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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

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Papst Johannes (VIII.) wird von einem Verwandten und anderen Komplizen ermordet.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Ann. Fuldenses a. 882 (MG SS rer. G. [7] 99); Ann. Fuldenses, Cont. Ratisbon. a. 883 (MG SS rer. G. [7] 109); Auxilius von Neapel, In defensionem, App. (Dümmler, Auxilius 95); Invectiva in Romam (Dümmler, Gesta 148); Ann. Einsidlenses a. 883 (MG SS III 140); Ann. Alamannici (Cod. Modoetiensis) a. 883 (Henking 254); Ann. Elmarenses a. 871 (Grierson 83); Hermann von Reichenau, Chr. a. 883 (MG SS V 108); Bernold von Konstanz, Chr. a. 883 (MG SS V 421); Anonymus Zwetlensis, Hist. Rom. pont (Migne, PL CCXIII 1023).

Reg.: J p. 292; JE I p. 422.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich III2 190; Lapôtre, Jean VIII 161-163 (ND 227-229); Hartmann, Gesch. Italiens III,2 92; Mann, Lives III 348; Brezzi, Roma 79; Zimmermann, Papstabsetzungen 51; Lohrmann, Register Johannes 272f.; Fuhrmann, Pseudoisidor. Fälschungen II 289; Stiernon, Konstantinopel IV 236f.; Borgolte, Petrusnachfolge und Kaisernachfolge 123f.; Scholz, Politik 240, 258, 309; Herbers, Päpstliche Autorität 7.

