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RI XI Sigmund (1410-1437) - RI XI Neubearb., 3

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K. S. fordert (volumus) den edlen Ulrich von Rosenberg (nobili Ulrico de Rozenberg) auf, die Güter in Protiwin, welche, wie er unterrichtet wurde, im Besitz des verstorbenen [Klingenberger Burggrafen Johann] Hájek [von Hodětín] gewesen sind, und nahe an seiner Burg Klingenberg liegen und deren Dienste bequem an diese Burg abgeliefert werden können (informati, quod bona in Protiwin castro nostro Zwiekow bene adiacent, que pridem Hayko iam defunctus possedit et quod illa bona prefato castro commode servire poterunt [!]), samt Zubehör der Klingenberger Herrschaft hinzuzufügen und in Besitz zu nehmen (de ipsis et pertinenciis suis intromittas usus eorum ad castrum predictum convertendo et illa bona possidendo), bis Ulrich die Burg Klingenberg an den K. oder seine Nachfolger abtritt (quousque nobis aut successoribus nostris de castro Zwiekow condescenderis), jedoch unbeschadet der Rechte anderer Personen (salvis tamen iuribus quorumlibet aliorum, quibus preiudicare nolumus quomodolibet in premissis).

Originaldatierung:
in die sancti Jeronimi doctoris eximii, XLVIII – XXV – 15 – 2
Kanzleivermerke:
KVr: Ad mandatum domini imperatoris Caspar Sligk miles cancellarius. – KVv: Ohne RV.

Überlieferung/Literatur

Orig. Perg. lat. mit rotem Sekretsiegel (Posse 18/1) in wachsfarbener Schüssel am Perg.-streifen, in SOA Třeboň, Velkostatek Protivín, Inv. Nr. 2, Sign. I A α Nr. 25 (A).

Ed.: LOR I, S. 173–174, Nr. 250 (als echt).

Reg.: Schmidt, Fälschung (1894), S. 322, Nr. 19 (dt., mit Fälschungsverdacht); RI XI, Nr. 10874 (als Fälschung); Sedláček, Zbytky register, S. 181, Nr. 1311 (tsch.; als echt).

Lit.: Sedláček, Hrady, VII, S. 236 (als echt); Schmidt, Fälschung (1895), S. 198 (mit Fälschungsverdacht); Mareš, Padělané diplomy, S. 378–379 (als echt); Šimunek, Správní systém, S. 64 (als echt).

Kommentar

Die schon von Schmidt geäußerten Bedenken gegen die Echtheit der Urk. wurden in der Forschung nicht aufgenommen. Die äußeren Merkmale weisen zwar überzeugend auf eine Kanzleiausfertigung hin, doch ist der Urk.-inhalt zumindest verdächtig: Dass gewisse Güter der Burg Protiwin der Burg Klingenberg unterstellt worden wären, ist aus anderen bekannten Quellen nicht zu erschließen. Johann Hájek von Hodětín verwaltete jedenfalls in den 1420er-Jahren gleichzeitig beide Burgen, Klingenberg und Protiwin, als kgl.er Burggraf oder sogar Pfandherr.1 Dem Urk.-Inhalt widerspricht die jüngere Verpfändung Protiwins an Přibík von Klenau vom 22. Juli 1437, welche aber nur aus einem alten Reg. bekannt ist (siehe Nr. 220). In den 1450er-Jahren gehörte die Protiwiner Herrschaft wieder den Rosenbergern, denen Kg. Ladislaus am 20. August 1457 versprach, Klingenberg und Protiwin lebenslang nicht einzulösen. Diese Widersprüche werden in der Forschung durch die Vermutung aufgelöst, dass Ulrich an S.s Stelle die Burg Protiwin eingelöst habe. Es gibt jedoch noch eine andere mögliche Erklärung. In einigen Fälschungen Ulrichs ist nämlich eine analoge Argumentation zur vorliegenden Urk. zu finden. Aus den Fälschungen vom 11. September 1430 bzw. 23. Mai 1432 geht hervor, dass Ulrich die Burg Klingenberg wegen bestimmter verpfändeter Dörfer nicht übernehmen konnte (Reg. Nr. 245), bzw. wegen deren Zugehörigkeit zu Klingenberg unter der Burggrafschaft Johann Hájeks von Hodětín bestimmte Frauenberger Dörfer beanspruchte (Reg. Nr. 246). Sollte die regestierte Urk. also eine Fälschung sein, dann wäre sie erst nach 1437 mit dem Zweck hergestellt worden, die Verpfändung an Přibík von Klenau außer Kraft zu setzen. Die Möglichkeit, dass die Urk. tatsächlich gefälscht ist, ist demzufolge nicht auszuschließen, doch bieten andererseits die erwähnten inhaltlichen Zusammenhänge mit (anderen) Fälschungen Ulrichs darüber keine zweifelsfreie Gewissheit.

Anmerkungen

  1. 1Sedláček, Hrady, VII, S. 236; ders., Zbytky register, S. 109, Nr. 754.

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Empfohlene Zitierweise

RI XI Neubearb., 3 n. 172, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/e09bb45d-5b88-4b0c-8046-51f591137c98
(Abgerufen am 19.09.2019).