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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

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Papst Johannes (VIII.) bestätigt dem (Erz)bischof Willibert von Köln (Williberto Agrippinensi episcopo) den Erhalt seines durch einen Boten überbrachten, das Pallium fordernden Briefes (GP VII/1 33 n. *64), berichtet über die durch Wort und Schrift gemäß Papst Leo (I.) und dem Konzil von Chalkedon zu Recht bei ihm als primas diocesos vorgebrachte Anfechtung eines Kölners über Williberts Regierungsbeginn (n. 52), lädt deshalb Willibert binnen zweier Monate nach Erhalt dieses Briefes unter Androhung der Suspension (a fraterna conpage suspendendum) mit Bezug auf Papst Hormisdas (JK 775) nach Rom, begründet die Nichtverleihung des Pallium auch mit der Unvollständigkeit des (Hadrian II.) übersandten Glaubensbekenntnisses (GP VII/1 32f. n. 61) und lädt erneut nach Rom.

Originaldatierung:
Data IIII. kalendas Decembris, indictione VII.
Incipit:
Legatus tuus ad apostolicam sedem ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 15. Jh., Rom Bibl. Vat.: Ms. lat. 1326 fol. 211v-212v; 15. Jh., Rom Bibl. Vat.: Ms. lat. 1328 fol. 124r-124v; 16. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 16 fol. 91r-91v (fragm.); 17. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 23 fol. 167r (fragm.).

Insert: Anselm von Lucca, Coll. can. VI 89 (Version A) (Thaner 313) (fragm.); Coll. XIII librorum (12. Jh., Berlin StBibl. Preuß. Kulturbesitz: Ms. Savigny 3 fol. 62ra) (fragm.); Deusdedit, Coll. can. I 238 (Wolf von Glanvell 139) (fragm.); Coll. Brit. (Ende 11./Anf. 12. Jh., London Brit. Lib.: Ms. add. 8873, fol. 127v und fol. 188v) (fragm.); Coll. can. (12. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: B 89 fol. 18v) (fragm.); Coll. X partium (12. Jh., Köln Hist. Arch.: W. Kl. Fol. 199 fol. 60r) (fragm.); Coll. Caesaraugustana (12. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3875 fol. 17r; 12. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3876 fol. 13v; 12. Jh., Barcelona Arch. Cor. Aragón: S. Cugat 63 fol. 21v) (fragm.); Coll. can. der Hs. Rom, Vat. lat. 3829 (Anf. 12. Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 3829 fol. 266v) (fragm.); Gratian, Decretum D. C c. 4 (Friedberg I 353) (fragm.).

Drucke: Sirmond, Conc. Gall. III 520 (fragm.); Conc. coll. reg. XXIV 384 (fragm.); Labbe-Cossart, Conc. IX 238 (fragm.); Hardouin, Acta conc. VI, 121 (fragm.); Mansi, Coll. XVII 242 (fragm.); Migne, PL CXXVI 652 (fragm.); Ewald, Brit. Sammlung 306 n. 29 (fragm.); Borghezio, Lettera di Giovanni 11-13; MG Epist. VI 256 n. 12 (fragm.); MG Epist. VII 290f. n. 30 und 313–315 n. 1 (fragm.).

Reg.: J 2244; Ewald, Brit. Sammlung 306f. n. 29 und 587 n. 49; JE 2986; Oediger, Reg. Köln I 86 n. 251; GP VII/1 34 n. 66.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich II2 367; Hacke, Palliumverleihungen 133; Parisot, Lorraine 407; Ertl, Diktatoren 116f.; Ullrich, Kölner Bischofswahl von 870 258; Fuhrmann, Patriarchate II, 30 Anm. 99; Lohrmann, Register 249f.; Fuhrmann, Pseudoisidorische Fälschungen II 281f.; Martí Bonet, Palio 116; Fuhrmann, Widerstände gegen den päpstlichen Primat 727f.; Arnold, Johannes 40-43, 158-167; Scholz, Politik 235f.; Patzold, Episcopus 375f.

