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RI XI Sigmund (1410-1437) - RI XI Neubearb., 3

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K. S. teilt dem edlen Ulrich von Rosenberg mit, dass er, nachdem er auf Bitten aller Herren, Ritter und Gemeinden seines Kg.reichs Böhmen (k žádosti všech pánuov, zěman a obcí kralovstwie našeho Czeskeho) ins Land gekommen ist, dieses als natürlicher Erbherr (iakžto dědic a pánn přirozený) in Besitz genommen und beständig für das gemeine Wohl Sorge getragen hat, jetzt mit den Legaten des Basler Konzils (legaty sboru bazileiskeho), dem erwählten Erzbischof [Johann von Rokitzan] und anderen Priestern vollkommene Einigkeit in den geistlichen Angelegenheiten hergestellt hat, sodass zum nächstem Quatember auch die Priester geweiht werden können. Nun will S. auch die weltliche Ordnung (řád světský), die in den letzten Jahren stark in Verfall gekommen ist (jenž ta léta pohřiechu byl potuchl), gemäß der im Land Böhmen lange beachteten Rechte wieder erneuern. Zu diesem Zweck hat er mit seinem Rat (s radú naší) für den kommenden 1. Januar (o Novém létě) einen gemeinen Tag nach Prag (v Prazie) berufen, wo über das gemeine Wohl, über die Sitzordnung in den [Landesgerichts-]Bänken (o ta sědánie v laviciech) sowie über andere Sachen verhandelt werden soll. S. möchte nämlich die Gerichte wieder tagen lassen und besetzen (propustiti i osaditi), damit die Menschen ihre Ansprüche nicht mehr durch Gewalt, sondern auf dem Rechtsweg durchsetzen (aby viec jeden druhého mocí nehleděl, ale právem). S. ersucht Ulrich (vuoleť naše jest a takť žádáme), den Tag in dessen Städten und Märkten auf den Marktplätzen verkünden zu lassen, und auch selbst zu diesem Tag zu kommen. Bis dahin soll er alle Streitigkeiten mit den Prachatitzern (Prachatickymi) ruhen lassen; auf dem Tag soll er dann ihm, S. seine Ansprüche mit den entsprechenden Urkk. belegen.2 Schließlich ersucht (žádáme) S. Ulrich, das Abkommen zwischen S. dem Priester Friedrich [von Straßnitz] und [der Gemeinde von] Tabor mit dessen Siegel versehen zu lassen (aby svú pečeť dal přivěsiti k listu úmluv těch, kteréž s knězem Bedrzichem a s Thabory máme).3

Originaldatierung:
w patek po swate Lucii
Kanzleivermerke:
KVr: Ad mandatum d(omini) imperatoris Iohannes Tussek. – KVv: Ohne RV. – Adresse verso: Vrozenemu Oldrzichowi z Rozenberka wiernemu nassemu milemu.

Überlieferung/Literatur

Orig. Pap. tsch. litterae clausae mit Fragmenten eines verso aufgedrückten roten Verschlusssiegels (Posse 18/1), in SOA Třeboň, Bestand Historica Třeboň, Sign. 377 (A). – Kop. tsch.: einfache Abschrift aus dem 19. Jh. in ANM Praha, Bestand Palacký František, Inv. Nr. 306, Kart. 8, sub dato (B); einfache Abschrift aus dem 19. Jh. in ANM Praha, Bestand C – Muzejní diplomatář, sub dato (C).

Ed.: I, S. 45–46, Nr. 55; LOR I, S. 209, Nr. 311.

Reg.: Palacky, Urkundliche Beiträge, II, S. 471, Nr. 980 (dt.); RI XI, Nr. 11579.

Lit.: Palacký, Geschichte von Böhmen, III/3, S. 247–248; ders., Dějiny národu českého, III/2, S. 368; Schmidt, Südböhmen, S. 353; Kavka, Poslední Lucemburk, S. 229.

Anmerkungen

  1. 1Das Jahr ergibt sich aus dem historischen Kontext.
  2. 2Streitigkeiten zwischen Ulrich und der Stadt Prachatitz erwähnte S. bereits in seinem Brief vom 7. November 1436 (siehe Reg. Nr. 194).
  3. 3Bereits am 16. Oktober 1436 schlossen Ulrich von Rosenberg und Přibík von Klenau als Unterhändler ein Abkommen zwischen S. und der Gemeinde von Tabor über die Rechte der kgl.en Stadt Tabor (siehe Reg. Nr. 191a), das aber von S. nicht anerkannt wurde; vgl. dazu den Brief S.s an Ulrich von Rosenberg vom 22. Oktober 1436 (siehe Reg. Nr. 192). Am 18. November 1436 schlossen die Unterhändler S.s, nämlich Ulrich Graf von Cilli, Ulrich von Rosenberg und sieben weitere böhmische Landherren und Hofwürdenträger ein neues Abkommen zwischen S. einerseits und den Priestern Friedrich von Straßnitz, Nikolaus von Pilgram, gen. Biskup[ec], Wenzel Koranda und weiteren Priestern der taboritischen Seite sowie dem Bürgermeister, den Ratsherren und der ganzen Gemeinde von Tabor andererseits – siehe NA Praha, Bestand K, Inv. Nr. 1546 (Reg. in LOR I, S. 208–209, Nr. 310; AKČ V, S. 220–221, Nr. 355). Dieses Abkommen wurde auch durch Ulrich besiegelt, dessen großes rotes Siegel sich an zweiter Stelle, zwischen dem Siegel Ulrichs von Cilli und dem heute verlorenen Siegel des Aleš von Sternberg und Holitz, befindet. Laut dem oben regestierten Brief ist es sehr wahrscheinlich, dass Ulrich das Abkommen erst nachträglich besiegelt hat, wie es bei ähnlichen Urkk. oft der Fall war. Eine andere Erklärung, für die es jedoch keinen anderen Anhaltspunkt in den Quellen gibt, wäre, dass S. im Anschluss an das Abkommen vom 18. November 1436 noch eine separate, heute verlorene (Revers-)Urk. ausstellte und auch diese durch die Unterhändler besiegelt haben wollte.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI XI Neubearb., 3 n. 195, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d876412c-bfc3-40ca-9649-9b6ac2a8187a
(Abgerufen am 18.09.2019).