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RI XIV Maximilian I. (1486/1493-1519) - RI XIV,3,2

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Der burgundische Geschichtsschreiber Molinet berichtet: Ehg Philipp, seine Gemahlin (Juana) und Ehgin Margarethe feierten Ostern (11.--17. April 1501) in Brügge, =leurs Pasques 1501 en la ville de Bruges, wo Papst (Alexander VI.) die Ablässe des vergangenen Jubeljahres (1500) verkünden ließ, ebenso wie in den Städten Lille, Mons und Valenciennes. -- Damals gelangten Neuigkeiten an den Hof über wunderbare Kreuzzeichen, die sich im Gebiet von Lüttich zeigten: in Kirchen, in Häusern, Zimmern und anderen Orten; an Kleidern von Frauen, und zwar stark eingeprägt wie von Künstlerhand. -- Zu gleicher Zeit ging das Gerücht durch das Land, daß der ungläubige Großtürke, =grand Turcqu, mit einer großen Armee zum Schutz des Kgs von Neapel anrücke, mit dem er gegen den Kg von Frankreich verbündet war. Kg Ludwig XII. rüstete damals gegen den türkischen Überfall. Daher glaubten mehrere Leute, daß diese Kreuze die Christenheit auf wunderbare Weise unterstützen wollten; andere glaubten, daß diese Kreuze künstlich gemacht seien, um die Fsten zu einem Kreuzzug zu ermuntern, wie vor alter Zeit, als man Jerusalem, Konstantinopel und schier unzugängliche Festungen mit äußerster Tapferkeit eroberte. -- Ein großer Gelehrter schrieb einen Traktat über diese Kreuzzeichen, der weit verbreitet wurde. Er fügte auch andere Wunderzeichen hinzu: man habe über der Stadt Jerusalem 40 Tage lang bewaffnete Reiter durch die Luft fliegen sehen, außerdem einen Kometen in Gestalt eines Schwertes; man hörte Wehgeschrei und Stimmen, die zur Flucht aufforderten. Die ungläubigen Juden kümmerten sich um diese Zeichen nicht. -- Gleiche Zeichen sah man zu Zeiten Karls des Großen, als die Sarazenen Jerusalem und das Heilige Land eroberten, und der Priesterkönig Johannes, Sohn des Kgs der Friesen, Indien unterwarf. Solche Kreuze erschienen am Himmel um das Jahr (1200?), als durch einen großen Kreuzzug Konstantinopel erobert wurde und der glorreiche Gf von Flandern (Gottfried von Bouillon?) zum Kaiser (!) gewählt und gekrönt wurde.

Überlieferung/Literatur

ED: Doutrepont-Jodogne, Chroniques de Jean Molinet, II, 483 ff. (ed. Doutrepont); Doutrepont-Jodogne, Chroniques de Jean Molinet, V, 145 ff. (ed. Bouchon). -- NB: Vgl. dazu auch die Nrn 15362, 15363 und 15364.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI XIV,3,2 n. 15200, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1501-04-11_2_0_14_3_2_2470_15200
(Abgerufen am 14.11.2018).