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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

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Papst Johannes (VIII.) beklagt in einem durch Paulus (von Ancona) und Eugenius (von Ostia) übermittelten (n. 331) Schreiben gegenüber Graf Petros, wie in einem entsprechenden Brief an den König (der Bulgaren) Michael (n. 327), daß beide, Michael und Petros, sich vom apostolischen Stuhl entfernt hätten – der Graf sei nämlich dem König Vorreiter (precursor) und Wegweiser (dux) gewesen –; er fordert Petros auf (cohortamur), mit Michael zu sprechen, damit dieser vom ursprünglichen Glauben (primam fidem) nicht abfalle und das Evangelium lese, wonach Christus sich vor allem dem heiligen Petrus als Sohn des lebendigen Gottes offenbart habe, weist darauf hin, Petrus habe nach einem Aufenthalt in Antiochia Rom aufgesucht, dort gepredigt und mit seinem eigenen Blut und dem des (Apostels) Paulus, der zur Missionierung von Jerusalem nach dem auch von Graf Petros bewohnten Illyrien gekommen war, die von ihm gegründete Kirche Gott geweiht, und kündigt an, er werde (die Bulgaren) als Heiden (ethnici et publicani) betrachten, sollte er nicht erhört werden.

Originaldatierung:
Missa per Paulum et Eugenium reverentissimos et sanctissimos episcopos. Data mense Aprile, die XVI., indictione XI.
Incipit:
Dilectissimo filio nostro Michaheli Christianissimo ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 11. Jh., Rom Arch. Vat.: Reg. Vat. I fol. 32r; 16. Jh., Rom Arch. Vat.: Arm. XXXI, t. 1 fol. 57r.

Drucke: Carafa, Epist. III 351; Conc. coll. reg. XXIV 98; Labbe-Cossart, Conc. IX 61; Hardouin, Acta conc. VI 18; Mansi, Coll. XVII 64; Migne, PL CXXVI 760; MG Epist. VII 60–62 n. 67; Acta Romanorum Pontificum 713 n. 343 (fragm.); Fontes historiae Bulgaricae VII 157-160.

Reg.: J 2358; JE 3131; MMFH III 185 n. 69.

Lit.: Hergenröther, Photius II 304; Hefele-Leclercq, Hist. IV,1 560f.; Caspar, Register Johanns 110; Rupp, Chrétienté 45; Stiernon, Konstantinopel IV 206f.; Simeonova, Diplomacy 308f.; Arnaldi, Chiesa romana 134, 139, 144, 152-154; Gemeinhardt, Filioque-Kontroverse 246f.; Curta, Southeastern Europe 173; Scholz, Politik 233f.

Kommentar

Der Papstbrief ist nur in den beiden Registerabschriften überliefert, vgl. zu diesen Caspar 85-99 und Lohrmann, Register Johannes 5-156. Am Ende bricht er ab und bietet nur noch die Angabe der Legaten sowie die Datierung. Der Botenvermerk und die Datierung stehen auch am Anfang des Briefs vor der Adresse (Missa per Paulum et Eugenium episcopos, mense Aprili, indictione XI., die XVI.). Graf Petros, ein Sohn des Königs (vgl. n. 529), war bereits unter Nikolaus I. und Hadrian II. ein Gesandter des bulgarischen Fürsten, vgl. Dümmler, Ostfränk. Reich II2 256. Zu einem weiteren an ihn adressierten Brief vgl. n. 504. Johannes VIII. bringt die unter griechischem Einfluß stehenden Bulgaren mit den Heiden (ethnici et publicani) in Verbindung. Die publicani des Neuen Testaments wurden zumeist als Heiden gedeutet, vgl. etwa Augustinus, Enarrationes in Psalmos, Ps. 74,12 (Dekkers-Fraipont 1033). Häufiger wurden die Griechen der Häresie bezichtigt, vgl. auch die Andeutungen im vorliegenden Brief (hęretica pravitas). Vgl. den etwa zeitgleich verfaßten Brief an den Bruder des Fürsten Michaels von Bulgarien, der wörtlich übereinstimmende Textpartien aufweist (n. 328). Zu den päpstlichen Legaten Bischof Paulus (von Ancona) und Bischof Eugenius (von Ostia) vgl. n. 331 sowie Riesenberger, Prosopographie der päpstlichen Legaten 241-245. Die Datierung auf den 16. Oktober in MG Epist. VII (Kopfzeile) ist ein eindeutiger Druckfehler, vgl. das dem Brief sowohl voran- als auch nachgestellte Datum sowie den zeitgleich ergangenen Brief an den Bulgarenfürsten Michael (n. 327).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. 329, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d93fe06f-d13c-4412-a034-676f5f277af9
(Abgerufen am 21.07.2018).