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[RI XIII] Friedrich III. (1440-1493) - [RI XIII] H. 1

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K. F. bekundet, daß vor dem Kammergericht unter dem Vorsitz des Eb. Adolf von Mainz am vergangenen 2. Januar1 die Gesandten der Stadt Memmingen erschienen, zunächst die zwanzig Punkte der ersten Klage des Fiskalkammerprokurators Ehinger wiederholten2 und auf eine kaiserliche Weisung verwiesen3. Dagegen brachte der Fiskalkammerprokurator Johann Kellner vor, daß dem Doktor Ehinger im Zuge des Verfahrens B. Hermann von Konstanz als Kommissar beigegeben wurde, um vor allem auch weitere Zeugen zu vernehmen4. Es folgt nun folgender weitschweifiger Prozeßbericht:Zunächst erhob Memmingen Beschwerde wegen Verzögerung des Verfahrens. Unter dem Vorsitz des Eb. von Mainz wurde am 28. April5 ein Gerichtstag abgehalten, auf dem Memmingen die Beschwerde, Ehinger verzögere den Prozeß, wiederholte, wogegen sich Ehinger verteidigte. Auf weiteren Verhandlungen am 8. Mai, 2. und 22. Juni und 5. September6 wurden nur die bereits vorgebrachten Argumente wiederholt. Ehinger sah den Grund für die Verzögerungen in dem Versuch Memmingens, mehr als hundert Zeugen vorzubringen; man solle höchstens vierzig einvernehmen. Memmingen klagte dagegen, Ehinger beantrage immer wieder Aufschübe.Erst in einer Verhandlung am 8. Oktober gelang ein Fortschritt7: Ehinger reduzierte seine Klage auf folgende Punkte: 1) Aus Zeugenaussagen gehe hervor, daß die Zunftmeister öffentlich zusammenkamen, doch sei damit nicht bewiesen, daß es nicht auch daneben geheime Ratsbeschlüsse und somit Konspirationen gab. 2) Es sei nicht zu leugnen, daß die Zunftmeister Urteile fällten, wozu sie nicht befugt wären. 3) Die Anklage, daß Pfahlbürger und Eigenleute aufgenommen wurden, konnte nicht widerlegt werden. Außerdem erhob Ehinger die Klage, daß entgegen dem kaiserlichen Befehl8 die Geschlechter aus dem Rat entfernt wurden. Dagegen wiederholten die Anwälte Memmingens ihre bereits mehrmals vorgetragenen Argumente und kritisierten das Verfahren. Neben terminologischen Spitzfindigkeiten wurde eingewandt, die Klage wegen der Aufnahme von Pfahlbürgern und Eigenleuten sei nicht richtig erhoben worden. Ehinger berichtete dazu, er habe darüber Lochner von Ulm Unterlagen übergeben; es sei nicht seine Schuld, wenn diese nicht nach Memmingen kamen; außerdem lägen Beschwerden der von Rothenstein, Rechberg und Werenstein und einiger Gotteshäuser wegen der Aufnahme von Eigenleuten vor. Dabei kam auch zur Sprache, daß ein Brief des Kaisers nicht korrekt ausgestellt worden war9. Dagegen wandte Ehinger ein, der Brief sei zwar nicht richtig gesiegelt worden, er wurde aber auf Befehl der Kanzlei von Johannes Waldner geschrieben. Das Original hätte der Sekretär Johannes Peck unterzeichnet10. Ein weiteres Schreiben, von Waldner mundiert, sei von Balthasar Newenburger unterschrieben worden11. Weitere Verhandlungen am 1. 7. 11. 14. und 16. Dezember12 brachten nur Wiederholungen der bereits vorgebrachten Argumente. Nunmehr forderte in langen Auseinandersetzungen Georg Ehinger öffentliche Eide der Memminger vor Gericht. Nach längeren Verhandlungen und Rückfragen in Memmingen wurde dieser Eid vor dem kaiserlichen Kammergericht unter dem Vorsitz des Gf. Ott zu Henneberg am 22. Dezember geleistet13. Mit Vertagung einiger Klagepunkte14 wird daher die Stadt Memmingen von der Klage, 1) es seien Konspirationen abgehalten worden, 2) die Zunftmeister hätten ohne Genehmigung des Bürgermeisters Gericht gehalten, 3) man habe unter Mißachtung des kaiserlichen Gebotes die Geschlechter aus den Räten entfernt,freigesprochen.

