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[RI XIII] Friedrich III. (1440-1493) - [RI XIII] H. 12

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Kg.F. und Königin Elisabeth von Ungarn beurkunden folgende berednuss, taiding und richttung, die an sannd Bartlmes abent (1440 August 23) durch die von beiden Seiten bestellten mittler und undertaidinger – Bf. Silvester von Chiemsee und andere Räte des Eb. (Johann) von Salzburg, Ritter Busso (III.) Vitzthum und die Domherren von Meißen Karl von Schaumberg und Kaspar König, Räte des Hz. (Wilhelm III.) von Sachsen, Kaspar Schlick, Bggf. von Eger und Elbogen, und die Prälaten, Herren, Ritter, Knechte, Städteboten und Landleute, die aws den lannden Österreich niderhalb und ob der Enns und Steyr dazu entsandt worden sind – zu den Streitigkeiten zwischen ihnen vereinbart wurde. Wegen der Streitigkeiten um die von Elisabeth ausweislich etlicher in das Land gesandter schrifft(en)1 dem Hz. Albrecht (VI.) von Österreich übertragenen Vormundschaft für Österreich2 wurde mit Rücksicht auf den Nutzen, der insbesondere dem jungen Kg. Ladislaus, Elisabeths Sohn, aus ihrer Eintracht erwachsen möge, vereinbart, daß (1)3 die Königin die Vormundschaft an Kg.F. übergeben soll, sobald diese durch Hz. Albrecht, den sie dazu auffordern soll, aufgegeben wird. (2) Elisabeth soll allen Pflegern, Amtleuten, Städten und Märkten, denen sie zuvor (wegen der Vormundschaft Albrechts) geschrieben hatte, brieflich mitteilen, daß sie Kg.F. als Vormund des Kg. Ladislaus wie die anderen Amtleute der Schlösser in dem lannd zu Osterreich und ob der Enns gehorsam sein sollen. (3) Kg.F. soll Elisabeth und Ladislaus, seine nechsten frewnde, gegen Feinde mit Briefen, Botschaften und (Gerichts-)Tagen unterstützen. Bei Notwendigkeit solle er auch durch Besuche und mit Rat ihre nechsten frewnde sowie ihre Länder und Leute unterstützen, und auch, ob es not sein wurde, gegen unsern herren den kurfursten4. (4) Kg.F. wird verpflichtet, Elisabeth ihr Erbe und Heiratsgut, das sie in dem Land Österreich hat, einschließlich der Gülten, die seit dem Tod Kg. Albrechts (II.) angefallen sind, zukommen zu lassen. Die Königin soll ihre Schlösser mit Landleuten ihrer Wahl besetzen, doch sollen diese Kg.F. versprechen, zu des lannds notdurfft gehorsam zu sein gemäß gemechtbrief, daruber gegeben, doch denselben brieven und irer verschreibung an schaden.5 (5) Da Ladislaus aus seinen Königreichen (Böhmen und Ungarn) und seinem väterlichen Erbe gedrungen ist und des nicht geprauhen noch sich davon enthalten mag, soll Kg.F. der Elisabeth zu seiner Versorgung 5000 fl. ung. leihen, davon 2000 am nechsten samstag (1440 August 27) und die übrigen 3000 acht Tage später. Da die mittler und undertaidinger darüber unterrichtet wurden, daß Kg.F. wegen menigerlay geprechens und beswerung des Landes Österreich dieses Geld von den Nutzungen und Renten des Landes nicht aufbringen kann und es daher von seinem Erbgut nimmt, soll ihm die Königin in einer urkund briefleich bestätigen, daß er ihr das Geld als Vormund ihres Sohnes und zum Nutzen desselben gegeben hat6. (6) Kg.F. und Elisabeth sollen von Unwillen und Ungnade gegenüber Dienern oder beylegern der jeweils anderen Seite abstehen.

Originaldatierung:
an sand Bertlmes abend
Kanzleivermerke:
KVr: fehlt.

Überlieferung/Literatur

Zwei Orgg. (A7 und B) im HHStA Wien (Sign. AUR, 1440 VIII 23), Perg., jeweils mit rotem S 12 in wachsfarbener Schüssel an Ps. und rotem S der Königin Elisabeth in wachsfarbener Schüssel an Ps. – Kop.: Abschrift (18. Jh.) ebd. (Sign. Urkundenabschriften, Collationierte Copien, Karton 4). Zum Formular der Urk. vgl. analog die Angaben bei n. 17. Druck: KOLLÁR , Analecta 2 Sp. 845ff. n. 6. Reg.: CHMEL n. 98; LICHNOWSKY (-BIRK) 6 n. 117. Lit.: CHMEL, Geschichte 2 S. 77ff.; ZEISSBERG, Der österreichische Erbfolgestreit S. 41ff.; VANSCA, Geschichte Nieder- und Oberösterreichs 2 S. 293; HALLER, Kaiser Friedrich III und die Stephanskrone S. 100f.

Anmerkungen

  1. 1Vgl. die Schreiben Elisabeths von 1440 April 10 an die österreichischen Stände (A) u. an die Stadt Wien (B); Regg. von A u. B: CHMEL , Materialien Bd. 1 S. 10 n. 276; LICHNOWSKY (-BIRK) 6 n. 55 u. 56; QGStW I/7 n. 14844 (nur B); Druck: TELEKI , Hunyadiak kora 10 n. 34 (nur B).
  2. 2Königin Elisabeth hatte mit Urk. von 1440 April 10 Hz. Albrecht VI. die Vormundschaft über Kg. Ladislaus übertragen; Druck: KOLLÁR , Analecta 2 Sp. 834 n. 9/2; Reg.: CHMEL n. 13; LICHNOWSKY (-BIRK) 6 n. 54.
  3. 3Die Numerierung der Kapitel wurde vom Bearbeiter vorgenommen; sie liegt in der Urkunde selbst nicht vor.
  4. 4Es wird keiner der Kurfürsten namentlich genannt. Es ist wohl Kf. Friedrich II. von Sachsen gemeint. Die Klausel steht evtl. im Zusammenhang mit Elisabeths Rechtsansprüchen am Hzm. Luxemburg und der Gft. Chiny. Vgl. dazu Regg. F. III. H. 9 n. 8 mit Anm. 2.
  5. 5Evtl. gemeint sind die in Punkt (2) angekündigten Briefe Elisabeths und der Beschluß der österreichischen Stände von 1439 November 15; Druck: KURZ , Oesterreich 1 S. 243ff. Beil. n. 2; Reg.: CHMEL , Materialien H. 1 S. 35 n. 250; LICHNOWSKY (-BIRK) 6 n. 8. Vgl. auch die Anm. 2 bei n. 32 genannte Urk. Hz.F. V.
  6. 6Vgl. die Urk. Königin Elisabeths von 1440 August 23; Druck: KOLLÁR , Analecta 2 Sp. 850f. n. 7; Reg.: CHMEL n. 99; LICHNOWSKY (-BIRK) 6 n. 118.
  7. 7Nach einem rücks. Vermerk des 15. Jh. (Ain taydingbrief zwischen meinem herrn kunig Fridrichen und frawn Elizabethen, kunigin zu Unngern und herzogin zu Osterreich) handelt es sich offenbar um die Ausfertigung für Kg.F. Vermerke wohl von derselben Hand finden sich auf n. 1, 17 (Ausfertigung A) u. 19, 132 (jeweils Ausfertigung B).

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Empfohlene Zitierweise

[RI XIII] H. 12 n. 20, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1440-08-23_4_0_13_12_0_20_20
(Abgerufen am 25.11.2020).