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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

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Papst Johannes (VIII.) teilt (König) Karlmann (Karlemanno) seine Freude über dessen Erfolg mit, beklagt weiterhin nach Erhalt von dessen Brief (n. 285) den Tod Kaiser Karls (des Kahlen), informiert Karlmann, er werde, bis der König von einer Unterredung mit seinen Brüdern (Ludwig der Jüngere und Karl III.) zurückgekehrt sei, Legaten zu ihm schicken, und zwar mit einer Schrift (pagina) versehen mit all dem, was er der römischen Kirche in aller Ewigkeit versprechen müsse, erst danach werde er ihm eine Eskorte für die Fahrt nach Rom senden, wo beide über die Lage der res publica und das Heil der Christenheit reden werden; er fordert (quęso), daß die ungläubigen Feinde bei Karlmann und seinen Gefolgsleuten keine Zuflucht finden, stimmt der von Karlmann erwünschten Palliumsverleihung an Erzbischof Theotmar (von Salzburg) (n. 290) zu und verlangt (quęso), daß Theotmar der Besitz des heiligen Petrus in Bayern (ea, quę apud Bagoariam beatus Petrus apostolus habet) anvertraut wird, auf daß er jährlich die entsprechenden Einnahmen nach Rom übersende.

Originaldatierung:
Data mense novembri, indictione XI.
Incipit:
Apicibus igitur, gloriose fili, vestrę ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 11. Jh., Rom Arch. Vat.: Reg. Vat. I fol. 39r; 16. Jh., Rom Arch. Vat.: Arm. XXXI, t. 1 fol. 54r.

Drucke: Carafa, Epist. III 339; Conc. coll. reg. XXIV 80; Labbe-Cossart, Conc. IX 50; Mansi, Coll. XVII 53; Kleinmayrn, Nachrichten Juvavia, Dipl. Anhang 101 n. XLIII; Migne, PL CXXVI 744; Bouquet-Delisle, Recueil IX 157; Hauthaler-Martin, UB Salzburg 43 n. 24a; MG Epist. VII 57f. n. 64.

Reg.: J 2342; JE 3114; MMFH III, 182 n. 63; Böhmer-Zielinski n. 543; Tiroler UB 76f. n. 105.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich III2 66 und 141; Lapôtre, Jean VIII 337f. (ND 403f.); Hacke, Palliumverleihungen 9; Perels, Patrimonien in Deutschland 486; Hartmann, Gesch. Italiens III,2 48; Brackmann, Salzburger Kirchenprovinz 108; Rupp, Chrétienté 49; Fleckenstein, Hofkapelle I 188; Schlesinger, Karlingische Königswahlen 118; Mohr, Reichsidee 160; Maß, Freising Karolingerzeit 67, 186; Gorla, L'arcivescovo Ansperto 51; Drabek, Verträge 53f.; Hlawitschka, Widonen 70 (ND 205); Dopsch, Gesch. Salzburgs I 191f.; Arnold, Johannes 102f., 166f.; Scholz, Politik 225, 230 Anm. 1066 und 1067.

Kommentar

Der Papstbrief ist lediglich in den beiden Registerabschriften überliefert, vgl. zu diesen Caspar, Register Johanns 85-99 und Lohrmann, Register Johannes 5-156. Von September bis Oktober 877 hatte Karlmann das Regnum Italiae in seine Gewalt gebracht (Böhmer-Zielinski n. 530), am 6. Oktober desselben Jahres war Karl der Kahle verstorben. Das vorangegangene Schreiben des Königs ist nicht erhalten, vgl. n. 285. Darin hatte Karlmann – wie dem päpstlichen Antwortschreiben zu entnehmen ist – einen Romzug angekündigt; im allgemeinen wird in der Forschung angenommen, Karlmann habe zudem seinen Plan offengelegt, die Kaiserkrone zu erlangen, vgl. etwa Drabek. Mohr hingegen vermutet hinter dieser Ankündigung lediglich den Versuch, den Papst von einer schnellen Entscheidung in der Kaiserfrage abzubringen. Ein Kaiserpactum kam in der Folge nicht zustande, über weitere Verhandlungen diesbezüglich ist nichts bekannt. Johannes VIII. wandte sich schließlich Ludwig dem Stammler zu, hatte sich aber wohl während des Konzils von Troyes (n. 405) bereits von dem Gedanken verabschiedet, Ludwig werde als Kaiser die Nachfolge Karls des Kahlen antreten, vgl. Arnold 103f. Dümmler 66 zufolge meinte Johannes VIII. mit infideles den von ihm exkommunizierten Formosus sowie dessen Verbündete, die vom Karlmann nahestehenden dux Lambert von Spoleto gedeckt wurden. Zu Lambert von Spoleto und Adalbert von Tuszien als infideles in der päpstlichen Korrespondenz vgl. Hlawitschka 68. Theotmar von Salzburg ist am 28. Juni 877 zum ersten Mal als Erzkapellan Karlmanns urkundlich belegt, vgl. Dümmler 140f., zu Theotmar vgl. auch Fleckenstein 187-189. Die Güter der römischen Kirche in Bayern werden bereits in einem Schreiben Nikolaus' I. (Böhmer-Herbers n. 861) sowie in einem Brief Johannes' VIII. an Anno von Freising (n. 88) erwähnt, vgl. hierzu auch n. 54 und n. 55 sowie Perels, Dümmler 136 und 375 und den Kommentar im Tiroler UB.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. 289, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/df387e44-2bd6-4b2b-b4a9-e725777ee3d1
(Abgerufen am 23.10.2018).