Regestendatenbank - 184.913 Regesten im Volltext

RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

Sie sehen den Datensatz 46 von insgesamt 727.

Papst Johannes (VIII.) teilt Kaiser Ludwig (II.) (Hludouuico imperatori) verschiedenes mit: (1) Mit Bezug auf Cicero (Tuscul. I, 1 §2) verweist er darauf, daß nach altem Brauch ein Amt (magistratus honor) nur für ein Jahr vergeben worden sei, nach Ablauf dieser Zeit der alte iudex nur noch 50 Tage in der Provinz habe verweilen können, um eventuell zurückzuerstatten, was er den Besitzern genommen habe. Dieses Gesetz habe (im Patrimonium Petri) (istis in partibus) bisher gegolten und diene eher den temporalia der r[es] p[ublica] (oder: des r[ömischen] p[ontifex]) als ein auf Dauer verliehenes Amt. (2) Wenn schon der Besitz für zehn, 20 oder 30 Jahre ausgeschlossen oder bestätigt würde, dann sei eine so lange Frist im Falle von Ämtern noch schädlicher, insbesondere wenn ein Amt von tyrannischen duces ununterbrochen innegehabt werde, in den römischen Gesetzen gelte eine allgemeine Bestimmung vor speziellen Verleihungen (generale preceptum beneficio speciali anteferendum est ..., Cod. Theodosianus I,1,4 und ibid. I,2,2). (3) Diesen Grundsatz untermauert der Papst mit weiteren Zitaten Gregors (I.) (JE 1724) und Gelasius' (I.) (JK 658 und 662). (4) Was gegen die Gesetze verstoße, müsse deshalb durch Gesetze außer Kraft gesetzt werden. (5) Mit einem weiteren Zitat (Gregors I.) sowie einer Bestimmung aus den Akten des VIII. Konzils von Toledo verweist der Papst auf die Schuld auch derjenigen, die dem Unrecht zustimmten. (6) Abschließend bekräftigt Johannes dies mit Verweis auf und Zitat Papst Felix' (III.) (JK 592).

Incipit:
Siquidem Ciceronis est illa multis ...(Nam cum rerum possessio sive ...) (Personalia rescripta, quę cum iure ...) (Vides ergo, fili karissime, quia ...) (Facientis procul dubio culpam habet ...) (Et iuxta quod Felix sanctissimus ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: –.

Insert: Deusdedit, Coll. can. IV 179 und 180 (Wolf von Glanvell 485f.) [(1), (2), (3), (4) und (6)]; Coll. Taurinensis (12. Jh., Turin Bibl. univ. naz.: E.V. 44 [903] fol. 99r) [(1) (fragm.), (2), (3) und (4)]; Coll. Brit. (Ende 11./Anf. 12. Jh., London Brit. Lib.: Ms. add. 8873 fol. 134r-134v) [(4) und (5)]; Ivo von Chartres (?), Coll. tripartita I 63, 7 und 8 (Ende 12. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3858B fol. 72vb; Anf. 13. Jh., Berlin StBibl. Preuß. Kulturbesitz: Ms. Lat. Fol. 197 fol. 89rb) [(4) und (5)]; Ivo von Chartres, Decretum IV 230 und VI 115 (Migne, PL CLXI 314 und 473) [(4) sowie (4) und (5)]; Coll. X partium (12. Jh., Köln Hist. Arch.: W. Kl. Fol. 199 fol. 106v) [(5)]; Coll. der Bibl. de l'Arsenal 713 (12. Jh., Paris Bibl. de l'Arsenal: Ms. 713 fol. 144v) ([4]); Coll. Catalaunensis I (12. Jh., Châlons-sur-Marne Bibl. mun.: Ms. 47 fol. 30v) [(5)]; Coll. Catalaunensis II (12. Jh., Châlon-sur-Marne Bibl. mun.: Ms. 75 fol. 168r-168v) [(5)]; Gratian, Decretum D. X c. 10 und D. LXXXVI c. 3 (Friedberg I 22 und 298) [(4) und (5)].

