Regestendatenbank - 184.472 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

Sie sehen den Datensatz 513 von insgesamt 727.

Papst Johannes (VIII.) teilt Erzbischof Anspert von Mailand (reverentissimo et sanctissimo Ansperto archiepiscopo Mediolanensi) mit, daß er gemäß der Vorschrift des afrikanischen Konzils (secundum immutilatam Africani concilii regulam) in Übereinstimmung mit der gesamten Versammlung (der Synode von Rom) (n. 506) von der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen worden sei (te ... ecclesiastica communione ... privavimus) (n. 507), bis er selbst beim Papst erscheine, weil er diesem die angemessene Unterstützung versagt habe, nach dreimaliger Aufforderung entsprechend der Gewohnheit seiner Vorgänger den Synoden (in Troyes) (in Gallia) (n. 405) und Pavia (vgl. n. 457) ferngeblieben sei und weder zur Synode in Rom gekommen sei, noch durch einen Gesandten eine schriftliche Rechtfertigung gemäß den Kanones vorgelegt habe; der Papst befiehlt (pręcipimus) ihm wiederum, persönlich zu der Synode zu erscheinen, die er gemäß dem 34. Kapitel der Canones Apostolorum (iuxta canonis apostolici kapitulum tricesimum quartum) am 12. Oktober abhalten werde (vgl. n. 592), oder Gesandte zu schicken, und droht ihm mit dem Anathem (maiori te iudicii ecclesiastici vinculo velut inobedientem incunctanter ligabimus), falls er auch diese vierte Aufforderung mißachten werde; unter Berufung auf Kapitel 35 der Canones Apostolorum (apostolorum kanone kapituli tricesimi quinti) und auf den Brief Papst Leos (I.) (JE 414) untersagt (denuntiamus atque pręcipimus) der Papst dem Erzbischof und seinen Suffraganen, ohne päpstliche Zustimmung einen Vertrag mit einem der Frankenkönige (Karlmann oder Karl III.) – wenn diese nach Italien kämen – zu schließen (cum eo, qui de regibus Francorum Deo favente Italiam fuerit ingressus, nullum absque nostro consensu et unanimitate placitum facere).

Originaldatierung:
Data quartodecimo kalendas Iunii, indictione duodecima.
Incipit:
Multe inobedientię atque perniciosę temeritatis ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 11. Jh., Rom Arch. Vat.: Reg. Vat. I fol. 78r; 16. Jh., Rom Arch. Vat.: Arm. XXXI, t. 1 fol. 144v.

Drucke: Carafa, Epist. III 418; Conc. coll. reg. XXIV 192; Labbe-Cossart, Conc. IX 116; Hardouin, Acta conc. VI 52; Mansi, Coll. XVII 122; Migne, PL CXXVI 836; MG Epist. VII 162f. n. 203.

Reg.: J 2472; JE 3252; Werminghoff, Synoden 655; IP VI/1 6 n. 18 und 42 n. 71.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich III2 102; Hartmann, Gesch. Italiens III,2 65; Cazzani, Vescovi 77; Riesenberger, Prosopographie der päpstlichen Legaten 182; Gorla, L'arcivescovo Ansperto 79-81; Hartmann, Synoden 350f.; Arnold, Johannes 86 Anm. 82, 187f.

Kommentar

Die Mitteilung des Papstes ist lediglich in den Registerabschriften überliefert, vgl. zu diesen Caspar, Register Johanns 85-99 und Lohrmann, Register Johannes 5-156. Der Papst hatte den Erzbischof nicht nur eingeladen, sondern auch mehrfach unter Androhung der Exkommunikation gemahnt, zu den Synoden zu erscheinen, vgl. n. 346, n. 442, n. 454, n. 458, n. 461, n. 495 sowie n. 537. Die genannte Dreizahl der Aufforderungen kann nicht auf drei vorhergehende Schreiben des Papstes, höchstens auf die drei Synoden bezogen werden, die der Erzbischof versäumt hatte, da er insgesamt deutlich mehr als drei Einladungsschreiben erhielt, aber auch nicht jeder Synode je drei zugeordnet werden können. Die erwähnte Vorschrift des afrikanischen Konzils bezieht sich wohl auf c. 10 des fünften Konzils von Karthago (a. 401), vgl. Coll. Dionysiana, Synodus apud Carthaginem Africanorum c. 76 (Mansi, PL LXVII 205f.) und Conc. Africana secundum traditionem collectionis quae Hispana nuncupatur, Konzil von Carthago a. 401 c. 10 (Munier, Conc. Africae 357f.) sowie n. 507. Die angekündigte Synode wurde gemäß c. 38 (37) und nicht, wie es im päpstlichen Schreiben heißt, c. 34 der Canones Apostolorum (Turner, Eccl. occ. mon. I 25) auf den 12. Oktober festgesetzt, vgl. ebenfalls die Einladung der Suffraganbischöfe von Mailand (n. 514). Da der Erzbischof auch zu dieser Synode nicht erschien, wurde er abgesetzt, vgl. n. 594. Schon in n. 495 hatte der Papst dem Erzbischof jegliches eigenmächtige Handeln bezüglich des Nachfolgers König Karlmanns untersagt. Daher ist es wahrscheinlich, daß es sich bei dem erwähnten Frankenkönig um Karl III. handelt, dessen Ankunft der Papst ebenfalls erwartete, vgl. n. 501 und n. 509 sowie Böhmer-Zielinski n. 559 und n. 562. Zur Frage, ob der vorliegende Brief oder n. 537 früher an Anspert erging, vgl. n. 537.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. 513, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f0deb6c8-9145-4ddc-81a6-f5d7d177f87d
(Abgerufen am 21.07.2018).