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[RI XIII] Friedrich III. (1440-1493) - [RI XIII] H. 30

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K.F. gebietet Bf. Rudolf von Würzburg, seinem Rat und Fürsten, bei verliesung, peinirung und entsetzung der Regalien, des Guldenzolls1, aller Freiheiten und Privilegien, die er und das Reich ihm verliehen haben und bei einer Pön von 100 Mark Gold, die er an die ksl. Kammer unableslich zu bezahlen hat, innerhalb von 15 Tagen ab Übergabe oder Verkündung dieses Briefs die Vergabe der Vogtei des Benediktinerklosters Komburg mit allen Renten, Gefällen, Gülten und Nutzen an Wilhelm Schenk und der Herrschaft Limpurg als Lehen zurückzunehmen und alle Befehle an Wilhelm Schenk zu widerrufen sowie diesen anzuhalten, auf alles ohne Zögern zu verzichten. Man habe ihm nämlich berichtet, dass Rudolf sich das Kloster Komburg, das dem Schirm und der weltlichen Obrigkeit K. und des Reiches unmittelbar untersteht, mit frevenlichem gwalt unterzogen, die Vogtei, die K. und das Reich innehaben und die er (K.F.) dem Bürgermeister und der Stadt Schwäbisch Hall in Schutz und Schirm gegeben hat,2 mit allen Renten, Gefällen, Gülten und Nutzen Wilhelm Schenk und der Herrschaft Limpurg zu Lehen gegeben sowie die Amtleute verpflichtet habe, die Einkünfte auf ewige Zeiten von Rudolf und seinem Stift als Lehen zu empfangen.3 K.F. fordert von Rudolf, wegen der Schmach und der ungebührlichen Handlung abtrag und widerkerung zu tun. Falls Rudolf seinem Befehl nicht nachkommt, wird er gegen ihn vorgehen, als wir uns und dem heiligen reich zuthund schuldig sein.

Originaldatierung:
Am ersten tage des monats julii (nach Kop.).

Überlieferung/Literatur

Org. im bearbeiteten Bestand nicht überliefert. – Kop.: Inseriert in einem Notariatsinstrument der öff. Notare Erhard Schonman und Johannes Nibeling, beide Kleriker des Bistums Würzburg, von 1484 August 2 im HHStA Wien (Sign. AUR 1484), Perg., Notariatszeichen.

Lit.: Jooß, Kloster Komburg S. 63; ders. Komburg S. 354; Fries, Chronik Würzburg 4 S. 268f.; Schubert, Rudolf von Scherenberg; Zeißner, Rudolf II.; Schraut, Die Comburg; Mejer, Beiträge zur Geschichte von Comburg, S. 25; zu Bf. Rudolf von Scherenberg s. Heinig, Friedrich III./1 S. 507f., Anm. 1695; Ders., Friedrich III./2 S. 1089–1094; Gatz, Bischöfe 2 S. 634f.

Kommentar

Im Notariatsinstrument lässt Bf. Rudolf festhalten, dass die Vogtei des Klosters Komburg dem Stift Würzburg rechtlich übertragen wurde und ihm geistlich und weltlich unmittelbar unterstellt ist. K.F. habe dem Bf. und seinem Stift das Recht auf die Vogtei bekräftigt und gestatte nicht, dass dieses Recht in irgendeiner Weise beschnitten würde. Es gebe aber Missgönner, die K.F. falschen Bericht erstattet hätten, woraufhin dieser Gebotsbriefe und Mandate an den Bf. und das Stift geschickt habe. Bf. Rudolf hofft, dass K.F. den falschen Berichten keinen Glauben schenken möge. Gleichzeitig will er dem Gebotsbrief Folge leisten, aber die untertänige Bitte vorbringen lassen, dass er und das Stift im Besitz der Vogtei von Komburg bleiben sollen. Das Instrument wurde im Beisein folgender Zeugen angefertigt: Kilian von Bibra, Doktor in geistlichen Rechten und Dompropst, Martin von der Kere, Domdechant, Johann von Allendorf, Propst zu St. Burkhart, Domherr und Erzpriester, Jörg von Gich, Domherr und Erzpriester, Oswald von Weyler, Bartholomäus von Herbilstadt, Christoph Marschalk von Walterthausen. Die inserierte Urkunde belegt die Versuche des Würzburger Bf. Rudolf von Scherenberg und auch des Domdekans Wilhelm Schenk von Limpurg, im Zuge der Umwandlung des Benediktinerklosters in ein weltliches Chorherrenstift die Vogtei des Klosters an sich zu bringen. Was die im Instrument genannten Missgönner angeht, kommen als Gegner einer solchen Umwandlung und Vogteiübernahme durch den Bf. von Würzburg folgende Personen in Frage: Bürgermeister und Rat der Stadt Schwäbisch Hall, der fränkische Adel und Mgf. Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach. K.F. übertrug Bf. Rudolf von Würzburg am 31. Januar 1485 die Schirmvogtei des Klosters Komburg, die die Stadt Schwäbisch Hall seit 1348 innegehabt hatte. Urkunden K.F.s über die Änderungen der Vogteizugehörigkeit sind in den bisher bearbeiteten Beständen nicht überliefert. Vom Papst bestätigt wurde die Umwandlung des Klosters erst 1488, s. Mejer, Geschichte von Comburg S 25; Germania Benedictina 5 S. 353f.; Fries, Chronik Würzburg 4 S. 268f. (Edition).

Anmerkungen

  1. 1Zur Erteilung des Guldenzollprivilegs s. Regg.F.III. H. 20 n. 152.
  2. 2Jooß, Kloster Komburg S. 60 erwähnt eine Bestätigung der Vogtei durch K.F. aus dem Jahr 1480.
  3. 3Zur Geschichte des Anspruchs des Würzburger Bf. auf die Klostervogtei s. ebd. S. 61–63.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

[RI XIII] H. 30 n. 114, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1484-07-01_1_0_13_30_0_114_114
(Abgerufen am 24.06.2024).