Drucke: Plugk-Harttung, Acta II 34 [(1) (fragm.), (2), (3) und (4)]; MG Epist. VII 304–306 n. 52.

Reg.: J 2250; Ewald, Brit. Sammlung 313 n. 49; Pflugk-Harttung, Iter 179 n. 55; JE 3011; Böhmer-Zielinski n. 420.

Lit.: Mommsen, Cod. Theodosianus LXII; Hartmann, Grundherrschaft 152f.; Pöschl, Kirchengutsveräußerungen 49; Arnaldi, Giovanni Immonide 70f.; Kuttner, New Canonical Collection 537 Anm. 1; Fuhrmann, Pseudoisidorische Fälschungen II 281 Anm. 11 und 551 Anm. 338 sowie III 856 Anm. 469; Arnold, Johannes 59.

Kommentar

Sechs Fragmente, die ursprünglich wohl zu einem Brief gehörten, sind in verschiedenen Kanonessammlungen überliefert. Bei Deusdedit, Coll. can. IV 180 (Wolf von Glanvell 486) folgen auf Auszug (6) Gregor (dem Großen) und Gelasius zugeschriebene Stücke. Zur Kanonessammlung des Deusdedit vgl. Kéry, Canonical collections 228-233, Jasper, Beginning 128f. und Fowler-Magerl, Clavis Canonum 160-163. Zur Coll. Taurinensis vgl. Pflugk-Harttung, Fälschung von Canones, Kéry 284, Fowler-Magerl 172f. und Motta, Silloge 413-442. Zur Coll. Brit. und ihrer Entstehungszeit vgl. Herbers, Leo 63-72, Kéry 237f., Jasper 128 und Fowler-Magerl 184-187. Zur Coll. tripartita vgl. Kéry 244-250, Jasper 129 und Fowler-Magerl 187-190. Zur Coll. X partium der Hs. Köln, Hist. Arch. W. Kl. Fol. 199 vgl. Kéry 287 und Fowler-Magerl 191f. Die Hs. Paris Bibl. de l'Arsenal: Ms. 713 stammt in diesem Teil aus dem 2. Viertel des 12. Jh., vgl. Fowler-Magerl 192f. Zu den beiden Fassungen der Coll. Catalaunensis vgl. Kéry 288 und Fowler-Magerl 238f. Einzelne Sätze der Auszüge sind u. a. aus dem Codex Iuris Civilis und aus dem Register Gregors des Großen entlehnt, vgl. die Nachweise in MG Epist. VII 305 Anm. 1-2 und 4-10 sowie 306 Anm. 1-4 sowie zu Gelasius Mansi VIII 139 und Loewenfeld, Epistolae pont. Rom. ineditae 8 n. 14. Das zweite Gelasius-Zitat, das bisher nicht hatte identifiziert werden können (vgl. MG Epist. VII 305 Anm. 9), stammt aus einem Brief an Bischof Bellator von Ostia (JK 662). Die im Schreiben deutlich werdenden Bemühungen des Papstes, die Erblichkeit von (Grafen" )Ämtern zu verhindern, lagen auch im Interesse des Kaisers, vgl. Hlawitschka, Intentionen 130 Anm. 27. Aufgrund des allgemeinen Charakters des Papstbriefs scheint es außer dem als Terminus ante quem feststehenden Tod Ludwigs II. keinerlei Anhaltspunkte zur zeitlichen Einordnung zu geben (zur problematischen Datierung Ewalds entsprechend der Stellung innerhalb der Coll. Brit. vgl. n. 13), so daß das Stück auf die Zeit zwischen 872 und August 875 zu datieren ist.

Nachträge

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. 46, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b3448785-3317-493f-971e-c2bc638fbd41
(Abgerufen am 20.08.2019).