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RI XI Sigmund (1410-1437) - RI XI Neubearb., 3

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Kg. S. führt an, dass die Verhandlungen des Konzils von Konstanz durch die wunderbare Macht des Erlösers (salvatoris nostri) sowie seinen, S.s. gehorsamen Dienst als Schutzherr der römischen Kirche (advocati2 Romane ecclesie) soweit gebracht wurden, dass die Hoffnungen auf die wahrhafte Einung der Kirche, deren Reform an Haupt und Gliedern und die vollkommene Ausrottung der Kirchenspaltung (scismatis pestilentis extirpacione plenaria3) bald sich erfüllen würden. Es ist nur noch nötig, dass die vereinbarte Zusammenkunft S.s mit dem Kg. [Ferdinand I.] von Aragón (cum illustri principi ac predilectissimo fratre nostro rege Arragonum) und anderen Fürsten in der Stadt Nizza (in civitate Nicea) abgehalten wird. Nachdem er seine Hand an den Pflug dieser heiligen Mühe gelegt hat, will er nicht hinter sich blicken und so die begonnene Arbeit zum Scheitern bringen, sondern eher keine eigenen Kosten und Mühen scheuen und die heiligen Angelegenheiten vor seinem Eigeninteresse und dem Diesseits bevorzugen, um sie unermüdlich ans Ziel zu bringen. Er hat sich daher entschlossen (decrevimus), sich eilends auf die Reise zum genannten Treffen zu begeben. Damit das Konzil, das Gott selbst als seinen auserwählten Weingarten eingepflanzt hat, nicht wegen seiner Abwesenheit durch arglistige und verwüstende Elemente erschüttert oder gar vernichtet wird, hat er sich entschieden, das Konzil mit dem entsprechenden Heilmittel zu versorgen (nos proinde ad aratrum tam sancti laboris missas manus4 nequaquam retrahere, nequaquam ceptam agriculturam retrospectione5 confundere,6 sed nullis7 laboribus parcere, nullis oneribus cedere, nullis denique frangi periculis, quin pocius premissis8 rebus tam sanctissimis nos ipsos ac vitam istam temporalem postponere et usque in finem consumacionis debite infatigabili strenuitate perseverare9 volentes, ad prefatum conventum decrevimus properandum, porro ne electam hanc Dei10 Sabaoth suaque dextra plantatam vineam, videlicet hoc generale concilium, demoliencium11 fraudibus wlpecularum aut vastatricum incursibus bestiarum ex nostra absentatione concuti, perturbari aut impediri contingat, de oportuno remedio neccessarium censuimus providendum). Um einen Turm der Tapferkeit zum Schutz des Weingartens Gottes zu errichten (ut in protectionem predicte Dei vinee turrim fortitudinis exstruamus), hat er seinen Blick auf seinen lieben Verwandten, den Pfalzgraf bei Rhein und Herzog Ludwig [III.] von Bayern, den Erztruchsess und Kurfürsten des Reiches (illustrem principem Ludwicum comitem palatinum Reni12 sacri Romani13 imperii archidapiferum et ducem Bawarie, consanguineum nostrum karrissimum, qui ex14 prefati Romani imperii principum electorum numero esse15 perdinoscitur16) gerichtet, auf dessen treues, tugendhaftes und ehrenvolles Handeln er vertraut (de ipsius fidei firmissima sinceritate17 ac inconcussa virtuosorum actuum serenitate18 confisi). Er, S. weiß, dass Ludwig dem Konzil die Sicherheit und den Frieden gewähren kann, weil er sich auf die Unterstützung von dessen Brüdern, Verwandten und Ritterschaft sowie auf die Besatzungen der umliegenden Städte und Burgen verlassen kann.

