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RI XIV Maximilian I. (1486/1493-1519) - RI XIV,3,1

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KM gibt den Abgeordneten der Landstände von Österreich folgenden Abschied (=“Mainzer Libell“): KM hat die österreichischen Landstände um eine ersprießliche Summe gebeten. Obwohl sie durch lange Kriege, unfruchtbare Jahre und große Ausgaben für wld Kr (Friedrich III.) und auch KM sehr verarmt sind, wollen die Landstände KM 12.000 lbd geben. Sie hoffen, KM werde diese Ehrengabe annehmen, und bitten ihn, die von ihren Abgeordneten vorgebrachten Beschwerden abzustellen, damit das haws Osterreich widerumb in aufnemen kome und KMs eer vnnd macht umso höher wachsen. Hinsichtlich der Lehen möge KM folgende Beschwerden abstellen: Dadurch, daß dem Adel die Versicherung der Aussteuer, =haimstewr, seiner Frauen auf landesfstl. Lehengüter nicht bestätigt wird, könne der Adel sich und seine Kinder für den Ehestand nicht versehen, so daß vnnser namen vnnd gebluet aufgrund von (materieller) Not ausgelescht würden. Auch haben KMs Vorfahren stets den Frauen und Verwandten des Adels ihre Erbschaften. Pfandschaften und Käufe. =vermächt, sätz vnnd kewff, von Lehengütern bestätigt und sie damit belehnt, was der Adel nun bei KMs Regenten nicht erlangen kann. KMs Antwort: In Lehenssachen des Adels, das sind die Herren und die Ritterschaft in Österreich unter der Enns. soll es nach dem alten Herkommen gehalten werden, das jedoch mittels brieflich vrkundt oder anders ausreichend bewiesen werden muß. Dies soll dem Hauptmann und den Regenten zu tun befohlen werden. Der Kr löblichen Andenkens (Friedrich III.) und KMs andere fstl. Vorfahren haben den Landleuten stets (Lehen-)Güter gegen Vorlage der Kauf- und Aufsandtbriefe verliehen und den Landleuten zugestanden, die Güter je nach Notwendigkeit zu verändern. Wer keinen Sohn hat. dem gestattet das Regiment im Namen KMs nicht, sein (Lehen-)Gut zu verkaufen, und verweigert die Belehnung des Käufers, wie das jetzt Gamuret Frannawer (Fronauer), Hans Hawser, Stodolick Derrn und anderen geschah. Weil dabei doch ein lanndtman dem anderen (Lehengüter) gibt, beschwert sich die lanndtschaft sehr über dieses unerhörte Vorgehen: es muß also einer bei seinem ererbten und gekauften Gut im Falle, daß es Lehengüter sind, zu spott vnnd verderben kommen, weil er damit seine Schulden nicht decken kann. KM möge dem Regiment befehlen, gemäß dem alten Herkommen Landleute bei Vorlage von Kauf- und Aufsandtbriefen zu belehnen. KMs Antwort: Bei (durch) Pfandschaft oder Kauf (erworbenen Lehengütern) soll nach Aufsendung (der neue Inhaber) belehnt werden gemäß dem alten Herkommen, jedoch ist dieses durch Urkunden oder anders ausreichend nachzuweisen. Die Ebfe von Salzburg, die Bfe von Bamberg, Regensburg, Passau und Freising, die Hge Albrecht und Georg von Bayern, der Mgf von Brandenburg und andere Herren haben Lehen in Österreich, wollen diese aber nicht weiterleihen, was dem Adel zum Verderben gereicht. Zudem laden die auswärtigen Herrn österreichische Landleute, die von ihnen Lehen haben, außer Landes vor sich, was den Adel schädigt und KMs Obrigkeit mindert. Die meisten Schlösser, Dörfer etc. wurden in den Kriegszeiten schwer beschädigt; weil man von einem Wiederaufbau nichts hätte, werden sie nicht viel besser gehalten werden als ein Leibgeding und ungebaut bleiben. KM möge bedenken, welcher Schaden an Obrigkeit, Mannschaft, Ungeld, Zöllen und Mauten erwächst. KMs Antwort: Mit der Rechtfertigung der Lehen, die ausländischen Herren gehören, soll es nach altem Herkommen gehalten werden, wenn dieses ausreichend bewiesen werden kann. Die Landstände bitten KM, wie bisher Lehen, welche die Fsten von Österreich verleihen, von Brüdern und Vettern erben zu lassen. KMs Antwort: Wenn ein Lehensmann unverheiratete Töchter hat und kein freies Eigen besitzt, soll den Töchtern von den Lehen, die er hinterläßt, ein geziemendes Heiratsgut gegeben werden. KM hat zugesagt, daß die nächsten Erben ein eingezogenes Lehen um einen geringeren Pfennig erhalten sollen. Die Landstände beschweren sich, daß sie diese Lehen nur sehr teuer erhalten. KMs Antwort: Die nächsten Erben sollen das Lehen vor anderen erhalten und es soll ihnen ein Viertel, =der 4. phenning, nachgelassen werden. Obwohl die Landschaft Österreichs das Privileg hat, daß sich hier