Regestendatenbank - 184.913 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

Sie sehen den Datensatz 344 von insgesamt 727.

Papst Johannes (VIII.) ermahnt König Ludwig (III. den Jüngeren) (Hludouvico regi, Hludouuici Bagoariorum regis filio), wie seine Vorfahren der (römischen Kirche) beizustehen, spielt auf seine geistige Adoption und die wünschenswerte Eintracht zwischen ihm und seinen Brüdern (Karlmann und Karl III.) an, teilt ihm unter Verweis auf einen längeren Bericht mit, der dux Lambert von Spoleto, der Sohn Widos, habe sich des Römischen Reiches bemächtigen wollen und S. Peter angeblich im Auftrag König Karlmanns belagert (n. 310), informiert ihn über seine bereits angetretene Reise ins Frankenreich (n. 334) und eine geplante gemeinsame Unterredung, kündigt eine Universalsynode (vgl. n. 405) an und fordert ihn auf (quęso), alle Erzbischöfe und Bischöfe ihres Reiches zur Teilnahme zu ermahnen.

Originaldatierung:
Data ut supra.
Incipit:
Scriptum enimvero in Salomone legimus ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 11. Jh., Rom Arch. Vat.: Reg. Vat. I fol. 44v; 16. Jh., Rom Arch. Vat.: Arm. XXXI, t. 1 fol. 79v.

Erw.: n. 350; n. 385.

Drucke: Carafa, Epist. III 364; Conc. coll. reg. XXIV 118; Labbe-Cossart, Conc. IX 73; Hardouin, Acta conc. VI 27; Bouquet-Delisle, Recueil IX 159; Mansi, Coll. XVII 77; Migne, PL CXXVI 769; MG Epist. VII 83f. n. 88.

Reg.: J 2365; JE 3138.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich III2 77 Anm. 2; Lapôtre, Jean VIII 11 (ND 77); Hartmann, Gesch. Italiens III,2 54f.; Caspar, Register Johanns 133, 147 Anm. 4; Engelmann, Legaten 83; Peitz, Register Gregors I. 96-98; Lohrmann, Register Johannes 180f. und 278f.; Gorla, L'arcivescovo Ansperto 56, 58; Monticolo, Fränk. Fürstentitel 321; Arnold, Johannes 109, 112 und 143; Scholz, Politik 238.

Kommentar

Das päpstliche Schreiben ist nur in den angeführten Registerabschriften überliefert, vgl. zu diesen Caspar 85-99 und Lohrmann 5-156. Caspar nahm aufgrund der Adresse Item Hludouvico regi, Hludouuici Bagoariorum regis filio sowie der doppelten Anrede te, Ludouuico filio Karoli, 〈 Ludouuico filio Ludouuici regis〉  einen A-pari-Brief an Ludwig den Stammler an, vgl. MG Epist. VII 83f. Der Editor hält in Anlehnung an Lapôtre für wahrscheinlich, die ursprünglich am Rande vermerkten Namen seien von dem Registrator in den Haupttext übertragen worden, das würde auch den falschen Kasus bei der Anrede (Dativ statt Vokativ) erklären, vgl. MG Epist. VII 84 Anm. a und b. Peitz 98 geht hingegen davon aus, daß in der Vorlage der Name des westfränkischen Königs expungiert, trotzdem aber in der Registerabschrift übernommen wurde. In Anlehnung an die Ergebnisse von Peitz hat Lohrmann wohl zu Recht darauf hingewiesen, das item verweise vielmehr auf die sachliche Nähe zu dem im Register vorangehenden Stück (n. 317), ein zweites Schreiben lasse sich dieser Angabe nicht entnehmen. Zu den einzelnen Argumenten, die gegen Ludwig den Stammler als Adressaten sprechen, vgl. Peitz. Für den vorliegenden Brief erwägt Lohrmann – eher als für die mit ihm verwandten Stücke n. 317 und n. 345 – das Diktat eines Helfers, etwa Walperts von Porto. Mit dem ausführlicheren Bericht meint Johannes wohl die Exkommunikationssentenz, vgl. n. 317. Die Andeutung, Lambert habe sich des Römischen Reiches bemächtigen wollen, d. h. nach der Kaiserwürde gestrebt, findet sich auch in dem früheren an Ludwig den Stammler gerichteten Brief (n. 317). Offensichtlich wollte der Papst durch solche Bemerkungen gegen Lambert Stimmung machen, jedenfalls fehlt diese Angabe im Brief an den gut informierten König Karlmann (n. 345). Johannes VIII. gibt dort vor, an eine Beteiligung Karlmanns nicht zu glauben. Er betont die Rolle der Kirche als Mutter und Braut, zu ähnlichen Formulierungen in den Briefen früherer Päpste vgl. Conte, Primato 56-58. Zur Bezeichnung Lamberts als perfidus dux vgl. Brunner. Caspar 147 nimmt an, der Brief wäre in Genua zeitgleich mit dem Schreiben ähnlichen Inhalts an Karlmann (n. 345) verfaßt worden, und datiert deshalb auf Anfang Mai, was ebenfalls eine Übermittlung des Briefes durch den Kardinalpresbyter Petrus nahelegt (n. 348). Zur mit dem Data ut supra verbundenen Problematik vgl. Caspar 127-132 und Lohrmann 178f.

Nachträge

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. 344, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b8f26eb3-7d6a-4db2-a694-1db5477114f4
(Abgerufen am 21.03.2019).