Deswegen delegiert (commitimus vices nostras) er, S. mit rechtem Wissen und Rat seiner Fürsten und Edlen den genannten Pfalzgraf als seinen Statthalter (nostrum […] locumtenentem) am Konzil in sein Amt als Beschützer der Kirche (in […] advocacionis ecclesie ac defensionis et proteccionis officio) auf Dauer seiner Abwesenheit. S. beauftragt den Pfalzgrafen, sämtliche dringende Konzilsverhandlungen mit allen zusammenhängenden Angelegenheiten zu erledigen (negociorum quorumlibet […] ea ratione incumbencium […] cum omnibus emergenciis19, dependenciis et connexis […] gestorem ac factorem constituimus ac […] ordinamus), wobei er hofft, dass Ludwig alles sorgfältig und wohlweislich vollziehen wird. Weil Pfalzgraf Ludwig nicht abgelehnt hat, sich an den Bemühungen S.s zu beteiligen, soll er auch gemeinsam mit S. die Belohnung von Gott und der heiligen Kirche erhalten. Schließlich gebietet S. allen geistlichen und weltlichen Fürsten, Grafen, Baronen, Edlen, Rittern, Amtsträgern, Vögten, Bürgermeistern, Ratsherren, Gemeinden sowie allen seinen und des Reiches Untertanen und Getreuen unter Androhung seiner schweren Ungnade, Pfalzgraf Ludwig in allen Aufgaben effizient zu unterstützen und diesem zu gehorchen. Arenga: Primogenita ante omnem creaturam fortiter suaviterque omnia20 disponens sapiencia Romanum imperium apte profecto suo regno21 configurari22 constituit. Sicut enim illa regni sui domum23 edificans, dum sibi columpnas VIItem24 excidit, superborum ac sublimium colla calcavit, ita et in Romano imperio ipsa, per quam reges regnant sapientia inter ceteros principes electores vulgariter appellatos peculiari quadam sorte disposuit, quod ministerio25 in26 evellendis et destruendis, edificandis et plantandis, reliquisque regni salubriter expediendis negociis regalis potestas tamquam pugilibus fortissimis speciali fiducia perfruatur, regali namque27 persona individua existente per locorum temporumque diversitate, multiplicata negocia incompassibilia, idemptitate [!] persone redduntur, unde ut aliorum humerum imponantur, incompassibilitas ipsa compellit (nach Kop.).

Originaldatierung:
die XXIIII mensis junii, que fuit 2a feria et die sancti Johannis Baptiste

Überlieferung/Literatur

Orig. im bearbeiteten Bestand nicht überliefert. – Kop. lat.: Abschrift aus dem 15. Jh. (Siegelankündigung für Majestätssiegel), in SOA Třeboň, Bestand Rukopisy Třeboň, Hds. Nr. 17, Sign. A 16, fol. 179r–v (B); Registereintrag in RR E, fol. 182v–183r (mit abweichendem Tagesdatum XX die junij) (C).

Reg.: RI XI, Nr. 1764 (nach C).

Lit.: Brandmüller, Konzil, I, S. 398 (nach Orig. im Bayerischen Hauptstaatsarchiv München, Bestand Mannheimer Geistliche Sachen, Urk. Nr. 114).

Anmerkungen

  1. 1Das Tagesdatum erregt einige Bedenken, obwohl es in der Abschrift zweifelsfrei überliefert ist. Der Registereintrag in RR führt nämlich den 20. Juni (vgl. RI XI, Nr. 1764) an. Dabei stellte S. das Mandat an alle Reichsstände hinsichtlich der Ernennung des Pfalzgrafen zum Protektor des Konzils schon am 22. Juni aus (siehe RI XI, Nr. 1771). Dennoch ist die Annahme einer Fälschung oder eines Schreibfehlers des Kopisten nicht unumstritten. Es ist nämlich nicht auszuschließen, dass es mehrere Ausfertigungen gegeben hat.
  2. 2In B advocate; emendiert nach C.
  3. 3In B scismaticis pestilenticis [!] extirpacionem plenaria; emendiert nach C.
  4. 4In B manus missas; emendiert nach C.
  5. 5In B retrospicione; emendiert nach C.
  6. 6Es handelt sich hier offensichtlich um eine Anspielung auf den Text des Lukasevangeliums, vgl. Lk 9,62: Ait ad illum Iesus: Nemo mittens manum suam in aratrum et aspiciens retro aptus est regno Dei.
  7. 7In B ullis; emendiert nach C; ähnlich siehe auch weiter.
  8. 8Ergänzt nach C.
  9. 9In B perdurare; emendiert nach C.
  10. 10In B de; emendiert nach C.
  11. 11In B demolliencium.
  12. 12In B regni; emendiert nach C.
  13. 13Ergänzt nach C.
  14. 14Ergänzt nach C.
  15. 15Ergänzt nach C.
  16. 16In C dinoscitur.
  17. 17In C sincerissima firmitate.
  18. 18In B serennitate; emendiert nach C.
  19. 19In B demergenciis; emendiert nach C.
  20. 20In C cuncta.
  21. 21In B suo regno suo; emendiert nach C.
  22. 22In C consignari.
  23. 23In C domum regni sui.
  24. 24In C septem.
  25. 25In B misterio; emendiert nach C.
  26. 26in fehlt in B; ergänzt nach C.
  27. 27In C nempe.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI XI Neubearb., 3 n. 4, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d27754ba-6d27-4a52-a35b-2434d79567ac
(Abgerufen am 22.09.2019).