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RI XIV Maximilian I. (1486/1493-1519) - RI XIV,3,2

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Baronius (ed. Raynaldus) berichtet in seines Annales Ecclesiastici: Gf Johannes Franciscus Picus Mirandulae bezeugt, daß ihm KM persönlich die Kreuzwunder auf Kleidern und an Personen gezeigt habe; er habe sie mit eigenen Augen gesehen und hat dieses Ereignis in lateinischen Versen festgehalten. [Es folgen in Auswahl die lateinischen Verse]. -- Mirandola bezeugt, daß es in Deutschland dafür zahllose Zeugen gibt. Diese Kreuzwunder wurden auch in Konstanz, Basel, Breisach, Ulm, Schwaben und in Böhmen gesehen; desgleichen apud Noricos (in Österreich), Sicambros (Franken), Cimbros (?), Vangiones (?), Osos (?), Vindelicos (Bayern) und Raetos (Tirol). -- Mirandola beschreibt im Gedicht das Staunen der Innsbrucker über diese Wunderzeichen, =Insprukenses prodigii magnitudine perculsos. Viele baten unter Tränen um Verzeihung ihrer Sünden. Zwecks öffentlicher Buße und Sühne kamen Wallfahrer durch die Stadt und entzündeten die Innsbrucker mit gleichem frommen Eifer. Es waren Leute aus Italien (heimkehrende Rompilger?) und Leute aus dieser Gegend in weißen und grauen Leinen- und Wollkleidern, barfuß und ohne Hut; sie hatten nach dem Beispiel unseres Herrn (Jesus) weder Reisetasche noch Stock. Sie tranken weder Wein noch Bier und fasteten alle Tage außer Sonntag. Sie aßen nur Kräuter und Wurzeln mit etwas Salz, kein Fleisch oder Fisch, keine Butter, Käse oder Milch. In den Kirchen warfen sie sich beim Gebet mit ausgebreiteten Armen auf die Erde; sie blieben an keinem Ort länger als 24 Stunden. Zu zweit oder dritt zogen sie durch Städte und Dörfer und bettelten von Tür zu Tür um Speise und Trank. Die meisten gehörten dem geistlichen Stand an. Sie hatten nichts als ein Kleid, einen Gürtel, ein Holzkreuz und einen Rosenkranz bei sich. Sie besuchten auch Köln und Aachen. Diese Buße nahmen sie freiwillig auf sich und waren entsprechend ihrem Gelübde drei, fünf oder sieben Jahre unterwegs. Die volle Wallfahrt betrug sieben Jahre; Mönche und Frauen waren aus der Gemeinschaft der Wallfahrer ausgeschlossen. -- Mirandola fährt mit der Beschreibung der Kreuzwunder fort. Christus wollte, daß man seines Kreuzes eingedenk bleibe. Mirandola mahnte KM, sich der Sache Christi anzunehmen, die im Abendland nur mehr wenig bedeute, im Orient aber ganz vergessen sei. Aber weder die Mahnungen des Kardinals (Peraudi) von Gurk noch jene des Gfen Mirandola noch die Kreuzwunder bewogen KM zum Kreuzzug; vielmehr verständigte er sich in Trient heimlich mit Frankreich, die Städte des venezianischen Festlandes untereinander aufzuteilen.

Überlieferung/Literatur

ED: Raynaldus, Annales 19, XIX, 506 f. -- NB: Raynaldus schließt diesen undatierten Text, der offenbar mehrere Quellen ineinander verarbeitet, an die bekannten Berichte vom 18. Mai 1501 an; daher unsere Datierung. -- LIT: Über den Gfen Gian Francesco della Mirandola vgl. P 2, III/1, 194 f. (ed. 1924/Neudruck 1955).

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI XIV,3,2 n. 15364, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1501-05-18_3_0_14_3_2_2636_15364
(Abgerufen am 14.11.2018).