Kommentar

Nur die Cont. Ratisbon. der Ann. Fuldenses, Bernold von Konstanz, Hermann von Reichenau und der Anonymus Zwetlensis berichten über das gewaltsame Ende des Papstes; die anderen zitierten Quellen bringen lediglich eine knappe Notiz über den Tod. Mit Ausnahme von Lapôtre und Lohrmann (dem Fuhrmann folgt) wird die Nachricht über die Ermordung des Papstes in der zitierten Literatur als glaubwürdig angesehen, zumal die knapperen Quellenstellen dem nicht direkt widersprechen. Gemäß der Erzählung des Regensburger Fortsetzers (der vielleicht sogar besser als seine Zeitgenossen über die Vorgänge in Italien informiert war), geschah die Ermordung, um den päpstlichen Schatz und Thron zu erlangen: Weil das vorher gegebene Gift nicht schnell genug wirkte, soll sogar ein Hammer verwendet worden sein. Der Übeltäter, so heißt es weiter, starb ohne verwundet worden zu sein auf der Stelle aus Schreck über die lärmenden Massen. Folgt man hingegen Lapôtre, so wäre der Verwandte mit dem superista Gregor zu identifizieren, über den in der Meginhard-Fassung der Ann. Fuldenses (MG SS rer. G. [7] 99) berichtet wird, er sei von einem Kollegen im Vorraum von S. Peter kurz nach dem Tod von Johannes VIII. ermordet worden. Um diesen Mord zu entschuldigen, sei, laut Lapôtre, in der Regensburger Fortsetzung die Geschichte vom Mord an Johannes erfunden worden, die ihre Unglaubwürdigkeit schon durch die Nachricht über den wundersamen Tod des Mörders verrate. Auch Lohrmanns Einwand basiert letztlich auf einem argumentum e silentio und entkräftet ebensowenig wie derjenige Lapôtres den Kern des ausführlichen Regensburger Berichtes. Die Tatsache, daß man in Regensburg den Nachfolger Marinus als Archidiakon bezeichnete, sagt nichts über den Quellenwert dieser Fassung, offensichtlich wurde hier anders als in der Meginhard-Fassung der Standpunkt des Papsttums nachdrücklich vertreten. – Begraben wurde der Papst nach dem Zeugnis des Johannes von Volturno, Chr. Vulturnense (Federici, FSI LVIII 91) in S. Peter; bei Maphaeus Vegius, De rebus antiquis memorabilibus basilicae s. Petri Romae (Valentini-Zucchetti, FSI XCI 380), Petrus Mallius, Descriptio (Valentini-Zucchetti, FSI XXC 417) und Tiberio Alfarano, De basilica vaticanae structura (Cerrati 118) heißt es genauer iuxta portam iudicii. Flavius Blondus, Roma instaurata (Valentini-Zucchetti, FSI XCI 276f.) und Francesco Albertini, Opusculum de mirabilibus novae et veteris urbis Romae (Valentini-Zucchetti, FSI XCI 477) wissen hingegen zu berichten, das Grab Johannes' VIII. befinde sich in der Kirche Sancti Andreae de Pallara bzw. Sanctae Mariae in Pallaria (S. Maria in Palladio). Zu den verschiedenen Namen der Kirche vgl. Fedele, Chiesa del Palatino 364-370. Das Epitaph ist überliefert bei Petrus Mallius, vgl. auch Pierre, Bohier, Lib. pont. (Duchesne II 223 Anm. 4) und die Verarbeitung bei Flodoard von Reims, De Christi triumphis (Mansi, PL CXXXV 823f.) sowie Montini, Tombe 142f. n. 8 mit weiteren Hinweisen zu dem heute nicht mehr erhaltenen Grab, Picard, Emplacement des tombes 770, Borgolte 122 und Scholz. Eine kurze Wertung des Pontifikates Johannes' VIII findet sich bei Dümmler, Ostfränk. Reich III2 28f., und – eigenwilliger akzentuiert – bei Lapôtre, Jean VIII 30-32 (ND 96-98). – Die Datierung ergibt sich – ausgehend von dem gesicherten Pontifikatsbeginn (n. 1) – aus der Sedenzzeit des Papstes, die fast übereinstimmend mit zehn Jahren und zwei Tagen angegeben wird, vgl. Lib. pont. (Duchesne II 221; Přerovský II 640), Catalogum pont. Casinensis (Holder-Egger 552), Gregor von Catino, Chr. Farfense (Balzani, FSI XXXIII 96), Catalogo Pont. Farfense (Giorgi 301), Pseudo-Liudprand, Liber (Mansi, PL CXXIX 1255), Chr. pont. s. Bartholomaei (MG SS XXXI 211), Chr. s. Clementis Mettense (MG SS XXIV 497), Martin von Troppau, Chr. (MG SS XXII 429), Cronica pont. Tiburtina (MG SS XXXI 254), Radulf von Diceto, Cat. (Stubbs, SS rer. Brit. LXVIII,2, 189), Hugo von Saint-Victor, Chr. (MG SS XXIV 95), Gilbert von Rom, Chr. (MG SS XXIV 130), Matthäus Paris, Chr. maiora (Luard, SS rer. Brit. LVII,21 407), Matthias von Westminster, Flores historiarum (Luard, SS rer. Brit. XCV,1 448), Roger von Wendover, Flores historiarum (Coxe I 325), Andrea Dandolo, Chr. (Pastorello, SS rer. Ital. XII,1 157), Chr. Bononiense (A) (Corpus Chr. Bononiensium, SS rer. Ital. XVIII,1,1 415), Johannes Longus von Ypern, Chr. monasterii s. Bertini (Martène-Durand, Thesaurus III 527). Eine wohl gerundete Angabe von 10 Jahren bieten: Chr. s. Benedicti Casinensis (MG SS rer. Lang. 483), Johannes von Volturno, Chr. Vulturnense (Federici, FSI LVII 91), Hermann von Reichenau, Chr. a. 873 (MG SS V 107), Bernold von Konstanz, Chr. (MG SS V 398 und 421), Ordericus Vitalis, Hist. Eccl. (Chibnall I 199), Theoderich von Deutz, Cat. Rom. pont. (MG SS XVI 576), Chr. Suevicum univ. (MG SS XIII 65), Flores temporum (MG SS XXIV 244), Chr. pont. et imp. (MG SS XXIV 113), Anonymus Zwetlensis, Hist. Rom. Pont. (Mansi, PL CCXIII, 1023), John Capgrave, Chronicle of England (Hingeston, SS rer. Brit. I 111), Tholomeus von Lucca, Hist. ecclesiastica (MG SS XXXIX 363f.) (unter Berufung auf Martin von Troppau), Eulogium (Haydon, SS rer. Brit IX,1 245), Petrus und Florianus von Villola, Chr. (Sorbelli, SS rer. Ital. XVIII,1,1 70). Zehn Jahre und fünf Tage geben Johannes de Deo, Chr. (MG SS XXXI 318), Albert Milioli, Liber (MG SS XXXI 421) und Ricobald von Ferrara, Pomarium (Muratori, SS rer. Ital. IX 168) an; vgl. auch ibid. 237 mit einer ungenauen Angabe (sedit annis X et ultra). Die irrige Angabe von zwölf Jahren findet sich nur bei Ranulf Higden, Polychronicon (Babington, SS rer. Brit. XLI,6 350). In den Ann. Ceccanenses (MG SS XIX 280) ist die Pontifikatsdauer völlig falsch mit zwei Jahren und 15 Tagen angegeben. Matthäus von Westminster, Flores historiarum (Luard, SS rer. Brit. XCV,1 448) datiert das Ende des Pontifikats irrig in das Jahr 883. Tholomeus von Lucca, Hist. ecclesiastica (MG SS XXXIX 363), führt (den Beginn?) des Pontifikats in das Jahr 900 zurück. Eine Notiz über den Pontifikat ohne Angabe von Sedenzzeiten bieten: Radulf von Diceto, Abbreviationes Chronicorum (Stubbs, SS rer. Brit. LXVIII,1 138), Ann. Vizeliacenses (Huygens 211) und die Ann. s. Rudberti Salisburgenses a. 873 (MG SS IX 770).

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. 727, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/fde2278c-89d7-446a-9330-45877d8e53ab
(Abgerufen am 09.12.2019).