keine Juden niederlassen dürfen, sind zu Marchegg und anderswo viele Juden. KMs Antwort: Er wird die Juden ausweisen, ihnen aber eine Frist von einem Jahr ab heute (=8. April) gewähren, in der den Juden Recht gesprochen und die Urteile vollzogen werden müssen, damit sie offene Schulden eintreiben können; laut vormals mit den Juden abgeschlossenem Vertrag, =tractat, dürfen ihnen dabei die Gerichtsverfahren weder verzögert noch versagt werden. Da es wegen der Bezahlung des Ungeldes und der Befreiung davon Beschwerden gibt, möge KM seinen Amtleuten die Beachtung des alten Herkommens befehlen. KMs Antwort: Er wird veranlassen, daß die Landleute nicht wider das alte Herkommen belastet werden. Durch die Münzverringerung ist den Landständen großer Schaden entstanden. KMs Antwort: Das Wiener Regiment, einige Landleute und einige von KM abgeordnete Münzmeister und münzverständige Leute sollen eine Münzordnung beraten, die KM dann endgültig erlassen wird. In den vergangenen Kriegszeiten sind manchen zu Unrecht ihre Güter entzogen worden. KMs Antwort: Jeder muß seinen Besitz nachweisen, dann wird unverzüglich Recht ergehen. Die Stadt Wien hält sich nicht an das alte Herkommen der freien Einfuhr von Proviant, Wein und Bier nicht nur für Regimentsmitglieder, sondern auch für die kgl. Räte und die Beisitzer des Landrechts sowie für die Teilnehmer an einem Landtag; desgleichen hält sich die Stadt nicht an die Befreiung vom Brückengeld für alle, die auf Erfordern des Landesfsten in die Stadt müssen. KMs Antwort: Die Regenten sollen sich nach dem alten Herkommen erkundigen und dann für dessen Einhaltung sorgen. Stein, Krems und Korneuburg lassen keinem Getreide auf der Donau transportieren und wollen alle zwingen, ihnen das Getreide zu verkaufen, um es dann zu Höchstpreisen weiterzuverkaufen; auch wollen sie die bestehenden Getreidelager zu Stockerau und anderswo abschaffen und haben ohne Recht eigene Lager errichtet. KMs Antwort: Die Regenten sollen die Freiheiten überprüfen und eine Ordnung erlassen, damit allgemeiner Schaden vermieden wird. Die Gemeinden in der Wachau verlangen von den Weingärten der Landleute weiterhin jene Steuern, die in den Kriegszeiten darauf geschlagen worden waren. KMs Antwort: Die Regenten sollen prüfen, ob dies gegen das alte Herkommen und den Landesbrauch ist. In dem Vertrag zwischen KM und den Landständen wurde die Abschaffung aller betvogtey beschlossen; die geistl. Herrn wollen aber nur briefliche Urkunden gelten lassen. KMs Antwort: Alle betvogtey soll abgeschafft sein; Erbvogteien jedoch sollen bestehen bleiben, wenn sie ausreichend bewiesen werden können. KM möge dem Landmarschall und den Beisitzern des Landrechtes befehlen, wie von altersher Recht zu sprechen, damit das Landrecht in steter Übung bleibt. KMs Antwort: Er wird für die Besetzung des Landrechtes mit verständigen Leuten aus dem Land ob und nieder (!) der Enns und die Besoldung von Landmarschall und Beisitzern sorgen, damit sie nicht wie bisher Ursache haben, das Landrecht nicht zu besetzen. In den Kriegswirren zur Zeit des Krs (Friedrichs III.) ist das Landrecht nicht gehalten worden, so daß viele Rechtsgewohnheiten und -ordnungen in Vergessenheit gerieten. Einige kgl. Räte (=Juristen?) und einige vom Adel sollen zusammen mit den Landständen die wichtigsten Artikel des Landrechts kodifizieren, wobei die Stände die Geschichte des Landrechts und etliche Beschwerden vorbringen werden. KM möge zusammen mit den Landständen die Neuordnung des Landrechtes, das unbeschadet ihrer Freiheiten auch für die Freiherrn gelten soll, beschließen, wobei KMs Obrigkeit nicht beeinträchtigt werden soll. Diesbezüglich möge KM auch die Privilegien und Freiheiten angeben, die seine Vorfahren mit Hilfe der Landleute von den Röm. Krn erlangt haben. Obwohl von Urteilen KMs oder des Landmarschalls keine Appellation zulässig ist, werden die Landstände durch Supplikationen in das krl. Recht (=Röm. Recht) gezogen und müssen mit hohen Kosten doctores halten; weil die Händel trotz der vielen Kosten kein Ende finden, würden auch berechtigte Forderungen aus Angst vor den Kosten gar nicht mehr eingeklagt. KMs Antwort: KM wird den Regenten befehlen, einen Tag anzusetzen, dazu etliche Räte und Landleute verordnen und dann das Landrecht kodifizieren lassen. Menncz Montag nach Sonntag Quasimodogeniti 1499. HZ: P.r.p.s. SERNTEINER ss.

