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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

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Papst Johannes (VIII.) teilt dem König der Bulgaren Michael (Michaheli regi Uulgarum) in einem durch Paulus (von Ancona) und Eugenius (von Ostia) übermittelten (n. 331) Schreiben mit, er habe (einst) für dessen Erlösung (durch die Taufe) gedankt, nun bedauere er jedoch, daß Michael von der List der böswilligen (Griechen) getäuscht werde, und fürchte, er könne zusammen mit letzteren der Häresie verfallen; er betont, er wolle nicht die Regierung des Vaterlandes (Michaels) sowie der res publica erlangen, sondern die diözesane Leitung der Region (der Bulgaren) (dioceseos eiusdem regionem curam et dispositionem) nach alter Sitte (more prisco) wieder übernehmen, fordert den König auf, zum heiligen Petrus zurückzukehren, erläutert, er stelle nicht die Einheit des Glaubens und der Taufe in Frage, sondern meine, (unter den Griechen) gebe es häufig Häretiker durch Verschulden des Bischofs (pręsul) von Konstantinopel, des Kaisers oder beider, bittet (rogo) ihm zu sagen, ob er und sein Volk beispielsweise zu Zeiten des Pneumatomachen Makedonios, des Bischofs (antistes) von Konstantinopel, sowie des Kaisers Constantius (II.) etwa nicht der Lehre gefolgt wären, die über den heiligen Geist lästert, teilt ihm seine Überzeugung mit, er, Michael, wisse, daß der apostolische Stuhl niemals (in Glaubensfragen) von anderen Bischofssitzen zurechtgewiesen worden sei, sondern vielmehr letztere, besonders den Bischofssitz von Konstantinopel, oft getadelt, von dem Irrtum befreit oder verurteilt habe; er warnt ihn vor einem mit den Goten vergleichbaren Schicksal, die vom Heidentum befreit worden seien, um Opfer der Gotteslästerungen des Arius zu werden, und bedankt sich für das Geschenk, das ein Geistlicher namens Urso ihm überreicht habe; er informiert ihn und seine Leute (generalitas), daß ein Slawe, der Eunuch Sergios, der das Priesteramt erschlichen habe und von seinem Bischof abgesetzt, danach aber vom falschen Bischof Georgios zum Bischof von "Belgrad" (Belogradensis) erhoben worden sei, nicht nur kraft der auctoritas der Apostel (Petrus und Paulus) sowie der heiligen Kanones, sondern nun auch kraft seines Dekrets seines Amtes enthoben sei, und betont, er gebe dies bekannt, damit abgesetzte (Priester) keine Aufnahme finden und Gleichgesinnte nicht ein ähnliches Urteil ereilt.

Originaldatierung:
Data XVI. die mensis aprilis, indictione XI.
Incipit:
Spiritalibus te visceribus edito gaudebamus ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 11. Jh., Rom Arch. Vat.: Reg. Vat. I fol. 30v; 16. Jh., Rom Arch. Vat.: Arm. XXXI, t. 1 fol. 55r.

Erw.: n. 328; n. 329.

Drucke: Carafa, Epist. III 349; Conc. coll. reg. XXIV 95; Labbe-Cossart, Conc. IX 59; Hardouin, Acta conc. VI 16; Mansi, Coll. XVII 62; Migne, PL CXXVI 758; Thallóczy, Acta et diplomata Albaniae I 13 n. 55; Kukuljević, Cod. dipl. Croatiae I 57-59; MG Epist. VII 58–60 n. 66; Acta Romanorum Pontificum 712 n. 342 (fragm.); Fontes historiae Bulgaricae VII 147-151.

Reg.: J 2357; JE 3130; MMFH III 182 n. 64.

Lit.: Hergenröther, Photius II 302f. und 614; Dümmler, Ostfränk. Reich III2 191 Anm. 2; Lapôtre, Jean VIII 63f. (ND 129f.) und 71 (ND 137); Dvorník, Photian Schism 215; Dvorník, Byzantine Missions 159; Stiernon, Konstantinopel IV 206f.; Peri, Iura antiqua 228f.; Tǎpkova-Zaimova, Mission de Cyrille et Méthode 12; Löwe, Cyrill und Methodius 661 (ND 301); Eggers, Das "Großmährische Reich" 67; Simeonova, Diplomacy 308-310; Arnaldi, Chiesa romana 134, 139, 144, 146-152; Gemeinhardt, Filioque-Kontroverse 246-248; Curta, Southeastern Europe 173.

Kommentar

Nur die beiden Registerabschriften überliefern den Brief Johannes' VIII, vgl. zu diesen Caspar, Register Johanns 85-99 und Lohrmann, Register Johannes 5-156. Überbringer des Schreibens waren laut eines der Adresse vorgeschalteten Botenvermerks (Missa per Eugenium et Paulum episcopos ...) die Bischöfe Eugenius (von Ostia) und Paulus (von Ancona), zu den Legaten vgl. n. 331. Zu den Versuchen seitens der griechischen Bischöfe, die Bulgaren der Ostkirche zu unterstellen vgl. n. 319 sowie n. 327. Die Pneumatomachen, Häretiker des 4. Jh., leugneten die Gottheit des Heiligen Geistes. Zu ihrer Bezeichnung als Makedonianer und der Frage, in welchem Verhältnis sie zu den Lehren des Makedonios standen, vgl. Hauschild, Pneumatomachen 236-239. Die im Schreiben genannte Stadt (Belogradensis) ist eventuell als das heutige Berat in Albanien zu identifizieren, vgl. Eggers. Zum falschen Bischof Georgios vgl. Dvornik, Byzantine Missions 159. Der Brief trägt sowohl am Anfang (... mense aprili, die XVI., indictione XI.) als auch am Ende ein Datum.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. 327, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c508c2e2-ce9f-46d5-95ea-ebb25e4592e9
(Abgerufen am 23.10.2018).