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RI XI Sigmund (1410-1437) - RI XI Neubearb., 3

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Kg. S. führt an, dass das im Namen des Heiligen Geistes versammelte und die universale Kirche repräsentierende Konzil [von Konstanz] sich um die Einheit der Kirche bemüht, indem es einen einzigen unumstrittenen Papst erwählen wird, sobald es die Dringlichkeit anderer Sachen gestattet. Bevor das Konzil aber das Gottesgebäude wieder erneuert haben wird, muss es "Geburtswehen" durchleiden: große Anstrengungen unternehmen, Hindernisse überwinden und bittere Schmerzen erdulden. Nach der Überwindung des schädlichen Schismas wird der alte glückselige Zustand durch Einnahme des einzigen Heilmittels wieder erneuert und das Konzil kann für das Wohl der Kirche ordentlich und eifrig sorgen (cum itaque sacrosancta synodus generalis in spiritu sancto legitime congregata universalem ecclesiam catholicam matrem nostram representans pro unione in ecclesia Dei sancta consequenda feliciter laborans, ut celeriter, in quantum occurentium casuum qualitas aliarumque circumstanciarum necessitas, et presencium temporum disposicio paciuntur, unici, veri et indubitati summi pontificis electione favente Domino celebranda et, dum ad edificium spiritualis patris, filii sponsique eiusdem sancte matris ecclesie votivum emictitur, parturientis partes experiens, conatus prosequens, et molestias perferens acerbos dolores senciat adinstar illius, ut, post acceptam de antiquo et pestifero scismate victoriam antique felicitatis antidoto resumat unico3 eiusdem ecclesie provisioni cum omni diligencia solerter et studiose ac instanter et sedulo succurrere festinat). Dennoch muss das Konzil die für die Entbindung geeignete Zeit abwarten, um nicht durch übertriebene Eilfertigkeit eine Fehlgeburt zu provozieren (verumtamen consultius4 ydoneum pariendi tempus, ne inconsulte festinante impetu alicuius5 partum precipitet in abortum). Manchmal wird allerdings – vielleicht durch unbegreifliche Vorsehung Gottes – einer erwählt, der hintanzustellen wäre, und dagegen ein anderer nachgereiht, der zu bevorzugen wäre (sicque nonnunquam oculta [!] forsan dei disposicione postponendus eligitur et postponitur preferendus), was nach S.s Meinung in diesen Tagen in Anbetracht der menschlichen Schwächen geschieht (prout hiis accedisse diebus ex humanorum defectuum suponimus [!] consideracione). Es ist unter anderem wohlweislich entschieden worden, dass das Konzil vor der Durchführung der Papstwahl nicht aufgelöst werden soll (inter cetera provide statuerit et salubriter ordinaverit, quod hoc sacrum concilium non dissolvatur, donec eleccio huiusmodi futuri summi pontificis fuerit ordinata).6 Er, S. verpflichtet sich (promittimus et nos obligamus) mit wohlbedachtem Mut und rechtem Wissen als Vogt der römischen Kirche und Konzilsprotektor (tamquam Romane ecclesie advocatus dictique concilii protector), der das Konzil aus ganzem Herz unterstützt, sich dessen Statuten und Anordnungen unterwirft und ihm gehorsam ist, seine ganze Kraft dafür einzusetzen (omnem ad hoc operam efficaciter impendemus), aus rechtem katholischen Glauben dafür zu sorgen (bona fide catholica curabimus) und soweit es in seinen Kräften steht, rechtmäßig so zu handeln (quantum in nobis est legaliter faciemus), damit das Konzil nicht aufgelöst, sondern verteidigt und in eigener Stärke bewahrt wird (in suo robore conservabitur, manutenebitur et protegetur), bis die Papstwahl dank Gottes Einwilligung (largiente altissimo) vollzogen ist und der Heilige Geist (spiritus paracliti virtus) dem Konzil die Einigkeit (spiritum unitatis) zur Vollendung der Reform der heiligen Kirche (ad felicem consumacionem reformationis eiusdem ecclesie sue sancte) gewährt hat (nach Kop.). Arenga: Inter varias solicitudines curasque multiplices illa maxime vergit7 anxietas, ne inter domesticos fidei, qui christiano censentur nomine, precipue ecclesiasticas personas, zizania8, seminante humane felicitatis inimico aliqualiter oriatur. Summopere igitur occurendum est, ut non crescant iurgia, sed iuxta magistram bonorum omnium caritatem, que nil sapit extraneum, nil asperum, nil confusum, ymo propria equitate nutrit concordiam, dissociata coniungit inter servos Dei, quos non oportet de bono proposito resilire, pax et unitas conservetur. Equum enim est, ut, que spiritu Dei aguntur, nulla sectione mentium, nulla voluntate contraria, nulla novitate9 noxia dividantur, ne inde discordia sumant initium, unde pacis federa et precipue ecclesiastice tranquillitatis comoda debent suscipere incrementum (nach Kop.).10

Originaldatierung:
4ta die mensis julii
Kanzleivermerke:
KV: Ad mandatum domini regis Johannes prepositus de Strigonio vicecancellarius (nach Druck).11

Überlieferung/Literatur

Orig. im bearbeiteten Bestand nicht überliefert. ‒ Kop. lat.: Abschrift aus dem 15. Jh. (Siegelankündigung für Majestätssiegel), in SOA Třeboň, Bestand Rukopisy Třeboň, Hds. Nr. 12, Sign. A 11, fol. 143r (B).

