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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

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Papst Johannes (VIII.) (1) betont gegenüber König Michael von Bulgarien (Michaheli regi Bulgariae) die Vorrangstellung der römischen Kirche; (2) hebt mit Verweis auf frühere päpstliche Äußerungen (JK 232) hervor, daß das Gebiet Bulgarien ganz der römischen Kirche zugehörig sei, informiert den König darüber, daß er den Patriarchen Ignatios (von Konstantinopel) und alle Bischöfe und Presbyter absetzen und mit dem Anathem belegen werde, wenn die Treulosigkeit der Griechen nicht aufhöre, und droht dem König und seinen Gefolgsleuten das gleiche Urteil an.

Incipit:
Scrutamini sacras aecclesiasticas in mente ... (Porro si Grecorum perfidia sese ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 17. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 23 fol. 167r (nur [2]).

Insert: Bonizo von Sutri, Liber de vita christiana IV 90 (Perels 158) (nur [2]); Deusdedit, Coll. can. I 239 (Wolf von Glanvell 139) (nur [2]); Coll. Brit. (Ende 11./Anf. 12. Jh., London Brit. Lib.: Ms. add. 8873 fol. 122r); Coll. can. der Hs. Rom, Vat. lat. 3829 (Anf. 12. Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Vat. lat. 3829 fol. 266v-267r) (nur [2]).

Drucke: Miklošić-Rački, Novo nadjeni spomenici 211; MG Epist. VII 277 n. 7; Acta Romanorum Pontificum 706 n. 336; Fontes historiae Bulgaricae VII 137f.

Reg.: Ewald, Brit. Sammlung 300 n. 7; JE 2962; MMFH III 157 n. 43.

Lit.: Lapôtre, Jean VIII 59 (ND 125); Hartmann, Gesch. Italiens III,2 6; Dvorník, Légendes 282; Dvorník, Photian Schism 155f. und 160; Dvorník, Light of Recent Research 33 Anm. 109; Stiernon, Konstantinopel IV 204; Simeonova, Diplomacy 297f.; Arnaldi, Chiesa romana 138, 145; Gemeinhardt, Filioque-Kontroverse 246f.; Curta, Southeastern Europe 173.

Kommentar

Beide Teile des fragmentarisch erhaltenen Schreibens stehen lediglich in der Coll. Brit., bei Bonizo und Deusdedit ist nur der zweite Teil überliefert; der Text endet nach wenigen Zeilen und beinhaltet lediglich die Androhung des Anathems an Ignatios, die Bischöfe und die Presbyter, nicht jedoch an den König. Dasselbe gilt für die Coll. der Hs. Vat. lat. 3829, von der wiederum die jüngere kopiale Überlieferung abhängig ist. Zur Coll. Brit. und ihrer Entstehungszeit vgl. Herbers, Leo 63-72, Kéry, Canonical collections 237f., Jasper, Beginning 128 und Fowler-Magerl, Clavis Canonum 184-187. Zur Kanonessammlung des Deusdedit vgl. Kéry 228-233, Jasper 128f. und Fowler-Magerl 160-163. Zur Coll. can. der Hs. Vat. lat. 3829 vgl. ibid. 216-218. Zur Bulgarenmission und der Entscheidung über die Einsetzung Ignatios' als Patriarchen vgl. Böhmer-Herbers n. 616 und n. 822 (und die dort angegebenen weiterführenden Regesten) sowie Dümmler, Auxilius 3 und Dvornik, Photian Schism. Nach dem Tod des Ignatios im Jahr 877 wurde sein exkommunizierter Gegenspieler Photios vom Papst 879 wieder anerkannt, vgl. dazu n. 551, n. 552, n. 553, n. 559. Da Johannes VIII. in diesem Brieffragment hauptsächlich bereits von seinem Vorgänger geäußerte Beschwerden wiederholt, ist eine Datierung zu Beginn seines Pontifikats naheliegend; allerdings bietet die Coll. Brit. einen weiteren (wohl etwas späteren) Brief an Michael mit fast identischem Inhalt (n. 103). Eine Eingrenzung der Datierung aufgrund der Stellung in der Coll. Brit., wie Ewald sie vorschlägt, bleibt problematisch, vgl. hierzu generell n. 13.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. 50, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c293bae9-5bf0-4da6-afb6-abcf191dfaf8
(Abgerufen am 23.07.2018).