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[RI XIII] Friedrich III. (1440-1493) - [RI XIII] H. 25

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Kg. F. teilt Eb. Dietrich von Mainz mit, er sei sehr bekümmert über dessen Abwesenheit uff disem tag alher und könne seine ihm heute von dessen trefflich freund und geistlichen wie weltlichen Räten1, in Anwesenheit seiner Fürsten und einiger Sendboten2 mit vil worten vorgetragene Entschuldigung als von der Armeniaken wegen nicht annehmen. Der Eb. wisse sehr wohl, dass auf diesem Tag die hochsten sach, die in der kristenheit gesein moge(n), verhandelt würden, nämlich die Herstellung der Einheit der Kirche3. Deshalb habe er selbst alle seine, ebenfalls die Christenheit betreffenden Angelegenheiten, namentlich bezüglich der Ungarn und Türken, zurückgestellt und sei nicht on swere kost und scheden für sein Land persönlich erschienen. Er habe gehofft, vor allen anderen den Eb. als den nechsten und als einen dechand und vorgeer unser(er) kurfursten, der zudem die größten Provinzen aller deutscher lannd innehat, hier anzutreffen. Der Kg. ermahnt den Eb. in Anbetracht der so wichtigen Kirchenangelegenheiten, so wie es ihm als einem geistlich prelat pillich sein sol, und eingedenk der Anwesenheit von Kg. dem heilig reich sowie der ganzen Versammlung, sich unverzüglich einzufinden. Sollte er dies nicht tun, könnten sich andere auf der Anreise befindliche Kff. und Fürsten ein schlechtes Beispiel nehmen und ebenfalls fernbleiben, wodurch nicht nur der mit großen Mühen und Kosten anberaumte Tag4, sondern der heiligen kirchen sach gancz zurutt werden und so das Reich und deutsche lannd [..] in unverwintlich scheden und zwayung komen könnten. Er teilt mit, er habe nach Rat der anwesenden Fürsten eine Botschaft von prelaten, patrich(e)n und edeln zu dem Delfin5 und demselben volk gesandt und gibt seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Sachen besser werden, und dass vor Ort mit ihm (Eb.) und den anderen Fürsten pas und nuczlicher verhandelt werden könne, als wenn der Eb. abwesend wäre.

Originaldatierung:
Am donerstag vor unser lieben Frawen tag asumptionis.
Kanzleivermerke:
KVr: A.m.d.r.i.c. – KVv: Dem erwirdigen Dieterichen erczbischoven zu Mencz, des heiligen romischen reichs in deutschen lannden erczcanczler, unserm lieben neven und kurfursten (Adresse, Blattmitte).

Überlieferung/Literatur

Org. im StA Würzburg (Sign. Erzstift Mainz Urkunden Weltlicher Schrank L 1/89 ½), Pap., rotes S als Verschluss rücks. aufgedr. – Kop.: Abschrift ebd. (Sign. Mainzer Ingrossaturbücher 25, fol. 102r‑v), Perg. (15. Jh.). Druck: RTA 17 S. 293f. n. 146; Gudenus, Cod. dipl. 4 S. 288 n. 133 (zu 1445). Reg.: Chmel n. 1683; Lichnowsky (‑Birk) 6 n. 815. Lit.: Zu dem nach Eintreffen des Eb. und den darauffolgenden Verhandlungen geschlossenen kirchenpolitischen Bündnis zwischen dem König und Eb. Dietrich von Mainz s. Voss, Dietrich von Erbach S. 144ff.; zum Armagnakenkonflikt s. Niederstätter, Der Alte Zürichkrieg S. 265-274.

Kommentar

Nachdem der Mainzer Eb. Ende Juli 1444 bereits Vorbereitungen für seinen Ritt nach Nürnberg getroffen hatte, entschied er doch wenige Tage später, an seiner Statt eine Gesandtschaft abzuordnen. Nach der eindringlichen Aufforderung des Königs, auf dem Tag zu erscheinen, bereitete sich der Eb. Ende August erneut für seine Reise vor, s. RTA 17 S. 228; S. 290f. n. 140; S. 293 n. 145 sowie S. 295 n. 148.

Anmerkungen

  1. 1Die wahrscheinlich bereits vor ihm in Nürnberg anwesenden und namentlich bekannten Räte des Mainzer Eb. waren Johannes von Lysura, Heinrich Leubing, Helwig von Boppard, der Abt von Fulda und Gf. Wilhelm von Wertheim, s. RTA 17 nn. 228, 228c und 145 sowie Ringel, Personal S. 104 Anm. 91.
  2. 2Dazu zählten drei Frankfurter Gesandte, die am Vortag zusammen mit der Mainzer Delegation in Nürnberg eingetroffen waren und ihrer Stadt über die oben beschriebenen Vorkommnisse in Nürnberg schriftlich Bericht erstatteten. Demzufolge trug Johannes von Lysura die Entschuldigung des Eb. vor, für den Kg. sprach Kaspar Schlick, s. RTA 17 n. 228a.
  3. 3Zur Gemengelage der vielfältigen und auf Abhilfe drängenden Konflikte innerhalb der Kirche, zu deren Beilegung man auf dem Tag beraten wollte s. RTA 17 S. 237f.
  4. 4Der ursprünglich auf Lichtmess 1444 angesetzte Tag hatte insgesamt dreimal verschoben werden müssen, s. RTA 17 S. 225.
  5. 5Während des Nürnberger Tages wurden zur Beilegung der Armagnakenunruhen fortwährend kgl. Botschaften zu Ludwig (XI.), dem Dauphin, entsand. Eine erste Gesandtschaft brach unter der Leitung Bf. Peters von Augsburg am 16. August von Nürnberg zu den frz. Heerlagern auf. Ihr gehörten Dr. Johannes Eich, Friedrich von Hohenberg, einer von Starhemberg, Junker Thuring von Hallwil sowie zwei weitere namentlich nicht bekannte an. Im Vorfeld des Tages waren die eigenmächtigen kriegerischen Unternehmungen der unter der Führung des Dauphin stehenden Söldnerheere, die ursprünglich von Karl VII. zur Unterstützung Friedrichs III. im Konflikt mit den Schweizer Eidgenossen entsandt worden waren, am Oberrhein zunehmend außer Kontrolle geraten, s. RTA 17 S. 245 sowie S 480f. n. 228a.

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Empfohlene Zitierweise

[RI XIII] H. 25 n. 37, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1444-08-13_1_0_13_25_0_37_37
(Abgerufen am 24.04.2019).