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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

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Papst Johannes (VIII.) schenkt (donaverat) den duces und Hypaten Docibilis und Johannes von Gaeta und ihren Nachfolgern (dilectissimis filiis docivilis et iohannis ducibus et ipatis gagetanorum et per illos in nostro ducatum in perpetuum) das Gebiet von Traetto sowie die Stadt Fondi und den dazugehörigen Dukat als Lohn für ihre Hilfe gegen die Sarazenen.

Originaldatierung:
Per manus Melchisetec scriniarii sancte romane ecclesie. Pridie idus iunii indictione quinta. Bene balete. Ille pridie idus iunii. Theofilactus secundiclericus (sic!) sancte sedis apostolice scripserat imperante domno suo piissimo perpetuum agusto Lodeico magno imperatore indictione suprascripta quinta scripta per manus Melchisetec scriniarii sancte romane ecclesie. Indictione suprascripta quinta.
Incipit:
Dum pro essequende iustitie et ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 1347 Januar 5–11, Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 12634 fol. 70r (fragm.).

Insert: Gerichtsurkunde von 1014 (Cod. dipl. Caietanus I 246-248 n. 130).

Drucke: Gattola, Ad historiam abbatiae Cassinensis accessiones I 110; Di Meo, Annali V 179; Amante e Bianchi, Mem. stor. di Fondi 71f.

Erw.: Urkunde Johannes' X. von 915 (Zimmermann, PUU I 68 n. 40, Böhmer-Zimmermann n. 34); Chr. Casin. II c. 35 (MG SS XXXIV 234).

Reg.: Hübner, Gerichtsurkunden 135 n. 1199; IP VIII 82 n. 5, 93 n. 1 und 98 n. 4; Pallieri-Vismara, Acta pont. jur. gentium 554 n. 5; Martin-Cuozzo, Regesti dell'Italia meridionale 434 n. 896.

Lit.: Hamel, Territorialgesch. des Kirchenstaates 95-97; Fedele, Preteso dominio 37f.; Caspar, Echte und gefälschte Karolingerurkunden 65f.; Merores, Gaeta 14-16 und 21-24; Vehse, Bündnis 182-184, 190-196 und 198f.; Kölmel, Rom und Kirchenstaat 142-144; Venni, Giovanni X 49f.; Partner, Lands of St Peter 70; Arnaldi, Fase preparatoria 131-140; Delogu, Gaeta 196, 199; Skinner, Family power 28f., 38-40, 60, 71, 175, 186; Pohl, Werkstätte der Erinnerung 148f.; Pesiri, Ducato di Gaeta 169-183; Arnold, Johannes 212.

