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Chmel, Regesta Friderici

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Landtag der österreichischen Stände in Anwesenheit des K. Friedrich.

Am 31. Nachmittags war Conventikel in der Wohnung des Grafen von Schaunberg, wohin der König Friedrich auch kam und Caspar Schlick hielt einen Vortrag über die bisherigen Verhandlungen mit den Ungarn und deren räuberisches Verfahren ("mit raub, mord, prant, tottung der leut und enterung des heiligen sacraments mit hilf der unglaubigen Walachen und Turkken.") Der König erbitte sich ihren Rath bis morgen früh. Darauf versammelten sich die Stände in einem Hause, und da machte der Adelsstand einen Vorschlag, dass die 4 Stände den König bitten sollten, den jungen Ladislaus nach Wien zu bringen ("in sein erbliche land und haubtgsloss Wienn pringt, und dem besecz nach rat dem merern tail der lantschaft doch seinen kunigclichen gnaden unvergriffenlich an seiner vormundschafft und so das beschech, so ist zu hoffen, das alle seine land und kunigreich dem land dester gutlicher und glimphlicher und zu pesserm frid und gemach dadurch pracht mug werden ...") Das gefiel den Andern, es sollten aber noch mehr dazu rathen wie man das am besten dem König beybringe. Auch ward um Entschuldigung gebeten, dass die Antwort verzögert werde. Die königlichen Räthe, welche Landleute waren, wurden auch berufen am 1. Februar und der Vorschlag ihnen communicirt, die verlangten Bedenkzeit bis auf den 2. Am 2. Februar verfügten sich die Landstände zum Grafen von Schaunberg, der verlangte es sollte der Vortrag des Königs zuerst von den 4 Ständen berathen werden, dann könnten die Vorschläge der Stände beherzigt werden, "darnach hub der Herman an zu erczellen des von Passau sachen und der Holtzl." - Dann versammelten sich die 4 Stände in einem Hause ("Pognerhaus") und verlangten den Rath der königlichen Räthe die Landleute waren, die kamen am 3. Februar früh zu ihnen, die trugen auf einen Ausschuss an zur Berathung, der sollte dann den übrigen referiren, sie sollten übrigens thun nach ihrem Gutdünken; auf dringendes Verlangen der Landschaft riethen sie aber, man sollte zuerst auf den Antrag des Königs antworten, dann könnten die Stände mit ihrem Verlangen hervortreten. "Solt aber der lantschafft fürnemen am ersten vorgeen, und das unserm gnedigisten herren dem kunig auf sein begern nicht antwurt getan wurde, so das wer zu swer und nich fuglich für die landschafft und möcht ain zerüttung und hindrung bringen des tags, wann sein gnad nach rat ettlicher lantleut den landtag gemacht hiet, so hietten sy in auch vertrost darauf herzekomen, darumb gar pillich wer, das man seinen gnaden antwurt tun solt und darnach der lantschaft fürnemen und ander artikel und notdurfft des lands für hand genomen und bracht werden ..." Darauf berieth die Landschaft und wurde einig "mit grosser mü" und trugen ihren Beschluss den königl. Räthen am 5. Februar Nachmittags vor; sie trugen sich an zum Widerstand wider die Feinde das Ihre zu thun, falls der König das Seine thäte, bäten aber, der König möge den K. Ladislaus nach Wien in die Hofburg bringen ("und auch den nach sein wirden und nach notdurften besetzen"), das wurde dem König auch durch 40 Deputirte am 6. Februar Früh vorgetragen "nach der pesten form" ... und Reinprecht von Eberstorf nahm hierauf insbesondere das Wort für die Stände "ob sein kunigclichen gnaden icht fürbracht wer oder fürbracht wurd, das die lantschafft yndert für sich genomen hiet oder nem, das wider sein kunigclich gnad sein solt, das teten sy nicht, und solt auch das sein gnad nicht glauben, wan sy das in kain andern weg teten, denn zu ere und nucz seiner kunigclichen gnaden, auch unserm erbherren kunig Lasslawen landen und leuten zu frid und gemach und s. kunigclichen gnaden unvergriffen und an schaden der vormundschafft ..." Die Deputation ward auf Nachmittag bestellt; um 3 Uhr kamen 60 Deputirte, denen trug Casper Schlick die Meinung des Königs vor. Jetzt sei die Zeit zur Berathung wegen des Widerstands wider die Feinde "- solt man aber warten, wenn die Ungern in das land zugen und angriffen, das sein gnad das dann erst der lantschafft solt zu wissen tun und aufvordern, und ee sy zusamen kemen, so mocht solher oder grosser schad widergen dem land, denn vor geschehen ist" - darum gehe dieser vor. Hinsichtlich K. Ladislaus äusserte Caspar Schlick, die Königin Elisabeth habe denselben sammt der Krone dem K. Friedrich als dem höchsten und besten Freund übergeben und Er habe denselben bisher "wirdigclichen inngehalten und wolt den noch hinfür innhalden als sein frewnt" übrigens habe sich der König "alles guten zu der lantschafft versehen (und dass sie) nicht anderst getan hieten, denn was sein gnaden lieb gewesen wer und getraut sy wurden das noch tun ..." darauf begehrte Albrecht von Ror im Nahmen der Landschaft, der König möge seinen Räthen, die Landleute wären, erlauben, sich mit ihnen zu berathen, sie würden dann am 7. Februar "ain widerred tun ..." Am 7. wurde hin- und hergeredet, die Landschaft beharre auf ihrem Verlangen nach Ladislaus, der König solle auch in 3 Wochen zu Wien einen andern Landtag halten lassen, wo mehr Landleute zusammenkommen. Nachmittags wurde diess dem König vorgetragen durch Albrecht von Ror, der König liess durch Caspar Schlick antworten, Ladislaus wolle er halten wie zuvor, einen andern Landtag brauche es nicht, sie möchten nur auf sein Begehren wegen Hülfe antworten. Am 8. wurde dem König wieder vorgetragen, wenn die Feinde ins Land fielen und die Landschaft durch Patente aufgefordert würde, wollte sie zuziehen. Der König begehrte durch Caspar Schlick die Verwilligung eines Zugs ins Feld jetzt, sonst sey nichts zu richten. "Dawider aber her Albrecht von Ror redt von der lantschafft wegen, sein kuniglich gnad hiet ir antwurt und verwilligung wol vernomen, und batt sein kuniglich gnad hiet daran ein gevalen, solhe verwilligung dankcht her Caspar Slikch anstat unsers gnedigisten herrn des kunigs der lantschafft und hiet daran ein gut gevallen ..."NB. (Hier hat die Geschichte des Landtags ein Ende, aber es folgen andere Nachrichten von den böhmischen Ständen, vom Wiener Magistrate, die auf eine ganz andere Zeit gehören, hier aber am unrechten Platze stehen.)

Überlieferung/Literatur

Kollar, Anal. Vindobon. II. 1299-1312.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

Chmel n. 2232, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1447-01-30_1_0_13_0_0_2232_2232
(Abgerufen am 25.11.2020).