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RI XIV Maximilian I. (1486/1493-1519) - RI XIV,3,2

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Johannes de Horne, Bf von Lüttich, an KM: Der Bf erinnert an die Gespräche, die er mit KM über den Türkenkrieg geführt hat, und an die Bemühungen, die Reichsfsten zum Kreuzzug anzuspornen. -- Der Bf berichtet KM in diesem Zusammenhang, daß seit Ostern an verschiedenen Orten seiner Diözese öffentlich in Kirchen, auf Plätzen, in Häusern Kreuzzeichen erschienen sind, und zwar von schwarzer und roter Farbe, daß man sie für wirkliches Blut halten könnte. Es sind meist einfache Kreuze, mitunter mehrfach in der Gestalt des Abzeichens des Ordens vom Hl. Grab. -- Diese Kreuzzeichen erschienen meist auf der Kopftracht der Frauen und Mädchen, selten bei Männern. Neuerdings sieht man sehr häufig die Form von Blutstropfen. Man kann nicht sagen, es seien Erscheinungen in der Luft. Man sieht es bei Tag und nimmt es mit den Sinnen wahr. Es ist keine Täuschung. Es kommt an verschiedenen Orten vor, bei Leuten verschiedenen Standes, eher bei einfachen Leuten, denen jeder Betrug fernliegt. -- Der Bf hat alle Obsorge walten lassen und ist sicher, daß kein Betrug vorliegt. Diese Zeichen mahnen dazu, sich mit KM zur Vertreibung der Türken zu erheben und aus freien Stücken das Kreuz zu nehmen. Wenn diese Kreuze nur die Frauen auszeichnen und nicht die Männer, so ist dies ein ewiger Vorwurf. -- Der Bf fordert auf, den heiligen Vorsatz KMs durchzuführen, denn der Türke schlägt bereits an die Pforten des Röm. Reiches. -- In der Geschichte liest man, daß auch zu Zeiten Karls des Großen das Kreuzzeichen auf den Kleidern der Menschen erschienen sei. Jerusalem und das ganze Hl. Land wurde im Kreuzzug erobert und beinahe ganz Asien unterworfen. Der Priesterkönig Johannes, Sohn des Kgs der Friesen, =filius regis Frisonum, war im fernen Indien. Vor dem fünffachen Kreuz der Kreuzfahrer flüchteten die Sarazenen. Die Kreuzfahrer eroberten Konstantinopel, und Balduin, Gf von Flandern, wurde daselbst Kaiser (!). Man liest aber auch in den Chroniken, daß auf die Kreuzerscheinungen für die Christenheit schwere Niederlagen folgten, wenn sie nachlässig wurden, so in Ronzivalle unter Karl dem Großen. Diese Beispiele mögen ebenso zum Vertrauen wie zur Vorsicht mahnen. -- Noch einen anderen Fall möchte der Bf kurz anführen und ihn weder bestätigen noch zurückweisen: In Malhorne zu Limburg, in der Lütticher Diözese, behauptet ein neunzehnjähriges Mädchen eine (Marien-)Erscheinung gehabt zu haben. Eine strahlend weiße Frau sei dem erschreckten Mädchen erschienen und habe ihm gesagt, sie habe durch ihr Gebet den Zorn Gottes bisher versöhnt, aber wenn das sündhafte Menschengeschlecht nicht Buße tue, werde die Welt zugrunde gehen. Man solle das Kreuz in Ehren halten, das allenthalben erscheine. -- Als das Mädchen dies öffentlich verkündete, wie ihr von der Erscheinung aufgetragen wurde, verbreiteten sich Furcht und Schrecken. Im ganzen Hgtm wurden seither feierliche Gebete, Prozessionen und Wallfahrten abgehalten und sie reissen bis jetzt nicht ab. -- Der Bf hat das Mädchen mit ihren Eltern und ihrem Pfarrer zu sich kommen und von Professoren der Theologie prüfen lassen. Das Mädchen hat auf alles mit Anstand geantwortet und niemand konnte etwas Unrichtiges feststellen. Alle haben über den Wandel des Mädchens das beste Zeugnis abgegeben. Der Bf will über den Fall kein Urteil abgeben. Er hat jedenfalls zur Folge, daß die Leute allenthalben Buße tun. Ex Traiecto 18 Maii 1501. -- JOHANNES de HORNE episcopus LEODIENSIS.

Überlieferung/Literatur

ED: Sanudo, Diarii, IV, 137 ff. -- Teil-ED: Raynaldus, Annales 19, XIX, 506 (aus Nauclerus). -- NB: Obigem Schreiben ist angefügt die ausführliche Darstellung eines ähnlichen Kreuzwunders, das sich gleichzeitig mit der Niederschrift des Briefes in der Servatiuskirche zu Maastricht zugetragen hat (ED: Sanudo, Diarii, IV, 141 ff.). -- REG: Valentinelli, Regesta, II, 577 f., Nr 658, 659 (dort die Überlieferung aus Venedig BNM, VII/422, fol. 48 ff.). -- LIT: Wiesflecker, Kaiser Maximilian I., III, 46 ff.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI XIV,3,2 n. 15362, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1501-05-18_1_0_14_3_2_2634_15362
(Abgerufen am 14.11.2018).