Kommentar

Zur Überlieferung des gesamten Brieftextes, der in den vollständigen Abschriften des 15. Jh. irrig einem Papst Gregor zugeschrieben wird, vgl. Borghezio 7-10. Die Angabe Arnolds, das Stück sei auch in der Hs. Trier 1081 überliefert, beruht wohl auf der Edition innerhalb der Epistolae Colonienses (MG Epist. VI 256 n. 12), die suggeriert, daß das Fragment wie die übrigen an dieser Stelle edierten Briefe in der Trierer Hs. steht (vgl. aber die Vorbemerkung des Editors Dümmler in MG Epist. VI 241). Der Hinweis auf Papst Leo I. bezieht sich auf JK 410 (Hinschius 621); zum zitierten Konzil von Chalkedon vgl. Hinschius 286, zu Anklängen an die Konzeption des Papstes als primas dioceseos und die Gleichsetzung von Primas und Patriarch vgl. ibid. 82 und 128. Das abschließend verwendete Zitat des Papstes Hormisdas bezieht sich auf JK 775 (Thiel, Epistolae 755f.). Der Brief weist mehrfach Anklänge an Pseudo-Isidor auf (vgl. Fuhrmann, Pseudoisidorische Fälschungen II 281f.) und hat wohl auch deshalb zumindest als Fragment Eingang in diverse kanonistische Sammlungen gefunden, die wiederum als Vorlage für die jüngere Handschrift Vallicelliana C 23 gedient haben dürften. Die Hs. Vallicelliana C 16 kann dagegen nicht auf die kanonistischen Sammlungen zurückgehen, da sie mit Pallii namque usus inter cetera ... einsetzt, was nur in den vollständigen Abschriften der Vaticana enthalten ist, vgl. hierzu Arnold. Zur Coll. can. Anselms von Lucca vgl. Kéry, Canonical collections 218-226, Jasper, Beginning 129 und Fowler-Magerl, Clavis Canonum 139-148; zur Coll. XIII librorum der Hs. Berlin, StBibl. Preuß. Kulturbesitz, Savigny 3 vgl. Kéry 226f. und Fowler-Magerl 155f.; zur Coll. Brit. und ihrer Entstehungszeit vgl. Herbers, Leo 63-72, Kéry 237f., Jasper 128 und Fowler-Magerl 184-187; zur Kanonessammlung des Deusdedit vgl. Kéry 228-233, Jasper 128f. und Fowler-Magerl 160-163; zur Coll. can. der Hs. Rom Bibl. Vallicelliana B 89 vgl. Hartmann, Kanonessammlung, Kéry 293 und Fowler-Magerl 171f.; zur Coll. X partium der Hs. Köln, Hist. Arch. W. Kl. Fol. 199 vgl. Kéry 287 und Fowler-Magerl 191f.; zur Coll. Caesaraugustana und ihrer Entstehungszeit vgl. Kéry 260-262 und Fowler-Magerl 239-244 – drei Versionen sind bei der zuletzt genannten Sammlung zu unterscheiden, die durch die Handschriften Paris, Bibl. nat., Ms. lat. 3875, Paris, Bibl. nat., Ms. lat. 3876 und Barcelona, Archivo de la Corona de Aragón, San Cugat 63 repräsentiert werden und nach 1120 (erste Fassung), 1143-1144 (zweite Fassung) und kurz nach 1143 (dritte Fassung) datieren; zur Coll. can. der Hs. Vat. lat. 3829 vgl. ibid. 216-218. Es handelt sich jedoch nicht um verschiedene Schreiben, wie in der Literatur noch teilweise vertreten wird, vgl. zuletzt Martí Bonet. Der Brief verrät im Tenor eine gewisse Sympathie für den Kölner Willibert, betont jedoch formal die Notwendigkeit einer Romreise. Der erwähnte, durch einen Gesandten überbrachte Brief Williberts (GP VII/1 33 n. *64) ist wohl nicht mit dem Schreiben an Hadrian II. (MG Epist. VI 255 n. 11) identisch, im Zuge dessen bereits das oben erwähnte Glaubensbekenntnis nach Rom gesandt worden sein dürfte, vgl. GP VII/1 32f. n. 61 und Oediger n. 241. Wegen der Benutzung pseudoisidorischen Gedankengutes vermuten Ertl und Lohrmann Anastasius Bibliothecarius als Verfasser, der dann bei der kurz später erfolgten Ausstellung von n. 120 keine Rolle mehr gespielt habe. Die Spekulationen Ewalds 317f. bezüglich einer Datierung an den Beginn der siebten Indiktion sind aufgrund der in der kopialen Überlieferung enthaltenen Datierung hinfällig.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. 96, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/e5ba9275-28cd-4240-bce9-12b87844f2e9
(Abgerufen am 22.09.2019).