, Contarini von den Franzosen fernzuhalten. - (4) Pietro (Bonomo) dankte Contarini für seine guten Dienste, die er ihm vorgestern bei KM leistete: Contarinis Worte haben KM sehr gefreut. Die Gefangenen der Familie Pietros wurden nach Görz gebracht; Pietro hofft, daß er sie vor das Innsbrucker Regiment bringen kann, wo ihre Unschuld sicher bewiesen werden kann, und die Urheber dieser Hinterlist bestraft werden. - (5) Contarini hat Briefe des Legaten Peraudi aus Ulm erhalten. Peraudi teilte KM mit, er sei nicht geneigt, zu den Fsten zu gehen, denn mit der Instruktion KMs werde er nicht viel ausrichten können. Auch hat Peraudi kein Geld. Wenn KM aber auf dem Kreuzzug beharrt, wird Peraudi zu den Fsten gehen und sie zum Kreuzzug aufmahnen. - (6) Außerdem hat Peraudi den Ablaß in Ulm und Augsburg verkünden lassen, was KM sehr mißfiel, da er wollte, daß der Ablaß erst verkündet wird, wenn die Leute sicher sein können, daß der Kreuzzug wirklich stattfindet, so daß sie mit Überzeugung für den Ablaß spenden. Aber der Legat hat kein Geld und ihm gebührt ein Drittel der Kreuzzugsgelder. Bisher hat Peraudi den Ablaß in den sechs ersten Städten Deutschlands verkündet, und zwar in Wien, Salzburg, Nürnberg, Nördlingen, Augsburg und Ulm. Man hört, daß außer in Wien alles Geld bereits abgehoben wurde. Contarini glaubt, daß auch in den anderen Orten die Gelder einen anderen Weg nehmen werden, wenn nicht alle, dann der Großteil. Ex Inspruch 2. Januarij 1501 (für uns 1502).

Überlieferung/Literatur

RE (ital. Bericht): Venedig BNM, MSS ital, class VII, Nr 990, colloc 9582, fol. 109 f. - NB: Da der venezianische Kalender das Jahr erst mit dem 1. März umsetzte, ist das Jahresdatum für uns 1502. - LIT: 1) Höflechner, Gesandte, 385 f.; Naschenweng, Beiträge Diplomatie, III, 151 f. - 2) Höflechner, Gesandte, 27 f.; Naschenweng, Beiträge Diplomatie, III, 62.

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Empfohlene Zitierweise

RI XIV,4,1 n. 15841, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1502-01-02_2_0_14_4_0_6_15841
(Abgerufen am 26.05.2019).