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[RI XIII] Friedrich III. (1440-1493) - [RI XIII] H. 12

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Kg.F. und Hz. Albrecht (VI.) von Österreich versprechen, den (unter bestimmten, unten genannten Bedingungen) von den Mgff. Jakob (I.) von Baden und Albrecht von Brandenburg zu formulierenden Eid der Landschaft der Gft. Tirol zu akzeptieren. Auf einem Tag zu Konstanz sei durch die Mgff. eine Vereinbarung zwischen ihnen, Hz. Sigmund von Österreich sowie Gesandten der Landschaft herbeigeführt worden1, über die jede Seite versiegelte schrifften erhalten habe2. In diesen stehe folgender (wörtlich inserierter) Artikel: Wegen des Eides, den die Tiroler Landschaft Hz. Sigmund nach seinem Einzug im Land Tirol3 sowie Kg.F. und Hz. Albrecht als ungetailten Miterben schwören soll, wurde vereinbart, daß Kg.F. Sigmund und Albrecht oder deren Räte an sonntag Vocem iocunditatis (1446 Mai 22) zu einem Tag nach Salzburg kommen sollen, um sich dort über den Eid zu einigen4. Wenn dies nicht gelingt, sollen sie das in einem abschaid des Tages schriftlich den beiden Mgff. verkünden. Diese würden dadurch bevollmächtigt, den Eid zu setzen, um ihn dann mit offenen besiegelten Briefen bis sandt Laurencien tag (1446 August 10) den drei Herren und der Landschaft mitzuteilen. Der Eid soll für die Rechte von jedem (von ihnen) schadlos sein. Auf einem 14 Tage nach unsrer lieben Froven tag liechtmesse (1446 Februar 16) bei Kg.F. Hz. Sigmund und Räten Hz. Albrechts (in Wien)5 abzuhaltenden Tag sollte den Mgff. mit besiegelten hindergangs und anlasbrief(en) versichert werden, daß der durch sie gesetzte Eid von den Herren und der Landschaft akzeptiert wird6. Sollte einer der beiden Mgff. vor Setzung des Eides sterben, wäre dazu der andere auch allein bevollmächtigt. Die Landschaft soll den Eid einen Monat, nachdem er durch die drei Herren oder deren Räte vereinbart oder durch die beiden Mgff. gesetzt wurde, schwören, doch unbeschadet ihrer Privilegien. Sigmund habe darauf der Landschaft umgehend alle Privilegien zu bestätigen, die diese von Königen, Fürsten, Mgff. Gff. und Gräfinnen7 erhalten hat8. Kg.F. und Hz. Albrecht versprechen, diesem Artikel gemäß zu dem Tag nach Salzburg zu kommen oder ihre Räte dorthin zu senden. Für den Fall, daß dort keine Einigung erreicht wird, werden die beiden Mgff. hiermit zur Setzung des Eides bevollmächtigt.

Originaldatierung:
an mittichen nach dem sonntag Letare in der vasten.
Kanzleivermerke:
KVr: A.m.d.r. – KVv: Rta Jacobus Widerl (Blattmitte).

Überlieferung/Literatur

Org. im HHStA Wien (Sign. AUR, sub dat. 1446 II 79), Perg., rotes S 11 in wachsfarbener Schüssel mit rücks. eingedrücktem roten S 13 an Ps.10 u. rotes rundes S Hz. Albrechts VI. (SAVA S. 149, Abb. 90) in wachsfarbener Schüssel an Ps. – Dazu Vorlage (notel), besiegelt von den Mgff. Jakob von Baden und Albrecht von Brandenburg, Pap., ebd. (Sign. AUR, 1445 XII 31)11. – Kop.: Abschrift (18. Jh.) ebd. (Sign. Urkundenabschriften, Österreichische Urkunden, Karton 26). Reg.: CHMEL n. 2050; LICHNOWSKY (-BIRK) 6 n. 1134; QGStW I/7 n. 15086; RMB 3 n. 6600. Lit.: JÄGER, Streit der Tiroler Landschaft S. 225ff.; DERS, Geschichte der landständischen Verfassung II/2 S. 64ff.; BAUM, Sigmund der Münzreiche S. 80; DERS., Kaiser Friedrich III. und Sigmund der Münzreiche S. 303; NIEDERSTÄTTER, Der Alte Zürichkrieg S. 295; DERS., Jahrhundert der Mitte S. 145 u. 242ff.

Kommentar

Nachdem der in dem obigen Stück vorgegebene Zeitplan nicht eingehalten worden war, bevollmächtigte Kg.F. 1446 Juli 10 die beiden Mgff. (erneut) zur Setzung des Eides (vgl. DERS, Monumenta Habsburgica S. 227f.). Dieser wurde schließlich auch von diesen formuliert: Ein von den Mgff. besiegeltes, undatiertes Schriftstück mit dem Text des Eides ist im HHStA Wien überliefert (Sign. AUR, 1445 XII 31). Zu weiterer Überlieferung s. SCHOBER, Urkunden n. 15.