Originaldatierung:
Am drewundzweintzigisten tag des moneds february.
Kanzleivermerke:
KVr: A.m.d.i.

Überlieferung/Literatur

Org. im BayHStA (Sign. RU Memmingen n. 405), Perg., S 18 mit wachsfarbenem S 16 an purpurner Ss. (Libell, fol. 2r-14r beschrieben). - Kop.: 16. Jh., ebenda (Sign. RU Memmingen n. 405), Perg.

{Druck: Chmel, Mon. Habsb. I/3 S. 479-502 n. 2 (mit Februar 3).}

{Reg.: Kramml, Konstanz S. 442 n. 230.}

Anmerkungen

  1. 1Das Org. nennt den 2. Juni als Gerichtstag, doch muß eine Verschreibung vorliegen, da die vorletzte Sitzung des Gerichtes 1472 Dezember 22 stattfand - vgl. unten Anm. 13 -, das Urteil aber bereits 1473 Februar 23 beurkundet wurde. Es wäre möglich, daß das Urteil an einem der Gerichtstage zwischen 3. und 20. Februar gefällt wurde,- vgl. dazu Lechner, Reichshofgericht S. 172 - doch ist eine Verschreibung Juni statt Januar wahrscheinlicher. Allerdings sind bis jetzt noch keine Gerichtstage am 2. Januar oder am 2. Februar belegt - vgl. Lechnera. a. O. Unsere Korrektur wird auch gerechtfertigt, da das Org. auch einige andere sinnstörende Verschreibungen aufweist.
  2. 2Vgl. oben. H. 1 n. 96.
  3. 3Es ist hier wohl auf eine Urkunde v. 1471 August 31 verwiesen; vgl. dazu oben H. 1 n. 97.
  4. 4Darüber ist bis jetzt nichts bekannt geworden; vgl. dazu R. Eirich, Memmingens Wirtschaft und Patrizität von 1347 bis 1551 (1971) S. 43ff.
  5. 5Dieser Gerichtstag war 1472; vgl. Lechner, Reichshofgericht S. 166, n. 201.
  6. 6Diese Gerichtstage waren gleichfalls 1472, vgl. Lechner, Reichshofgericht S. 166ff., n. 203, 206, 212, 223.
  7. 7Auch dieser Gerichtstag war noch 1472; vgl. Lechner, Reichshofgericht S. 169, n. 233.
  8. 8Ehinger beruft sich auf die Urkunden H. 1 n. 90 und n. 97.
  9. 9Damit ist das Schreiben von 1471 März 12 gemeint; vgl. oben H. 1 n. 89.
  10. 10Ob ein Exemplar dieses Briefes von Peck unterfertigt war, ist bis jetzt unbekannt. Die Argumente von Ehinger sind nicht ganz richtig; das der Stadt Memmingen übergebene Exemplar - vgl. oben H. 1 n. 89 - wurde von Waldner nicht geschrieben, sondern nur kollationiert.
  11. 11Es ist bis jetzt kein Schriftstück aufgetaucht, das hier zitiert sein könnte; ich wage auch nicht, aus diesem Vermerk eine Urkunde zu erschließen, da ja auch mit der Möglichkeit gerechnet werden muß, daß sich Ehinger einfach irrt.
  12. 12Auch diese Gerichtstage waren noch 1472; vgl. Lechner, Reichshofgericht S. 171, n. 246, 248, 251, 252.
  13. 13Das war noch 1472; vgl. Lechner, Reichshofgericht S. 172, n. 253.
  14. 14Vgl. dazu unten die Urkunde v. 1473 Juli 6 (H. 1 n. 100).

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

[RI XIII] H. 1 n. 99, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1473-02-23_1_0_13_1_0_9071_99
(Abgerufen am 16.01.2021).