Kommentar

Die Urkunde ist als Insert in einem Placitum von 1014 und als fragmentarisch überlieferte Registerabschrift eines Transsumpts von 1347 erhalten. In der Gerichtsurkunde von 1014 wird auch die ebenfalls in der Kopie des 14. Jh. erhaltene Bestätigung der Schenkung durch Papst Johannes X. genannt (et iurare fecerat ipsorum et confirmaverat preceptum per iussionem domni iohanni decimi et universari pape quod aberat factum a domno iohanne octabo et universari pape); vgl. zu dieser Urkunde Vehse 202. Bei dem Insert wurden die Verben der Papsturkunde in die dritte Person Singular gesetzt. Für die Poenformel und die Benedictio ist die spätere Kopie heranzuziehen, in der allerdings wegen Blattverlust nur der Schlußteil der Urkunde enthalten ist. Zur Überlieferung vgl. Vehse 183f. Anm. 1 sowie Pesiri 169-171. – Die Urkunde ist in mehrfacher Hinsicht problematisch und in der Forschung umstritten. Vor allem die Datierung und die darin genannten Personen lassen sich nicht mit dem Pontifikat Johannes' VIII. vereinbaren; vgl. zu detaillierter Kritik hieran unter Berücksichtigung der älteren Forschung Arnaldi 132-134, zu den Personen auch Santifaller, Elenco 64 und 263. Zudem wurde die Bezeichnung duces für die Herrscher von Gaeta von Merores 22 als anachronistisch angesehen, Unterschiede zwischen Eigen- und Fremdbezeichnung sind hier allerdings zu berücksichtigen. Nur im Placitum von 1014 steht in der Datierung secundiclericus, es handelt sich wohl um eine etymologische Lesart des im Transsumpt von 1347 richtig erscheinenden secundicerius (ob Theofilactus der aus n. 175 als nomenculator bekannte Theophylakt ist, erscheint ungewiß). Nicht unbestritten ist weiterhin das die Schenkung umfassende Territorium und die rechtlichen Folgen der Übertragung, vgl. hierzu Merores 15-18, Arnaldi 134-139 und Delogu 195f. und 199. Arnaldi 139 zieht auch die Möglichkeit in Betracht, es habe während des Pontifikats Johannes' VIII. und sogar danach überhaupt keine Schenkung des Papstes an die Hypaten von Gaeta gegeben. In einer allerdings umstrittenen Urkunde Ottos III. für Montecassino (MG DD O III 756 n. 337) ist dagegen von der Schenkung des Gebiets um Aquin an die Gaetaner durch einen Papst Johannes die Rede; auffälligerweise wird jedoch im Placitum von 1014 die Urkunde Ottos III. nicht erwähnt und diese ist auch nur im Register des Petrus Diaconus überliefert, so daß davon auszugehen ist, daß es sich hierbei um eine verfälschte Erwähnung der vorliegenden Urkunde Johannes' VIII. oder auch der Schenkung Johannes' X. handelt, vgl. Sickel in MG DD O III 756, Böhmer-Uhrliz n. 1334 und Kehr in IP VIII 82 n. *† 6 (dieses zusätzliche Regest ist demnach zu streichen, ebenso Martin-Cuozzo, Regesti dell'Italia meridionale 437f. n. † 905). In der vorliegenden Urkunde heißt es, der Papst überlasse den Gaetanern die Gebiete aufgrund ihres treuen Dienstes im Kampf gegen die Sarazenen (... pro eorum fideli servitio et pro defensione gentis christiane et pro eo quod pugnaverat et pugnare devebat sarracenos ...). Diese Formulierung übergeht die Spannungen im Verhältnis von Papsttum und Gaeta, die während des gesamten Pontifikats Johannes' VIII. anhielten. Schon kurz nach seinem Amtsantritt hatte Johannes VIII. Docibilis exkommuniziert, da er mit den Sarazenen paktiert hatte (vgl. n. 65, n. 79 und n. 85), und auch für die Folgejahre sind zahlreiche Schriftstücke erhalten, die dokumentieren, wie der Papst sich immer wieder bemühte, die Gaetaner im Kampf gegen die Sarazenen auf seine Seite zu ziehen, und dabei vielfach herbe Rückschläge einstecken mußte, vgl. n. 232, n. 234, n. 241, n. 242, n. 567, n. 568, n. 618 und n. 655. Die Schenkung, in welchem Umfang auch immer, könnte somit nur als ein Druckmittel des Papstes angesehen werden, mit dem er versuchte, die Gaetaner dauerhaft an sich zu binden; gelungen ist das nicht. Genausowenig wie letztlich geklärt werden kann, ob es sich um eine echte, verfälschte oder gefälschte Urkunde handelt, ist das mögliche Datum dieser Schenkung eindeutig festzulegen. Die erhaltene Datierung paßt jedenfalls nicht in den Pontifikat Johannes' VIII., in dem es keine fünfte Indiktion gab. Vieles spricht trotz der Nennung Kaiser Ludwigs (II.) in der Datierungszeile für eine Datierung der Schenkung in die zweite Hälfte des Pontifikats Johannes' VIII. (vgl. etwa Merores 14f., Arnaldi 134f., Hartmann, Gesch. Italiens III,2 90f., Panetta, Saraceni 139 und Delogu 196 mit jeweils unterschiedlichen Vorschlägen); da aber zumindest Art und Umfang der Übertragung, wenn nicht die gesamte Schenkungsurkunde als fragwürdig gelten müssen, wird hier eine offene Datierung auf den gesamten Pontifikat Johannes' VIII. bevorzugt, am Tages- und Monatsdatum allerdings festgehalten.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. †?89, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/cc9d7db4-d423-43af-a23a-b7f18314201d
(Abgerufen am 22.09.2019).