Ed.: Labbe, Sacrosancta concilia, XII, Sp. 112‒113; Dumont, Corps diplomatique, II/2, S. 43, Nr. 21; Hardt, Magnum oecumenicum Constantiense concilium, IV, S. 376‒377; Lünig, Reichsarchiv, II, S. 29 und Lünig, Reichsarchiv, VI, S. 55‒56; Mansi, Collectio, XXVII, Sp. 740‒741.

Reg.: RI XI, Nr. 1807a und Nr. 1800.

Lit.: Brandmüller, Konzil, I, S. 317 (mit abweichendem Tagesdatum Juli 1).

Kommentar

Der durch die Vorlage angegebene 4. Juli als Ausstellungsdatum12 fügt sich in den Ereignisablauf des Konzilsgeschehens gut ein. An diesem Tag fand nämlich die 14. Sitzung statt, bei der Karl Malatesta im Namen des Papstes Gregor XII. das Konzil von Konstanz nach der Erfüllung gewisser päpstlicher Bedingungen legitimierte. Vom Papst wurde er auch bevollmächtigt, anschließend die Abdankung des Papstes zu verkündigen. Der Inhalt der Narratio spiegelt vielleicht die Diskussion wider, die Malatesta mit der Frage hervorrief, ob es sinnvoll gewesen sei, die Abdankung Gregors XII. vor der Abreise S.s nach Nizza zu vollziehen, also noch ehe die Absichten Benedikts XIII. erkundet worden seien. Das Konzil war eindeutig für die sofortige Abdankung Gregors XII. eingetreten, was eben auch geschah, und beschloss daraufhin während derselben Sitzung, dass eine Papstwahl keinesfalls ohne Bewilligung des Konzils stattfinden und das Konzil vor dieser Wahl nicht aufgelöst werden dürfe.13 Die Urk. S.s wurde vom Vizekanzler der ung. Kanzlei, Johann Szászi, Domherr von Fünfkirchen, öffentlich verlesen.14 In derselben Sitzung versprach S. eine freie Papstwahl und befahl allen Reichsuntertanen, besonders der Stadt Konstanz, dem Konzil beizustehen und die Sicherheit desselben zu gewährleisten.15

Anmerkungen

  1. 1Das Jahr ergibt sich aus dem historischen Kontext.
  2. 2Das Tagesdatum ist nicht einwandfrei. Es ergibt sich aus der regestierten Vorlage (B) und der Edition von Hardt, Magnum oecumenicum Constantiense concilium, IV, S. 376‒377. In den übrigen Editionen wird jedoch das Tagesdatum vom 1. Juli angegeben, siehe auch Brandmüller, Konzil, I, S. 317, Anm. 33, der die Edition von Mansi, Collectio, XXVII, Sp. 740‒741 verfolgt.
  3. 3unico in B nachträglich eingefügt.
  4. 4consultius fehlt in B; ergänzt nach den Drucken.
  5. 5alicuius in B am linken Rand eingefügt.
  6. 6Es wurde an der 14. Sitzung vom 4. Juli 1415 beschlossen, siehe Hardt, Magnum oecumenicum Constantiense concilium, IV, S. 375‒376 und Mansi, Collectio, XXVII , Sp. 739.
  7. 7In allen zititerten Drucken: urget.
  8. 8Zizania in B marginal anstelle des getilgten picolorsia [!]; in allen angeführten Drucken: controversia.
  9. 9In allen angeführten Editionen: voluntate.
  10. 10Die Arenga kommt mit einigen Abweichungen im Brief Papst Innozenz’ II. vom 12. Januar 1136 vor, siehe PL 179, Sp. 261–264, Nr. 216, hier und Fichtenau, Arenga, S. 206, Nr. 459.
  11. 11Der KV nach Hardt, Magnum oecumenicum Constantiense concilium, IV, S. 377.
  12. 12Siehe Anm. 1 und 2.
  13. 13ACC II, S. 45‒47; Brandmüller, Konzil, I, S. 312–322.
  14. 14Hardt, Magnum oecumenicum Constantiense concilium, IV, S. 376: per venerabilem virum dominum Johannem, praepositum ecclesiae Quinquecclesiensis.
  15. 15Hardt, Magnum oecumenicum Constantiense concilium, IV, S. 378‒379. Die anderen Editionen führen allerdings den 1. Juli als Ausstellungsdatum an, siehe RI XI, Nr. 1801.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI XI Neubearb., 3 n. 5, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d5bd9299-a6b4-4fec-a340-82ad2488b680
(Abgerufen am 22.08.2019).