Regestendatenbank - 197.685 Regesten im Volltext

[RI XIII] Friedrich III. (1440-1493) - [RI XIII] H. 1

Sie sehen den Datensatz 54 von insgesamt 156.

K. F. bestätigt, daß am 8. Mai vor dem kaiserlichen Kammergericht unter dem Vorsitz des Mgf. Wilhelm von Hochberg der Jörg Turner von Turnau erschien und durch seinen Fürleger vorbrachte, er habe (wie in der Urkunde später ausgeführt wird1) wegen eines (nicht genauer bezeichneten) Hauptgutes eines Leibgedings gegen die Gräfin Beatrix von Helfenstein einen Prozeß zu Kempten angestrengt, wo 1450 Oktober 24 ein Urteil ergangen war. Dagegen habe Beatrix mit folgenden Argumenten berufen: 1) Das Urteil sei an einem Sonntag gefällt worden. 2) Kempten sei damals in der Acht des Landgerichts des Burggrafentums zu Nürnberg gewesen. 3) Bürgermeister und Urteilsprecher seien bei der Urteilsverkündung nicht zugegen gewesen. 4) Sie (Beatrix) sei lange vor und zur Zeit des Urteils nicht im Land, sondern außer Landes gewesen. 5) Das Urteil sei ihr nicht, wie es recht sei, verkündet worden. Dieser Einspruch wurde vor dem kaiserlichen Kammergericht unter dem Vorsitz des B. Peter von Augsburg (offenbar positiv) behandelt2, doch habe Beatrix noch erreicht, daß der Prozeß, ohne Wissen des Jörg, auch noch vor Karl, Mgf. von Baden, Gf. von Sponheim, fortgeführt wurde3. Die Sache sei damit zum Schaden des Jörg über Jahr und Tag verschleppt worden. Daher ziehe er (Friedrich) als Römischer Kaiser den Prozeß wieder an sich4. Er habe Beatrix dreimal rechtmäßig vorgeladen, Jörg habe diese Frist abgewartet und sei dann vor dem Kammergericht erschienen. Hier habe er vorgebracht: 1) Das Urteil von Kempten sei mit Samstag vor St. Simon und St. Judas datiert und sei daher nicht an einem Sonntag ergangen. 2) Zu dieser Zeit soll Kempten wegen der Klage des Anshelm von Aiberg {Yberg} angeblich in der Acht des Landgerichts des Burggrafentums zu Nürnberg gewesen sein, doch sei dagegen einzuwenden, Kempten läge im Lande Schwaben und im Gerichtszwang zu Rottweil; auch sei Kempten für sein Gericht von Römischen Kaisern und Königen hoch gefrit, was auch K. F. bestätigt habe5; auch sei Jörg der Beatrix nachgefahren und habe sie als Bürgerin von Kempten geklagt; dabei sei zunächst die Acht nicht beachtet worden; außerdem habe K. F. selbst die Acht des Landgerichts für unrechtmäßig erklärt6. 3) In der Urkunde Kemptens seien Bürgermeister und Rat angeführt; außerdem darf kein Bürgermeister da sin noch werden nur mit Bewilligung des ganzen Rats. 4) Es wird zugestanden, daß die Beatrix außer Landes gewesen sei, doch sei das Urteil in Gegenwart ihres Anwaltes Erhart Baner, genant Ruppin, verlesen worden. 5) Das Urteil sei daher richtig verkündet worden. Jörg bemerkt noch, Beatrix habe den Verdacht geäußert, der Stadtschreiber von Kempten hätte sie mit Hilfe einer Rasur geschädigt; demgegenüber wird betont, daß alle Unterlagen in Ordnung waren. Da weder Beatrix noch ihr Anwalt vor Gericht erschienen waren und gegen die Argumente des Jörg sprachen, wird dessen Einspruch stattgegeben und das Urteil von Kempten bestätigt. By dem rechten waren: Abt Johann von St. Burkard vor Würzburg, Hans von Bansperg, Hans von Degenberg, kais. Rat, Heinrich Zedelin zu Gossler7, Hanns Rüttel von Rheinfelden, Propst Ulrich Arsinger von Freising, Lienhart Mercktel, Domherr zu Chur, Hanns Gelthauser, der Rechtsgelehrte, Sigmund vom Stain, Melchior von Blumenegk {Blumeneck}, Lutz von Lanndow und Erhart Muracher, Urteiler.

Originaldatierung:
Am sechtzehenden tag des monads junii.
Kanzleivermerke:
KVr: A.m.d.i. Vlricus Weltzli canc. (nach Kop.).

Überlieferung/Literatur

Kop.: Vidimus des Propstes Konrad von Wengen in Ulm v. 1462 August 21 im BayHStA (Sign. RU Kempten n. 574), Perg.

Anmerkungen

  1. 1Die Urkunde ist schlecht gegliedert. Die hier angeführte Vorgeschichte wird in der späteren Argumentation nur gelegentlich am Rande berührt.
  2. 2Der Text des Schriftstückes ist hier unklar. Man hat den Eindruck, daß die etwas peinliche Vorgeschichte mit Absicht nicht deutlich und offen erzählt wurde. Von einer Tätigkeit B. Peters von Augsburg als Kommissar in dieser Sache ist bis jetzt nichts bekannt geworden (vgl. A. Uhl, Peter von Schaumberg, 1940, S. 74ff. und 91ff.)
  3. 3Die Urkunde ist abermals unklar. Mgf. Karl von Baden war zwar oft bei Prozessen beigezogen worden - vgl. K. Krimm, Baden und Habsburg um die Mitte des 15. Jahrhunderts (1976) S. 25ff. -, doch ist bis jetzt nicht bekannt, daß er auch von Beatrix von Helfenstein bemüht wurde.
  4. 4Vgl. oben H. 1 n. 52.
  5. 5Vgl. oben H. 1 n. 4, n. 13, n. 20 und n. 47. Doch dürfte kein bestimmtes Privileg hier zitiert sein.
  6. 6Vgl. oben H. 1 n. 9 und n. 11.
  7. 7Heinrich Zedelin war Propst zu Goslar. Doch ist die hier aufscheinende Schreibweise üblich. Vgl. Lechner, Reichshofgericht, S. 151ff. Eine erschöpfende Identifizierung der Personenliste soll später erfolgen.

Registereinträge

Nachträge

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

[RI XIII] H. 1 n. 54, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1459-06-16_1_0_13_1_0_9026_54
(Abgerufen am 07.02.2023).