Überlieferung/Literatur

ORG (Ppr, Aufdrucksiegel abgefallen): Wien NÖLA, ständ ukd A-2-5. VIDIMUS des Christoph von Liechtenstein und Nikolsburg ddo 1499 August 12 (Pgt, Hängesiegel): Wien NÖLA, ständ ukd A-2-5. KOP: Wien NÖLA, Hs 27 = Schönkirchnerbuch AA. Nr 71, fol. 305. REG (teilweise KOP): Wien HHSA, ma 5a=9, fol. 81-92. LIT: Adler, Centralverwaltung, 215 f.; Adler bezeichnet obiges Stück als „Mainzer Libell“. NB: Die Antwort KMs zum letzten Artikel betreffend die Kodifzierung des Landrechtes findet sich als von Andreas Wisinger collationierte und mit seiner eigenhändigen Unterschrift beglaubigte Abschrift samt obigem Datum und den Unterschriften auch in Wien HHSA, Österr. Akten, Niederösterreich, fasz 1, fol. 25. Am linken Rand dort der Vermerk, daß die Landschaft (im Zuge des Augsburger Libells vom 10. April 1510) von allen Artikeln in dem papiren libel laut dis datum (= 1499 April 8 Mainz) nur diesen einen Artikel bestätigt haben möchte.

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Empfohlene Zitierweise

RI XIV,3,1 n. 9103, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1499-04-08_7_0_14_3_1_112_9103
(Abgerufen am 30.03.2017).