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RI XI Sigmund (1410-1437) - RI XI Neubearb., 2

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K. S. erhebt Kaspar Schlick, dessen Brüder und Erben in den Grafenstand (wie Nr. 179 in dt. Sprache).1

Arenga: Als der almechtig got, schopfer himels und der erden, durch sein unaussprechliche weisheit und wunderwere ordnung das oberst firmament, den lauffe der planeten, seczung des gestirns und der element geschiket und iglichen sein handlung und ampt zugeeygent hat, doch mit solicher schikung, das alle clarheit, die sy haben, von einem ursprung komen, das ist von der sunnen, die ir iglichem sein liecht reichet und doch an irem glancz und schein kein mynnerung empfindet, also zu ebenpild und gleichnus hat auch sein gotlich fursehung uff erden ein obersten gewalt allein geordent, das ist die keiserlich oder romisch kuniglich wirde und maiestat, die under allen gewelten der werlt die hohe beheldet und allen andern gesecz, wirdikeit und ere hantlanget, also das von dem throne keiserlicher maiestat aller adel komet und ursprung nymet gleich als von der sunnen der glancze, und ist ouch kein adel, ere noch wird zu rechen, er sei von kunigen, fursten, hern oder andern, der seinen anfang anders habe dann von dem heiligen romischen reich als von einem grund alles adels, und so die keiserlich maiestat solch sein gnad und adel brayter teilet, so der trone kuniglicher wirdikeit mer und mer gecziret wirdet, sunderlich mit den, die mit irer tugent redlikeit und diensten adelliche und soliche werk begeen, die gemeinem nucze und dem heiligen reich zu eren und fromen komen, also haben ouch die alten, sunderlich Romer und ander mechtige gewelte allen iren adel in tugenden und guten werken gegrundet und wer die nit begieng und anders tete, wie gros der was, so ward er doch nit adels genos gehalden noch genennet, sunder wer erberclich und redlich fure und gute werk begienge, der ward erhohet und geadelt. Solich beispil gab uns Rome und ir gewaltige, die den adel nicht von den geslechten, sunder allein von tugenden wugen und mit urteil erkanten, das vil erlicher were, das sich ein iglich mensch seiner eigenn woltat rumte und damit adelte dann mit seiner eldern verdienen und werken, und dorumb, wo die Romer in iren geschefften redliche tugenthafte leutt erkanten, die erhohten sy zu ampten und adel, und also damit machten, daz ein iglicher sich fleisste und arbeitt noch guten werken und solich dank und erhohung zu erwerben, dadurch dann Rome aller werlt gewaltig ward und die regiret nach iren geseczen. Wann was hat anders die Scipion, die Fabricios, die Kathones und ander grosmechtig leutt der Romer erhohet und iren titel und lobe ewig und untotlich gemachet dann allein ir tugent und redlickeit, nicht irer eldern geslechte oder herkomen, sunder ir mue und arbeitt, damit sy gemeinem nucze gedienet haben.

Originaldatierung:
am freytag nach sand Symonis und Jude tag der heiligen zwelfboten, 51 – 28 – 18 – 5
Kanzleivermerke:
KVr: Ad mandatum domini regis Hermannus Heecht. – KVv: Ohne RV.

Überlieferung/Literatur

Angebliches Orig. (Fälschung Kaspar Schlicks, höchstwahrscheinlich aus dem Jahr 1442) Perg. dt. mit stark beschädigtem und restauriertem wachsfarbenen ksl.en Majestätssiegel (Posse 17/1–2) an einer (anlässlich der Restaurierung 1984 unsachgemäß zusammengehefteten) schwarz-gelben Seidenschnur, in SOA Zámrsk, Bestand RA Šliků, Inv. Nr. 213, Sign. IV.8, Kart. 23 (A).

Ed.: Lünig, Des Teutschen Reichs-Archivs partis specialis continuatio I, Abschnitt Von den Kayserlichen Erb-Landen. Erster Absatz: Vom Kg.reich Böhmen, S. 100–104 (nach dem Insert in der Konfirmation Karls V. von 1522 April 27, Worms); Wacek, Materialien, S. 461–463, Nr. 2; Elbel – Zajic, Die zwei Körper, III, S. 142‒147, Nr. 16.

Reg.: RI XI, Nr. 12153.

Lit.: Wacek, Materialien, S. 426, 429; Seyler, Heraldik, S. 340; Dvořák, Fälschungen, S. 64–68, 75; Pennrich, Urkundenfälschungen, S. 23, 57, 65–69, 87–93; Hufnagel, Schlicks letztes Hervortreten, S. 68, 87–93; Zechel, Studien, S. 233–265; Heinig, Kaspar Schlick, S. 250, 253, 272–273; Tresp, Art. Schlick, S. 1301; Elbel – Zajic, Die zwei Körper, II, S. 152‒176.

Kommentar

Die Urk. bildet die dt. Ausfertigung der gefälschten lat. Grafenurk. S.s für Kaspar Schlick vom 30. Oktober 1437, Prag (siehe Reg. Nr. 179). Es handelt sich jedoch nicht um eine bis ins Detail wortwörtliche Übersetzung, sondern um eine (vor allem im Bereich der Narratio) verkürzte Zusammenfassung der lat. Vorlage. Zur Echtheit der dt. Grafenurk. lässt sich wiederholen, was bereits im Kommentar zur lat. Grafenurk. gesagt wurde. Auch diese Urk. enthält die späteren Manipulationen (auf Rasur), die Kaspars Bruder Matthias vorgenommen hat, und die die Grafenerhebung Schlicks auch auf seine Brüder und deren Erben erweiterten.

Anmerkungen

  1. 1Siehe den Kommentar.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI XI Neubearb., 2 n. 180, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a50645ae-0eeb-4b86-bde1-ab701d38bba7
(Abgerufen am 15.09.2019).