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[RI XIII] Friedrich III. (1440-1493) - [RI XIII] H. 12

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Kg.F. schreibt an Hz. Albrecht (VI.) von Österreich, ihr beider Rat Wilhelm von Stein habe ihm einen Brief vorgetragen, den Albrecht vor kurzem an diesen gesandt hatte. Darin wird mitgeteilt, der (Hz. Ludwig) von Savoyen und die Bürger von Bern wollten eine Botschaft an (Hz. Philipp) von Burgund senden, um diesen in ihre aynigung zu bringen1. Es wäre jedoch nützlich, wenn Hz. Philipp mit dem Kg. in gut aynigung gebracht würde, was – in Anbetracht der Sachen, die er mit dem rich zu schaffen hat – durch gute undertaidinger geschehen müßte. Dazu habe sich Albrecht, wie Wilhelm mündlich mitteilte, jetzt angeboten. Kg.F. teilt ihm daher mit, daß er bereits durch den (Eb. Dietrich) von Köln mit Hz. Philipp lange Zeit verhandelt habe, worüber vil schrifft und notel angefertigt worden seien2. Nachdem diese Verhandlungen wegen gebrechen Hz. Philipps nicht zu Ende geführt wurden, hatten dessen Räte in Besançon mit kgl. Räten verhandelt3 und dort gefordert, daß die kgl. Schwester, Jungfrau Katharina, mit dem Neffen Hz. Philipps, (Hz. Johann) von Kleve4, vermählt werden soll5, worauf er (Kg.F.) sich einen berat genommen habe. Darauf hatten sich ettlich ander leut ohne Erfolg um die Herstellung eines Vergleichs bemüht. Kürzlich habe Hz. Philipp seinen Rat Bf. (Guillaume Filâtre) von Verdun zu ihm nach Nürnberg6 gesandt und um Antwort wegen der Vermählung Katharinas und wegen der Luxemburger Angelegenheiten gebeten. Der Bf. habe aber auch ander sach von des richs wegen vorgebracht. Kg.F. habe ihm von grosse wegen der sache keine endgültige Antwort gegeben, doch sollte Hz. Philipp erneut Gesandte zu Verhandlungen auf weihnechten nachstkünfftigen (1444) beauftragen. Diese Botschaft sei aber von hertte wegen der wege noch nicht eingetroffen, würde aber, wie ein burgundischer Bote jetzt mitteilte, noch kommen. Dies sei abzuwarten, da neue teyding nur ain zurüttung des ersten bewirken könnten. Außerdem habe sein Schwager (Kf. Friedrich) von Sachsen7 einen kgl. Brief, demzufolge er (Kg.F.) mit Hz. Philipp vor der Befriedigung sächsischer Ansprüche auf Luxemburg keine Übereinkunft treffen werde8. Da jedoch Luxemburg inzwischen von Hz. Philipp eingenommen wurde, sei die Lage schwierig. Wegen dieser beiden Sachen (bevorstehende Verhandlungen mit Burgund, Verpflichtung gegenüber Sachsen) wolle Kg.F. zum gegenwärtigen Zeitpunkt Hz. Albrecht keine Instruktion erteilen; es seien auch mehrere Schriftstücke dazu vorhanden, über die er Albrecht so kurz nicht unterrichten könne. Jedoch wolle er Albrecht nach Anhörung der burgundischen Botschaft instruieren. Damit sich Hz. Philipp in der zeit nit verender, habe Kg.F. ihm laut beiliegender Abschrift geschrieben. Anbei schicke er Albrecht den brief9, damit dieser ihn an Hz. Philipp weitersende. Dessen Antwortschreiben solle Albrecht aufbrechen, zur Kenntnis nehmen und darauf an ihn (Kg.F.) schicken. Kg.F. hofft, Hz. Philipp werde sich mit niemandem gegen ihn verbünden, da er wegen Holland auf Kg. und Reich angewiesen sei.

Originaldatierung:
an montag nach dem suntag Reminiscere in der vasten.
Kanzleivermerke:
KVr: A.m.d.r. d. Gasparo canc. ref. – KVv: Dem hochgebornen Albrechten herczogen zu Osterreich etc., unserm lieben bruder und fursten (Adresse, Blattmitte).

Überlieferung/Literatur

Org. im HHStA Wien (Sign. FU n. 579/580), Pap. (an den Falzen eingerissen), rotes S 11 rücks. als Verschluß aufgedr. (unter Pap.). – Kop.: Abschrift (18. Jh.) ebd. (Sign. Urkundenabschriften, Österreichische Urkunden, Karton 26). Druck: CHMEL , Materialien Bd. 1 S. 165f. n. 53; RTA 17 n. 372 (Teildruck). Reg.: CHMEL n. 1903; LICHNOWSKY (-BIRK) 6 n. 990; QGStW I/7 n. 15035. Lit.: QUIRIN, Studien zur Reichspolitik S. 76f.; MALECZEK, Die diplomatischen Beziehungen S. 84; BAUM, Habsburger in den Vorlanden S. 275; NIEDERSTÄTTER, Der Alte Zürichkrieg S. 286f.

Anmerkungen

  1. 1Vgl. dazu auch n. 273.
  2. 2Zu den Verhandlungen Eb. Dietrichs von Köln mit Hz. Philipp von Burgund im August/September 1442 vgl. RTA 17 S. 40 Anm. 2; Regg.F.III. H. 10 n. 23-26 u. 40 sowie H. 11 n. 17-20 u. 24.
  3. 3Zu dem Treffen zwischen Kg.F. und Hz. Philipp von Burgund im November 1442 in Besançon vgl. RTA 17 S. 6f. u. n. 16 u. Regg.F.III. H. 11 n. 37; siehe auch NIEDERSTÄTTER , Der Alte Zürichkrieg S. 168.
  4. 4Hz. Johann von Kleve, Sohn Hz. Adolfs von Kleve und der Maria, Schwester Hz. Philipps von Burgund.
  5. 5Zu Katharinas ablehnender Haltung vgl. ihr Schreiben von 1445 Juli 2; Druck: CHMEL , Materialien Bd. 1 S. 173 n. 57; Reg.: CHMEL n. 1936; LICHNOWSKY (-BIRK) 6 n. 1034. Vgl. RTA 17 S. 744.
  6. 6Vgl. die Ansprache des Bf. von Verdun auf dem Nürnberger Tag, 1444 (September 22), in den RTA 17 n. 166.
  7. 7Kf. Friedrich II. von Sachsen war verheiratet mit Margarethe von Österreich, der Schwester von Kg.F.
  8. 8Vgl. Urk. von 1442 Mai 21, Reg.: Regg.F.III. H. 10 n. 6 und H. 11 n. 10.
  9. 9n. 273.

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Empfohlene Zitierweise

[RI XIII] H. 12 n. 272, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1445-02-22_3_0_13_12_0_272_272
(Abgerufen am 30.11.2020).