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[RI XIII] Friedrich III. (1440-1493) - [RI XIII] H. 15

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K.F. teilt allen Einwohnern des Königreiches Ungarn mit, daß ihm Kg. Matthias (von Ungarn) entgegen dem zwischen ihrer beider Länder abgeschlossenen und vom päpstlichen Stuhl bestätigten Friedensvertrag1 und wider sein und des kunigreichs zu Hungern briefe und sigel uns und unnsern lanndten und lewten darüber gegeben abgesagt (entsagt) und seinen offenen Feindbrief zugesandt habe2. Es sei zwar zutreffend, daß er Kg. Matthias um Hilfe gegen Hz. Victorin3 gebeten habe, es sei aber nicht sein Wille gewesen, daß dieser an dem Feldzug in eigener Person teilnehmen sollte. Zwar sei ihm (K.F.) bekannt gewesen, daß Kg. Matthias auf Ersuchen einiger Herren Krieg in Böhmen geführt habe, es sei aber zunächst ohne seinen Rat und Wissen geschehen, daß er sich dabei das Königreich Böhmen und das Land Mähren angeeignet habe. Erst nachdem er (Kg. Matthias) sich bereits den Titel eines Königs von Böhmen zugelegt hatte, habe er seinen Rat hierzu eingeholt. Als die brüder von Behaim seinerzeit ihn (K.F.) mit Krieg überzogen, habe er (K.F.) sich angeblich Kg. Matthias gegenüber mit Brief und Siegel verschrieben, daß er ihm, wenn es ihm gelänge, dieselben brüder aus seinen Landen zu vertreiben und seine rebellischen Untertanen wieder zum Gehorsam zurückzubringen, die regalia des Königreichs Böhmen auff ein bestympte zeit verleihen werde. Mit der Begründung, er habe die brüder mit seinem aigen gute aus dem Land gebracht und sei bereit, Bürgschaft für das Wohlverhalten der (rebellischen) Untertanen zu leisten, habe Kg. Matthias ihn (K.F.) aufgefordert, die angebliche Verschreibung zu erfüllen und ihm die Regalien zu leihen. Solcher antzuog befremde ihn (K.F.) nicht wenig; denn wenn Matthias wirklich im Besitz von Briefen sei, in denen er (K.F.) sich ihm gegenüber verpflichtet habe, ihm die Regalien des Königreiches Böhmen zu verleihen, hätte er diese nicht so lange Zeit unerwähnt gelassen, sondern hätte sie vorgelegt, um seine Forderung durchzusetzen. Matthias habe vielmehr die genannten brüder besoldet und veranlaßt, in das Fürstentum Österreich einzufallen und habe außerdem seine, des Kaisers, Untertanen zum Ungehorsam aufgewiegelt. Er habe dann mit vil arglist und aufsatz durch einen päpstlichen Legaten, Doktor Tillmann, ihm (K.F.) vortragen lassen, daß, wenn er (K.F.) ihn als Kg. von Böhmen anerkenne und sich mit ihm verbünde, er die brüder aus dem Lande treiben und mithelfen werde, die rebellischen Untertanen zum Gehorsam zurückzubringen, der doch kains von im bescheen, sunder durch in allweg darinn gevärlich gehandelt worden sei, um ihn (K.F.) umb die regalia der kron zu Behaim zu betriegen. Er sei auch nicht verstolen, wie Matthias ihm vorwerfe, aus seinen Landen in das Reich gezogen, sondern er habe einen gemeinen Tag für das ganze Reich nach Augsburg4 ausgeschrieben, zu dem er sein persönliches Erscheinen angekündigt habe. Dies sei nicht haymlich, sunder offenlich bescheen und jedermann bekannt. Er habe dann die genannten brüder, die Matthias' besoldete Diener und Hauptleute gewesen seien, selbst aus dem Lande treiben müssen. Er, Matthias, habe auch seine, des Kaisers, widerwertige Untertanen in ihrem Aufruhr gegen ihn bestärkt und gestützt. Mit Matthias' Feinden, den Königen (Kasimir IV.) von Polen und (Wladislaw V.) von Böhmen, habe er (K.F.) sich verbündet, um sich der mannigfachen, mutwilligen Angriffe auf seine Lande zu erwehren. Er selbst habe keine Kriege gegen das Königreich Ungarn geführt, aber Kg. Matthias habe den Baumkircher5 und andere zum Krieg gegen ihn aufgehetzt. Er habe Kg. Matthias auch angeboten, ihn gegen die Türken nach seinem Vermögen zu unterstützen, wenn er die feindlichen Handlungen gegen ihn einstelle, worauf dieser aber nicht eingegangen sei. Matthias habe sich mit dem Hz. (Karl) von Burgund zusammengetan, um im Reich gegen ihn (K.F.) Aufruhr zu entfachen und er habe auch das Königreich Ungarn durch seine Kriege so geschwächt, daß dieses schier gantz in abnemen und verderben komen ist. Er habe auch das Geld, das er (K.F.) ihm für den Kampf gegen die Türken habe zukommen lassen, dazu verwandt, seine, des Kaisers, Feinde damit zu unterstützen. Da sie aus alledem entnehmen könnten, daß er (K.F.) keinen Anlaß zum Kriege gegeben habe, fordert er sie auf, den verschriebenen ewigen Frieden einzuhalten und ihrem Kg. auf sollich unrecht und unerlich absage kain hilff noch beystandt zu leisten. An eritag.. (weitere Datierung fehlt) [nach Kop.].

Überlieferung/Literatur

Kop.: Zeitgen. Abschrift im StadtA Regensburg (Sign. AR 1984/7, fol. 247r -252r), Pap. Druck: CHMEL, Mon. Habsb. 1, 2 S. 98-104 n. 14 (hiernach auch die Datierung); lat. Version von 1477 Juni 26 ebd., S. 104-108 (vgl. auch CHMEL n. 7134). Lit.: NEHRING, Matthias Corvinus, S. 87; HOENSCH, Corvinus, S. 156f.

Anmerkungen

  1. 1Undatierter Beifrieden zwischen K.F. und Kg. Matthias; vgl. die bruchstückhafte Überlieferung in CHMEL, Mon. Habsb. 1, 3 S. 680 n. 157 und ebd., 1, 2 S. 74f. n. 29; FRAKNÓI, MKL S. 357 n. 245. Zum Waffenstillstand zwischen Kg. Matthias und Kg. Wladislaw von 1474 Dezember 8 (Breslau) vgl. NEHRING, Matthias Corvinus, S. 72.
  2. 2Vgl. CHMEL, Mon. Habsb. 1, 2 S. 96-98 n. 12 (1477 Juni 12, Ofen); BACHMANN, Nachträge S. 422-424 n. 416; MÜLLER, Reichstags-Theatrum 2 S. 744f. Vgl. hierzu auch NEHRING, Matthias Corvinus, S. 85f.
  3. 3Der Sohn Kg. Georg Podiebrads, Hz. von Münsterberg († 1472).
  4. 4Zum Augsburger Reichstag von April Mai/Juni 1474 vgl. BACHMANN, Reichsgeschichte 2, S. 456-460.
  5. 5Zur Baumkircherfehde vgl. Andreas Baumkircher und seine Zeit.

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Empfohlene Zitierweise

[RI XIII] H. 15 n. 330, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1477-06-24_2_0_13_15_0_330_330
(Abgerufen am 25.09.2020).