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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

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Papst Johannes (VIII.) berichtet Erzbischof Anspert von Mailand (reverentissimo et sanctissimo confratri Ansperto venerabili archiepiscopo Mediolanensi), daß er während seines Aufenthaltes im Frankenreich (vgl. n. 334) mit den Königen Ludwig (der Stammler), Ludwig (der Jüngere), Karlmann und Karl (III.) (utrosque Hludouuicos, Karlomannum et Karolum) teils persönlich, teils brieflich und durch Legaten gesprochen und daß ihn princeps Boso (von Vienne) (Boso gloriosus princeps) auf seinem Rückweg begleitet habe (n. 443); der Papst fordert Anspert auf (mandamus), am 2. Dezember zusammen mit seinen Suffraganen nach Pavia zu kommen (cum cunctis suffraganeis tuis et coepiscopis nobis Papiam secunda die post festum sancti Andreę), und droht ihm andernfalls mit einer Strafe gemäß dem kanonischen Recht.

Originaldatierung:
Data ut supra.
Incipit:
Quantum pro totius sanctę Dei ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 11. Jh., Rom Arch. Vat.: Reg. Vat. I fol. 52r; 16. Jh., Rom Arch. Vat.: Arm. XXXI, t. 1 fol. 94r.

Erw.: n. 461

Drucke: Carafa, Epist. III 389; Conc. coll. reg. XXIV 150; Labbe-Cossart, Conc. IX 92; Hardouin, Acta conc. VI 42; Mansi, Coll. XVII 96; Migne, PL CXXVI 807; MG Epist. VII 100f. n. 108.

Reg.: J 2417; JE 3204; IP VI/1 5 n. 12 und 41 n. 66; Savio, Vescovi Milano 338.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich III2 90f.; Hartmann Gesch. Italiens III,2 62; Pochettino, L'imperatrice Angelberga 125; Cazzani, Vescovi 76; Riesenberger, Prosopographie der päpstlichen Legaten 181f.; Gorla, L'arcivescovo Ansperto 64f., 73f.; Hartmann, Synoden 349f.; Arnold, Johannes 187f., 202.

Kommentar

Der Brief ist nur in den erwähnten Registerabschriften überliefert, vgl. zu diesen Caspar, Register Johanns 85-99 und Lohrmann, Register Johannes 5-156. Zum Aufenthalt des Papstes im Westfrankenreich vgl. n. 334. Nach Angaben Hinkmars war von den genannten Königen lediglich Ludwig der Stammler in Troyes zur Synode erschienen, vgl. Ann. Bertiniani a. 878 (Grat 223) und Ann. Vedastini a. 878 (MG SS rer. G. [12] 43) sowie n. 405. Der Papst hatte Boso während seines Aufenthaltes in Troyes adoptiert, vgl. n. 365 und n. 450, so daß nach Ansicht Dümmlers und Hartmanns, Gesch. Italiens die Synode in Pavia dazu dienen sollte, die Einsetzung Bosos als Kaiser durch seine Wahl zum König von Italien vorzubereiten, vgl. dagegen Fried, Boso von Vienne 202-204. Die Einladungen an Bischof Wibod von Parma und weitere Ravennater Suffragane (n. 453), Graf Suppo II. (n. 455), Bischof Johannes von Pavia (n. 456) sowie Erzbischof Anspert zeugen von dem Bemühen des Papstes, die Befürworter einer ostfränkischen Lösung bezüglich der Kaisernachfolge für sich (und gemäß Fried, Boso von Vienne also für Ludwig den Stammler) zu gewinnen. Die Synode konnte jedoch auch nach einer erneuten Einladung des Papstes (n. 461) nicht stattfinden, da die Geladenen nicht erschienen, vgl. n. 457. Die angekündigte Exkommunikation wegen seiner Abwesenheit wurde erst im Mai des folgenden Jahres über Anspert verhängt, vgl. n. 458, n. 463 und n. 507. Der Brief ist wohl den Schreiben zuzuordnen, die der Papst nach seiner Ankunft in Turin am 24. November und vor dem 2. Dezember verfaßte, vgl. dazu auch n. 453 und n. 456. Zur mit dem Data ut supra verbundenen Problematik vgl. Caspar, Register Johanns 127-132 und Lohrmann, Register Johannes 178f.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. 454, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d7e3eaa7-5fba-4c7b-a1e2-6f45e95ac058
(Abgerufen am 20.10.2018).