Anmerkungen

  1. 1Hz.F. V. hatte mit der sogenannten "Haller Verschreibung" von 1439 Juli 25 für vier Jahre die Vormundschaft über Hz. Sigmund, den Sohn des verstorbenen Hz. Friedrich IV. von Österreich, übernommen; vgl. CHMEL , Materialien Bd. 1 S. 53ff. n. 36, u. RTA 16 S. 149 Anm. 4. Kg.F. beanspruchte jedoch auch nach Ablauf der vier Jahre die Vormundschaft, aus der Hz. Sigmund erst infolge der durch die Mgff. herbeigeführten Vermittlung entlassen wurde. In Opposition zu Kg.F. bildete die Tiroler Landschaft "eine provisorische Regierung mit Sitz in Meran" (NIEDERSTÄTTER , Jahrhundert der Mitte S. 244), den "geschworenen Rat".
  2. 2Vgl. die von den Mgff. besiegelte Urk. von 1445 Dezember 31 im HHStA Wien (Sign. AUR, 1445 XII 31); Druck: CHMEL , Materialien Bd. 1 S. 180ff. n. 64; Reg.: CHMEL n. 1996; RTA 17 n. 434. Bei dem im HHStA Wien überlieferten Exemplar handelt es sich nach einem rücks. Vermerk (Kunigs) offenbar um die Ausfertigung für Kg.F., die seinen bei den Verhandlungen anwesenden Räten übergeben wurde. Der Kg. war nicht persönlich nach Konstanz gekommen, das er 1442 und dann erst wieder 1485 besuchte. Vgl. KRAMML , Konstanz S. 84.
  3. 3Sigmund hielt 1446 April 28 seinen Einzug in Innsbruck; vgl. BAUM , Sigmund der Münzreiche S. 82. Zuvor hatte er sich mit Kg.F. und Hz. Albrecht VI. über die Regierung der habsburgischen Länder geeinigt (vgl. n. 319) und die "Haller Verschreibung" für kraftlos erklärt, vgl. Sigmunds Urk. von 1446 April 9; Org. im HHStA Wien (Sign. AUR, 1446 IV 6-9); Druck: CHMEL , Materialien H. 1 S. 65f. n. 27; Reg.: CHMEL n. 2077; LICHNOWSKY (-BIRK) 6 n. 1155; QGStW I/7 n. 15109.
  4. 4Der Tag zu Salzburg wurde weder von Kg.F. noch dessen Räten besucht. Dies geht aus einem Schreiben Hz. Albrechts an Mgf. Albrecht von Brandenburg von 1446 August 1 hervor, das als Kop. im HHStA Wien (Sign. AUR, 1446 VIII 1) überliefert ist; Druck: SICKEL , Monumenta Habsburgica S. 228; Reg.: CHMEL n. 2126; LICHNOWSKY (-BIRK) 6 n. 1186. Hz. Sigmund beauftragte seine Gesandten zu diesem Tag mit Urk. von 1446 Mai 7; Org. im HHStA Wien (Sign. AUR, 1446 V 7); Reg.: LICHNOWSKY (-BIRK) 6 n. 1162. Vgl. dazu BAUM , Sigmund der Münzreiche S. 81, u. JÄGER , Streit der Tiroler Landschaft S. 239.
  5. 5Wien als Ort, an dem der Tag stattfinden sollte, wird in den unten in Anm. 11 zitierten notteln genannt.
  6. 6Diese geforderte Vollmacht und Versicherung wurde von seilen Kg.F. und Hz. Albrechts mit dem vorliegenden Stück gegeben. Zu den entsprechenden Urkk. Hz. Sigmunds und der Tiroler Landschaft vgl. Anm. 9.
  7. 7Die ausdrückliche Nennung von "Gräfinnen" wird auf Margarethe Maultasch, Regentin in Tirol 1336-1363, zu beziehen sein.
  8. 8Bekannt ist eine Privilegienbestätigung Sigmunds von 1451 August 17; Druck: SCHOBER , Urkunden n. 18.
  9. 9Anbei liegt eine Urk. Hz. Sigmunds von 1446 April 3 (Reg.: LICHNOWSKY [-BIRK] 6 n. 1140; QGStW I/7 n. 15090) und eine Urk. Ulrichs von Matsch und des geschworenen Rates von Meran (vgl. Anm. 1) von 1446 Februar 7 (Druck: CHMEL , Materialien Bd. 1 S. 196f. n. 75; Reg.: CHMEL n. 2023; LICHNOWSKY [-BIRK] 6 n. 1121).
  10. 10Auf dem Ps. steht rücks. ein (unleserlicher) Vermerk.
  11. 11Die Mgff. übergaben die notteln, die neben dem Text des vorliegenden Stückes auch die Texte der in Anm. 9 genannten Urkk. Sigmunds und des geschworenen Rates von Meran enthalten, mit Schreiben von 1445 Dezember 31 den (in Konstanz anwesenden) kgl. Räten, Hz. Albrecht VI. u. den Gesandten der Tiroler Landschaft mit der Auflage, daß Kg.F., Hz. Albrecht, Hz. Sigmund und die Landschaft auf dem vereinbarten Tag in Wien (1446 Februar 16) ire versigelten anlesbrieve tun geben sollent nach wisung der obgesriben nottel; Org. im HHStA Wien (Sign. AUR, 1445 XII 31); Druck: CHMEL , Materialien Bd. 1 S. 201f. n. 75 Beil. b; Reg.: RTA 17 n. 435.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

[RI XIII] H. 12 n. 316, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1446-03-30_1_0_13_12_0_316_316
(Abgerufen am 12.07.2020).