Regestendatenbank - 196.301 Regesten im Volltext

[RI XIII] Friedrich III. (1440-1493) - [RI XIII] H. 23

Sie sehen den Datensatz 632 von insgesamt 810.

K.F. wirft seiner lieben swester Erzherzogin Mechthild von Österreich, geborener Pfalzgräfin bei Rhein, aufgrund einer Klage seines Vetters Hz. Sigmunds von Österreich vor, die ihr von ihrem verstorbenen Gatten, dem Kaiserbruder Ehz. Albrecht (VI.) von Österreich1, für 2.000 fl.rh. in satzweise verschrieben Burgställe Hohenberg und Wehingen samt Zugehörungen ungeachtet dessen Auslösungsbegehrens dem Gf. Eberhard (V.) d.Ä. von Württemberg, unnserm swager2, überschrieben3 und sie dadurch Hz. Sigmund sowie unnserm loblichen huß Ostereich entzogen zu haben, an den und dessen Erben sie nach ihrem Tod ebenso zurückfallen sollen wie andere Lande, Schlösser und Städte, die Albrecht ihr mit Wissen Sigmunds auf Lebenszeit verschrieben habe4. Der K. befiehlt ihr deshalb aus ksl. Machtvollkommenheit, Sigmund innerhalb von neun Tagen nach Erhalt dieses Briefes die Auslösung der Pfandschaft gegen Entrichtung der Pfandsumme zu gestatten. Andernfalls lädt er sie auf den 45. Tag nach Ablauf dieser Frist oder auf den nächsten darauf folgenden Gerichtstag peremptorisch vor sich zu rechtlicher Verantwortung vor sich oder seinen Beauftragten und setzt sie davon in Kenntnis, daß auch im Falle ihres Ausbleibens verhandelt werden wird.

Originaldatierung:
Am zwenundzweintzigisten tag des monats marcy (nach Kop.).
Kanzleivermerke:
KVr: A.m.d.i. (nach Kop.).

Überlieferung/Literatur

Kop.: Auf Ersuchen des Junkers Kaspar von Kaltental, Hofmeisters der Erzherzogin, am 26. April 1476 zu Rottenburg aufgesetztes Notariatsinstrument5 des der zit dort ansässigen öff. Notars Lorenz Ruttel (Rittel?)6 von Bruck (Prugk) in der Diöz. Freising im LA Bad.-Württ., HStA Stuttgart (Sign. Best. A 602, Nr. 147), Perg. – Abschrift ebd. (Sign. Best. A 602, Nr. 4851a), Pap. (15. Jh.)7. Abb.: Digitales Faksimile von A 602, Nr. 147 auf URL. Reg.: Württ. Regg. n. 147; Lichnowsky, LB 7 n. 1934. – Die sachlichen und juristischen Auseinandersetzungen sind umfassend dokumentiert (und tlw. ediert) in den Protokoll- und Urteilsbüchern 1465-1480 unter der Verfahrensnummer V6198. Lit.: Schön, Erzherzogin Mechthild; Baum, Friedrich III. und Württemberg S. 126; Maurer, Eberhard und Mechthild.

Kommentar

Das o.a. Notariatsinstrument fixierte den Protest, den Mechthilds Hofmeister sogleich gegen die am 26. April 1476 umb vesperzyt oder nach darby im Schloß zu Rottenburg an ihn erfolgte Übergabe dieses Mandats durch den ksl. Boten Hans Oberndorf(er) erhob. Gleich anschließend ließ die Schwägerin des Kaisers durch Antonin von Pforr, den Kirchherrn zu Rottenburg9, protestiern und bezugen, daz iren gnaden solicher gebott und ladunsbrieff nit ubergeantwurt war nach ordnung und form des rechten und als einer furstin des hailigen richs nach lut und ußwysung der guldin bull und gemeinen reformacion zu geschehen geburte, s. das von demselben Notar unter Beteiligung derselben Zeugen wie in Anm. 5 aufgesetzte perg. Notariatsinstrument im LA Bad.-Württ., HStA Stuttgart (Sign. Best. A 602, Nr. 148; digitales Faksimile auf URL). Zum Procedere s. das Urteil des ksl. Kammergerichts von 1476 Juli 9, unsere n. 643.

Anmerkungen

  1. 1Ehz. Albrecht VI. war am 2. Dezember 1463 verstorben.
  2. 2Die beiden Heiraten der Wittelsbacherin Mechthild von der Pfalz mit Gf. Ludwig I. von Württemberg und Ehz. Albrecht von Österreich hatten über ihre Kinder aus erster Ehe die Verschwägerung zwischen Württemberg und Habsburg begründet.
  3. 3Daß Mechthild diesen auf ihre eigene Lebenszeit bemessenen Schritt vom 13. Dezember 1475 (s. Württemberg im Spätmittelalter Nr. 41 S. 49f.) mit Schreiben vom 20. Januar 1476 aus Rottenburg dem Ehz. Sigmund angezeigt hatte (Kop. im LA Bad.-Württ., HStA Stuttgart, Sign. Best. A 602, Nr. 4847), entkräftet die von Fritz, Ulrich der Vielgeliebte S. 411 vertretene These von dessen arglistiger Täuschung, ohne daß dadurch der grundsätzlich antiösterreichische Impetus Gf. Eberhards V. aufgelöst würde.
  4. 4Siehe unsere n. 605.
  5. 5Als Zeugen der hierdurch beurkundeten Zustellung des Mandates zu Rottenburg am Neckar durch den ksl. Boten Hans Oberndorf sowie des sofortigen Protests der Erzherzogin fungierten Meister Werner Magenheim, Junker Ludwig von Emershofen und Johannes Noppenower von Rottenburg.
  6. 6Schuler, Notare Südwestdeutschlands n. 1065.
  7. 7Auf diese Kop. folgen ebenfalls in Abschrift eine Zustellungsbestätigung Kaspars von Kaltental von freytag nach sand Marxs tag (April 26) sowie zwei Aufzeichnungen des ksl. Boten Hans Oberndorf über die Expedition ksl. Mandate an Gf. Eberhard (V.) d.Ä. von Württemberg, s. die folgenden Regesten.
  8. 8Gelegentlich fälschlich V616.
  9. 9Siehe zu diesem Bärmann/Bechtold, Antonius von Pforr (1999).

Registereinträge

Nachträge

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

[RI XIII] H. 23 n. 629, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1476-03-22_1_0_13_23_0_632_629
(Abgerufen am 20.04.2021).