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[RI XIII] Friedrich III. (1440-1493) - [RI XIII] H. 22

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K.F. teilt Hz. Sigmund von Österreich mit, daß der Papst (Paul II.) umb verhanndlung des christlichen Glaubens Georg von Podiebrad und dessen Sohn von allen königlichen und anderen Würden mit urtail entsetzt und bei schweren geistlichen Strafen jegliche Mithilfe bei dessen Durchführung geboten habe1. Daraufhin habe Podiebrad mit seinem listigen und geverlichem fürnemen und mit werlicher hannde den christlichen Glauben, den hl. Stuhl und das hl. röm. Reich verletzt und bekämpft und in Vergessenheit der ihm und seinem Sohn durch den Kaiser zuteil gewordenen zahlreichen Gnaden und Würden2 im vergangenen Winter seinen Sohn Victorin mit einem großen Heer gegen das Ftm. Österreich gesandt3. Doch auch nach der Vertreibung des Heeres mit Hilfe des Kg.s von Ungarn, Matthias Corvinus, und der heimlichen Flucht Victorins von Podiebrad4 habe Georg weiterhin heimlich und öffentlich mit mutwilligen drangsal in den umliegenden Ländern die Schwächung kristenlicher lewt herbeigeführt. K.F. setzt Hz. Sigmund über den Entschluß des Papstes in Kenntnis, einen Ablaß zu verleihen, um der Weiterverbreitung des Unglaubens und dem betrieglichen fürnemen Podiebrads entgegenzuwirken, und durch den geistlichen Stand eine Steuer, namentlich einen Zehnten, einheben zu lassen, womit der Papst Bf. Laurentius von Ferrara durch gewalt eins legaten de latere beauftragt habe. Da es sich für ihn als röm. Kaiser gebührt, dieses Vorhaben zu fördern, befiehlt der Kaiser aus röm.-ksl. Macht Hz. Sigmund in Anbetracht von dessen Pflichten als ein cristennlicher fürste und aufgrund dessen Schuldigkeit gegenüber dem christlichen Glauben, dem hl. Stuhl, dem Kaiser und dem Reich, in seinen (Hz. Sigmunds) Herrschaften und Gebieten den Ablaß predigen und den Zehnten gemäß dem päpstlichen Gebot durch den Legaten einheben zu lassen und seine Untertanen darüber zu informieren, daß die Abgabe nur für den erwähnten Zweck des Widerstandes gebraucht wird.

Originaldatierung:
An sant Margrethen tag5.
Kanzleivermerke:
KVr: A.m.d.i.i.c. Joh(ann)es Rot Pat(aviensis) et Wra(tislaviensis) decanus.

Überlieferung/Literatur

Org. im HHStA Wien (Sign. AUR sub dato 1468 VII 13), Perg.6, rotes S 18 rücks. aufgedr. (unter Papieroblate). Reg.: Chmel n. 5434; Lichnowsky(–Birk) 7 n.1281. Lit.: Kurz, Oesterreich 2 S. 91 Anm. (a); Muchar, Geschichte der Steiermark 8 S. 47f.

Anmerkungen

  1. 1Zur Verhängung des päpstlichen Bannes über Podiebrad im Dezember 1466 Bachmann, Geschichte Böhmens 2 S. 590f.; Kraus, Deutsche Geschichte 1 S. 443; Pastor, Geschichte der Päpste 2 S. 404f.; Odložilík, Hussite King S. 185ff.; Nehring, Matthias Corvinus S. 28; Niederstätter, Jahrhundert der Mitte S. 352.
  2. 2Der Hilfe, die Georg dem Kaiser während der Belagerung in der Wiener Burg geleistet hatte, waren mehrere ksl. Gnadenerweise gefolgt; Hlaváček, Beiträge zur Erforschung S. 293; siehe auch Regg.F.III. H. 18 nn. 294 und 312.
  3. 3Georg von Podiebrad hatte österreichische Adelige unter der Führung Jörgs vom Stein und Wilhelms von Puchheim unterstützt, die mit ihrem Landesherrn in Fehde lagen, und seinen Sohn nach Nieder- und Oberösterreich vorrücken lassen; Bachmann, Geschichte Böhmens 2 S. 592; Kurz, Oesterreich 2 S. 93f.; Niederstätter, Jahrhundert der Mitte S. 353; zu den Angriffen Victorins auch Vancsa, Geschichte 2 S. 481f.; Gutkas, Geschichte des Landes Niederösterreich S. 128; dazu auch Nehring, Matthias Corvinus S. 28.
  4. 4Dazu auch Kurz, Oesterreich 2 S. 95.
  5. 5Zur Datierung des St. Margaretentages auf Juli 12 (und nicht wie sonst üblich auf Juli 13) Regg.F.III. H. 12 n. 11 Anm. 1.
  6. 6Geringfügiger Textverlust durch Loch im oberen Viertel.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

[RI XIII] H. 22 n. 226, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1468-07-12_1_0_13_22_0_226_226
(Abgerufen am 17.09.2021).