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RI XIV Maximilian I. (1486/1493-1519) - RI XIV,3,2

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Domherr Peter von Aufseß berichtet Bf Lorenz von Würzburg vom Reichstag zu Worms: Vergangenen Sonntag (6. Jänner) berichtete Aufseß vom Stand dieses reichstags zu Worms und, daß man eine ungarische Gesandtschaft erwartet. Diese ritt, angeführt von Bf Antonius (de Sánkfalva) von Neutra und Josua von Soom, Gf von Temesvar und oberstem Hauptmann Ungarns an der Grenze zur Thurckey, gestern (7. Jänner) mit großer Zier und Macht hier (in Worms) mit 150 Pferden ein, ohne von der (Reichs-)Versammlung eingeholt worden zu sein, weil man sich nicht als solche verstehen will, da die Versammlung gering (nicht hochranging) und klein ist, so daß man der ungarischen Gesandtschaft keine Ehre hätte erweisen können. So empfingen KMs Räte die ungarischen Gesandten im Namen KMs und teilten ihnen mit, daß der Reichstag (nach Köln) verlegt wird. ‒ Als die reichsständischen Gesandten gestern (7. Jänner) im Rathaus (versammelt) waren, traf ein strenges Schreiben KMs an seine Anwälte ein, daß alle Reichstagsgesandten acht Tage nach Übergabe dieses Schreibens nach Köln aufbrechen sollen, wohin der (Reichs-)Tag verlegt wird. Weil die kfstl. Gesandten (von Mainz und Sachsen) noch keinen Bescheid (ihrer Herrn) erhalten hatten, begann der (Bf Johannes) von Worms seine Umfrage bei Aufseß, der seine Bereitschaft dazu erklärte, wenn auch die anderen Gesandten der Fsten nach Köln ziehen. Weil sich anschließend auch alle anderen Gesandten der Fsten und Städte dazu bereiterklärten, möge Bf Lorenz den Aufseß instruieren, wie ihn dieser (bei KM in Köln) entschuldigen soll, und was der Bf sonst durchgeführt haben will. ‒ KM ist aus Köln weggezogen und (noch) nicht (wieder) dort. ‒ In der Nacht war ein rumor wegen einer Schlittenfahrt, den die scharwechtter (Nachtwächter) auslösten, wobei der vom Guttenstein, der zu Frankfurt die Perlen im Bart trug und mit Hans Rodern einen Tunierkampf ausfocht, arg verprügelt, =ser gehawn, wurde. ‒ Gestern (7. Jänner) traf ein Schreiben des (Ebfs Berthold) von Mainz an KMs Anwälte ein, worin er unter anderem schreibt, KM habe erfahren, daß die hier Versammelten sollen tractirn vnnd hanndlen, ein perlament vnnd regirung zu machen wider vnnd zuuerstorung seiner kon. Mt. mit seiner Mt. regimentt, was KM eine hohe beschwernuß sei. Alle Gesandten der (Reichs-)Versammlung hörten dies mit großer Verwunderung und widersprachen dem, da kainer des wortes versammlung (wegen) ein perlament zu machen ye gedachtt habe. Insbesondere äußerte (der Vertreter des Bfs von) Augsburg dazu, daß sein Herr und andere künftig auch mit den letzten kommen werden, wenn sie als Dank dafür, daß sie gehorsam als erste hier erschienen sind, nicht mehr Dank ernten, als bei KM unwahr beschuldigt zu werden, ein perlament gegen KM zu machen; ähnlich frei äußerte sich (der Vertreter des Mgfen von) Baden. Sie baten, dem Mainzer zu schreiben, KM ihre Unschuld zu beteuern, haben sie doch nur das ihnen von KM Befohlene behandelt und nichts anderes. ‒ Der Streit zwischen dem Pfgfen (Philipp bei Rhein) und denen von Seltze (Seltz) einerseits und den Mönchen von Weißenburg anderseits ist beigelegt, indem sich die Seltzer um 130 fl von Weißenburg freikaufen und künftig nicht mehr eygen, sondern frei sein sollen; alle Prozesse, (geistl.) Zensuren und Interdikte sollen damit aufgehoben und die Kosten kompensiert sein. Die Seltzer dürfen keinen Weißenburger Eigenmann mehr aufnehmen, es sei denn, dieser hat sich vorher mit Weißenburg vertragen. ‒ Etliche glauben, daß aus diesem (Reichs-)Tag ganz und gar nichts werden wird, was insbesondere der Vertreter des (Ebfs Berthold) von Mainz annimmt; warum dieser morgen (9. Jänner) heimreitet, weiß Aufseß nicht, doch läßt er Wilhelm von Wolffskele an seiner Stelle hier. Geben eylants Worms Dinstag nach Epiphanias Domini 1499. ‒ E.f.g.w.v. PETER von AUFFSASS tumher etc.

Überlieferung/Literatur

KOP (Ppr, ungefähr gleichzeitig): Würzburg SA, Würzburger rta 2a-e, fol. 247-248v. ‒ LIT: U 1, I, 623 und 623, Anm. 2; Schröcker, Reichspolitik Bertholds von Henneberg, 287, 287, Anm. 2 sowie 288 und 288, Anm. 2 (bei Schröcker, Reichspolitik Bertholds von Henneberg als Archivlokation Würzburger rta IV, fol. 4v-5).

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI XIV,3,2 n. 12826, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1499-01-08_1_0_14_3_2_11_12826
(Abgerufen am 28.02.2020).