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[RI XIII] Friedrich III. (1440-1493) - [RI XIII] H. 27

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K.F. instruiert Gf. Schaffried von Leiningen und Dr. Martin Haiden zu Bündnis-Verhandlungen mit Kg. Ludwig XI. von Frankreich2: 1)3 Zuerst sollen sie Kg. Ludwig seine Grüße ausrichten sowie seiner bruederlichen lieb und Freundschaft versichern. 2) Wenn K.F. auch keine Zweifel daran hat, daß Kg. Ludwig gut unterrichtet ist, sollen sie ihm folgendes in Erinnerung rufen: Hz. (Karl) von Burgund hat gegen K.F. das hl. Reich und das Kölner Stift muttwillig furnemen und krieg angefangen, dabei an alle redlich ursach entgegen der päpstl. und ksl. Verbote4 in die Streitigkeiten des Kölner Stifts eingegriffen und gegen seine dem Kaiser geleisteten Gelübde und Eide – nicht dem Wohl des Eb. von Köln oder dem dortigen Stift, sondern dem des hl. Reichs zu dienen – verstoßen. K.F. beschuldigt Hz. Karl des Versuchs, das Kölner Stift aus dem Reich zu lösen und unter seine Herrschaft zu bringen und damit den fues in das Reich zu setzen. Vergleichbare Versuche habe Hz. Karl bereits gegenüber Kg. Ludwig und anderen Fürsten und Ländern unternommen. Durch die Belehnung Karls mit dem Hzm. Geldern5 hat K.F. den Hz. zu seinen und des Reichs Diensten verpflichtet; andere große Länder und Ftm.er im Reich hat Hz. Karl on alles recht inne. Dennoch ließ sich Hz. Karl ohne seine Zustimmung zum Vogt des Kölner Stifts wählen. 3) Die Kurfürsten und Fürsten des Reichs hatten ihn (K.F.) ersucht, widerstannd gegen den Burgunder zu leisten und ihm Hilfe und Beistand zugesagt. Mit Berufung auf eingegangene puntnuss und ainigung des Kaisers und der Kurfürsten mit dem hl. Reich, Kg. Ludwig XI. und der kron von Frankreich sowie auf das herabkomen der Kurfürsten, Fürsten, Städte und Untertanen des Reichs, sich gegen Hz. Karl zu wehren, fordert er Kg. Ludwig auf, ihn zu unterstützen, damit alle macht gegen Burgund gemeinsam in veld sey. 4) K.F. beabsichtigt, persönlich mit aller Macht gegen Hz. Karl ins Feld zu ziehen. Für den Fall, daß Kg. Ludwig ebenfalls persönlich ins Feld ziehen wolle, ist K.F. bereit, ihm ettlich tagreis entgegenzukommen. Andernfalls hoffe er, daß Kg. Ludwig soviel Unterstützung (volck) wie möglich schicke. 5) Kg. Ludwig XI. soll keinen neuen frid noch bericht noch anstannd mit Hz. Karl eingehen, sondern den bestehenden frid, den Karl nicht gehalten hätte, aufsagen, so wie es auch K.F. und alle Fürsten tun würden6. 6) Die Gesandten sollen Kg. Ludwig XI. mitteilen, daß K.F die brief der puntnuss halben habe anfertigen und vereinbarungsgemäß nach Trier bringen lassen, wo allerdings von Ludwigs Seite niemand erschienen sei. Deshalb habe K.F. die Verträge in Metz hinterlegen lassen7. Kg. Ludwig soll gegenbrieff anfertigen lassen, damit beide Exemplare in Metz geneinander ubergeben werden können. 7) Die 12 Pairs (altvater) von Frankreich oder ettleich aus in sollen sich dem Bündnis zwischen Kg. Ludwig und K.F. anschließen, so wie es auch die Kurfürsten tun würden. 8) Da Kg. Ludwigs Tochter mit Hz. (Peter) von Bourbon verheiratet sei8, möge er sich dafür einsetzen, daß sich der Bruder seines Schwiegersohns, Bf. (Ludwig) von Lüttich sowie Stadt und Land Lüttich ihrem Bündnis anschliessen. Er selbst habe schon versucht, den Bf. als einen Fürsten des Reichs auf seine Seite zu bringen9. Auch soll er den Herrn von Res, der Hauptmann in Lüttich war und sich nun an Ludwigs Hof aufhält, ins Lütticher Land entsenden, um dort für ihr Bündnis zu werben. 9) Kg. Ludwig XI. soll Hz. (Reinhard II.) von Lothringen in ihr Bündnis pringen10. 10) Kg. Ludwig XI. soll die Stadt Metz und Bf. (Georg) von Metz zum Einsatz ihrer Truppen bewegen.

Überlieferung/Literatur

Org. im bearbeiteten Bestand nicht überliefert. – Kop.: Konz. (undatiert) im HHStA Wien (Sign. AUR 1475)11, Pap. Druck: Chmel, Actenstücke I/1 S. 300–303 n. 97. Lit.: Bachmann, Reichsgeschichte 2 S. 497 mit Anm. 3. Zu den Gesandten und ihrem Auftrag siehe Heinig, Friedrich III./1 bes. 409ff.; ders., Gesandtschaftssystem S. 242ff.

Anmerkungen

  1. 11474 Oktober 9 beglaubigt K.F. Schaffried von Leiningen bei Hz. Albrecht und Kf. Ernst von Sachsen zu Verhandlungen über den Kg. von Frankreich; siehe Regg.F.III. H. 10 n. 402 und Regg.F.III. H. 11 n. 448.
  2. 2Zur Person Schaffrieds von Leiningen, der zur burgundfeindlichen Fraktion am ksl. Hof gehörte vgl. Heinig, Friedrich III./1 S. 417–422; Ehm, Burgund und Reich S. 139.
  3. 3Die Unterteilung in einzelne Punkte wurde von den Bearbeitern vorgenommen.
  4. 4Siehe z.B. n. 238.
  5. 5Siehe n. 217.
  6. 6Vgl. dazu n. 245.
  7. 7Siehe n. 239.
  8. 8Ludwigs Tochter Anna (1461–1522) wurde im November 1473 mit Hz. Peter I. von Bourbon (1438–1503) verheiratet; den Heiratsvertrag drucken DuMont, Corps III/1 S. 465 n. 326; Comines, Mémoires 3 S. 345–347 n. 223.
  9. 9Vgl. dazu nn. 215 und 216.
  10. 10Hz. Reinhard trat 1475 Mai 17 dem Bündnis zwischen K.F. und Kg. Ludwig XI. bei; vgl n. 262.
  11. 11Der Karton enthält desweiteren noch sieben Briefe Kg. Ludwigs XI. ohne Jahresangabe vom 4. Januar (siehe n. 251), 30. April, 11. und 22. Mai (siehe n. 263), 11. Juni, 4. Oktober und 18. Dezember (Druck: Chmel, Mon. Habsb. I/1 S. 281ff. nn. 86, 93–96, 98 u. 99 [datiert 1475]).

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

[RI XIII] H. 27 n. 240, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1474-10-09_3_0_13_27_0_240_240
(Abgerufen am 10.04.2021).