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RI XI Sigmund (1410-1437) - RI XI Neubearb., 2

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Kg. S. teilt seinem Getreuen (lieber getruer) [Stephan von Absberg, dem Landrichter zu Nürnberg]2 mit, dass er erneut Beschwerden der Egerer Bürger darüber erhalten habe, dass sie durch die Forster willkürlich vor dessen Landgericht vorgeladen worden wären (das die Forster mit in grossen mutwillen triben und habent sy kempflich vor din lantgericht geladen). Er, S. sei über die Sache gut informiert und habe erfahren, dass die Forster den Egerern Unrecht zufügten (und als wir dann etwas wol der sachen underwyst sind, so vernemen wir, das in von den genanten Forstern unguͤtlich beschieht). Deswegen habe er bereits einmal geschrieben, mit den Beisitzern des Landgerichts (mit den, die also mit dir an demselben lantgericht sitzent) kein Urteil zu sprechen, sondern die Sache bis zu seiner, S.s, Rückkehr nach Deutschland aufzuschieben.3 Wenn sich dann die Egerer vor ihm, S. bzw. an einer anderen Stelle, wo sie rechtmäßig erscheinen sollen, einfinden, werde allen Parteien Recht geschehen (und wenn die vorgenannten von Eger erbietent fur uns oder an der stat, da sy das billich tun, sollet einem yeglichen recht zu geben und zu nemen). S. wiederholt seine Entscheidung und ersucht [Stephan] und die Beisitzer des Landgerichts erneut dringend (begeren […] mit allem flisse), gegen die Egerer kein Urteil in der Sache gegen die Forster zu fällen, solange er nicht zurückgekehrt sei (nach Kop.).

Überlieferung/Literatur

Orig. im bearbeiteten Bestand nicht überliefert. – Kop. dt.: Gleichzeitige Abschrift eines geschlossenen Briefs (ohne Datierung, äußere Adresse und Kanzleivermerke), in SOA Plzeň – SOkA Cheb, Bestand AM Cheb, Kart. 541, Fasc. 758, Inv. Nr. A 4450/18 (alt: A 3550/18) (B); einfache Abschrift aus dem 19./20. Jh. in Karl Siegls Sammlung "Kopien der Kaiser- und Königs-Urkunden im Egerer Stadtarchiv. I. Von König Ottakar bis König Georg von Podiebrad" in SOA Plzeň – SOkA Cheb, Archivbehelfe, Nr. 163 (C).

Lit.: Gradl, Geschichte, S. 323; Kaar, Stadt, S. 281.

Kommentar

Die erhaltene Abschrift dieses Mandats weist keine äußere Adresse auf. Karl Siegl (C) identifizierte den Empfänger mit Burggraf Johann von Nürnberg, dagegen sprechen jedoch mehrere Umstände. Erstens wird der Empfänger lediglich als "lieber Getreuer" und nicht als "lieber Schwager und Fürst" angesprochen, wie S. Johann von Zollern anzusprechen pflegte. Zweitens war der Empfänger offensichtlich eine mit dem Nürnberger Landgericht verbundene Person, die mit den Beisitzern zusammen Recht sprach – und dies war Johann nicht.

Daher steht außer Zweifel, dass der Empfänger der damalige Nürnberger Landrichter Stephan von Absberg war. Dieser Richter wird in einer Berufung der Egerer Bevollmächtigten an Papst Johannes XXIII. gegen die Vorladung und die anschließende Ächtung von vier Egerer Ratsherren durch das Nürnberger Landgericht vom 24. Oktober 1413 als Empfänger eines ähnlichen kgl.en Mandats genannt.4

Nach der zitierten Berufung wurden im Rahmen des Streits zwischen der Stadt Eger und Burggraf Johann von Nürnberg bzw. dessen Lehnsmann Erhard Forster (siehe Kommentar zu Reg. Nr. 2) vier Egerer Ratsherren dreimal vor das Nürnberger Landgericht geladen und anschließend durch dieses geächtet, was eine Verletzung des Egerer Gerichtsstandprivilegs bedeutete und eine schriftliche Intervention Kg. Wenzels [IV.] und Kg. S.s beim Nürnberger Landgericht und dazu noch eine gesonderte Intervention S.s beim Landrichter Stephan von Absberg, den Burggrafen Johann und Friedrich von Nürnberg und erneut beim Nürnberger Landgericht hervorrief (vgl. Reg. Nr. 6 und auch 7, 8, 10).

Anmerkungen

  1. 1Der Zeitraum ergibt sich aus dem Itinerar Kg. S.s, der nur im Sommer 1413, und zwar zwischen 18. August und 25. September, in Chur weilte – siehe Hoensch – Kees, Itinerar, S. 91; Engel – C. Tóth, Itineraria, S. 96.
  2. 2Zur Identifizierung des Empfängers vgl. den Kommentar.
  3. 3Gemeint ist wahrscheinlich das oben rekonstruierte Dep. S.s für das Nürnberger Landgericht – siehe Reg. Nr. 7.
  4. 4SOA Plzeň – SOkA Cheb, Bestand AM Cheb, Urk. Nr. 313 (ausführliches Reg. siehe bei Gradl, Minderung, S. 64–66): Und auch wiewol das ist, das uber diss alles beid unser allergnedigsten und mechtigsten herren, heren Sigmund Romischer und her Wenczslaw zu Behem unuberwontliche kunige, den wir von des reichs wegen und der kron zu Behem zu veranttworten sten, yr yeclicher besunder haben an das lantgericht geschriben und vor uns recht gepoten und heruber auch und darnach unser her, der Romische kunig, von sein und des reichs wegen herren Stepffan von Absperg, des lantgerichtes zu Nuremberg gemein lantrichtter, und beiden burgrafen und dem lantgerichte geschriben, vermant und gepoten hat, das lantgericht in dieser sach abzutun und die sach vor sich geheischen und ofschöben, und hat auch der stat zu Eger verpoten, das sie die vorgeschriben vier burger nit sollen lassen sten oder antworten an dem obgenanten lantgericht, als sein versigelte brieffe und auch unsers heren von Behem , die wir in das lantgericht geantwortet haben und lassen lesen daselbs, clerlicher ausweisen.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI XI Neubearb., 2 n. 9, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/e67978df-57fb-4f92-b2e7-09f5e2bbf0fd
(Abgerufen am 15.07.2019).