Regestendatenbank - 194.358 Regesten im Volltext

[RI XIII] Friedrich III. (1440-1493) - [RI XIII] H. 4

Sie sehen den Datensatz 822 von insgesamt 1054.

K. F. erinnert Bürgermeister, Rat und Gemeinde der Stadt Ulm daran, daß er nach zahlreichen Verhandlungen im Reich zuletzt in Augsburg1, wo er ihnen seiner und anderer Fürsten Lande und der ganzen Christenheit Bedrängung durch die Türken persönlich vorgetragen hatte, von den Kff. Fürsten und anderen Untertanen Hilfszusagen gegen die Türken erhalten hatte, deren Verwirklichung zunächst am Einfall Hz. Karls von Burgund in das Reich und nach der mit ihrer Hilfe erfolgten Abwehr seines Angriffs auf die Stadt Neuss am Kg. von Ungarn gescheitert sei, der ihm nach seiner Rückkehr in die Erblande one alle redlich ursach Fehde angesagt habe. Um seiner Pflicht als K. Genüge zu tun und den Widerstand gegen die Türken zu organisieren, habe er mit dem Ungarnkönig nach einem neuerlichen Einfall der Feinde der Christenheit in seine Erblande einen ewigen Frieden abgeschlossen2, woraufhin sich dieser ihm wie andere Fürsten und Untertanen des Reich eidlich verpflichtet habe3. Er (K. F.) habe dann sowohl der Bitte des Ungarnkönigs entsprochen, zum Schutz gegen die Türken eine Anzahl Truppen in den ksl. Erblanden stationieren zu dürfen sowie freies Bewegungsrecht für diese verfügt, als auch auf dessen Wunsch hin die Ansetzung eines Tages auf Pfingsten (Mai 21) nach Nürnberg gestattet, zu dem eine ungarische Gesandtschaft zugelassen werden sollte4. Nun jedoch habe der Ungarnkönig unter Mißachtung seiner Pflichten die Verträge schmählich gebrochen, indem er seine Truppen zu Überfällen auf die erbländischen Schlösser und Städte des K. benutzt und die Stadt Radkersburg betreuglichen in seine Gewalt gebracht habe5. K. F. gebietet ihnen wie anderen Reichsuntertanen6 deshalb unter Hinweis auf ihren Gehorsam anläßlich des burgundischen Kriegs bei ihren Pflichten, bei Verlust ihrer Rechte und Privilegien, bei den auf das crimen laesae maiestatis ausgesetzten Strafen sowie bei seiner und des Reichs Acht und Aberacht, ihre Truppen nach bestem Vermögen zu rüsten und bis Pfingsten (Mai 21) nach Linz zu schicken, von wo aus sie gegen den Ungarnkönig geführt werden sollen.

Originaldatierung:
Am XXIIIIten tag deß monatz marty (nach Kop.).
Kanzleivermerke:
KVr: A.m.d.i.i.c. (nach Kop.).

Überlieferung/Literatur

Kop.: Abschrift7 im StadtA Frankfurt/M. (Sign. Reichssachen I n. 6038), Pap. (15. Jh.).

Reg.: Janssen II n. 559.

Anmerkungen

  1. 1Zum Augsburger Tag im April-Mai/Juni 1474 s. Bachmann, Reichsgeschichte II S. 456-460.
  2. 2Es handelt sich um den Frieden von Gmunden/Korneuburg vom 1. Dezember 1477 (bekanntgegeben am 18./19. Dezember 1477), s. dazu Nehring, Matthias Corvinus S. 91-95.
  3. 3Der Lehnseid des Matthias Corvinus als Kg. von Böhmen datiert vom 13. Dezember 1477; schon am 2. Dezember 1477 hatte K. F. Anerkennungsmandate zugunsten des Corvinen erlassen, s. insgesamt Nehring, Matthias Corvinus S. 92f.
  4. 4Es handelt sich zunächst um den Tag von Oktober-Dezember 1479, s. Bachmann, Reichsgeschichte II S. 681-684 und Nehring, Matthias Corvinus S. 116f., dann um den Tag, den K. F. dem ungarischen Gesandten an der Jahreswende 1479/1480 für Pfingsten zugesagt haben soll, Bachmann, Reichsgeschichte II S. 685; vgl. zu den ksl. Vorleistungen ebd. S. 685-687.
  5. 5Zum Schicksal des Ende 1480 eroberten Radkersburg s. kurz O. Lamprecht, in: Hdb. d. hist. Stätten. Österreich 2 S. 139-141, bes. S. 140 (mit Literatur).
  6. 6Vgl. dazu das (anders lautende) Schreiben bei Chmel, Mon. Habsb. I/3 n. 115 S. 277f.
  7. 7Die vorliegende Kop. wurde von Ulm offenbar an Esslingen geschickt, von dort erreichte sie über Speyer und Worms auch Frankfurt, und zwar kurz nach dem 5. Mai, s. dazu StadtA Frankfurt/M. (Sign. Reichstagsakten 10 fol. 34-39). In der fursorge, (daß) dermaßen andern auch geschriben sij und werde, übersandte Frankfurt wiederum Kopien des Mandats an Lübeck, Mühlhausen und etliche andere Städte, s. Janssen II n. 560.

Nachträge

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

[RI XIII] H. 4 n. 817, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1480-03-24_1_0_13_4_0_10392_817
(Abgerufen am 11.07.2020).