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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

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Papst Johannes (VIII.) berichtet allen (in Troyes) versammelten Bischöfen der Gallia sowie der gesamten Kirche (omnibus episcopis per universas Gallie provincias consistentibus, abbatibus, presbiteris, cunctisque simul ordinibus divino ministerio mancipatis, necnon comitibus, vicecomitibus, vicariis, centenariis, judicibus et omnibus in potestatibus constitutis et omni populo, et cunctae simul generali ecclesiae) (teilweise gleichlautend mit n. 401) die während seiner Reise über Arles erfahrene Usurpation des Peterskloster Saint-Gilles (monasterium Sancti Petri, in quo quiescit corpus beati Aegidii, in Valle Flavania, in comitatu Nemausense, in finibus Septimaniae) durch den Bischof Girbert von Nîmes, das der heilige Ägidius der römischen Kirche geschenkt habe, was von Papst (Benedikt II.) (JE †2127) bestätigt worden sei; erwähnt die Zurückweisung der vom Ursurpator Bischof Girbert von Nîmes aufgrund einer königlichen Urkunde (Ludwigs des Frommen) (Böhmer-Mühlbacher2 n. 549) und eines päpstlichen Privilegs Nikolaus' (I.) (Böhmer-Herbers n. 460) erhobenen Ansprüche durch eine Versammlung von genannten Bischöfen und Richtern (episcopos et iudices Romae vel provinciales) unter Vorsitz des dux Deusde(dit von Ravenna) (n. 355), verbietet gemeinsam mit dem Konzilsteilnehmern die Entfremdung des Klosterbesitzes, bestätigt mit Billigung des Konzils (von Troyes) (vgl. n. 405) dem Priester und Archidiakon Amelius von Uzès (Amelio presbytero et archidiaconi Uzeticensis ecclesiae) das Kloster samt Pertinenzien; unterstellt mit (gleicher) Zinsforderung (wie in n. 401) das Kloster dem päpstlichen Schutz und verdammt mit mehreren Zitaten verschiedene Verstöße.

Originaldatierung:
... auctore omnipotenti Deo mediante anno incarnationibus Domini nostri Jhesu Christi DCCCLXXVIII, XV Kal. Septembris, indictione XI, Domino feliciter, in praesentia domini Ludovici serenissimi regis in Praesenti concilio residentis ...
Incipit:
Notum sit omnibus praefatis quod ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 12. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 11018 fol. 7r.

Drucke: Ménard, Hist. Nismes I preuves 13; Bouquet Recueil IX 167; Migne, PL CXXVI 792; Goiffon, Bullaire St-Gilles 11-16; MG Conc. V 137-142.

Reg.: Bréquigny, Table 316; De Vic-Vaissète, Hist. Languedoc V3 1705 n. 3; J 2397; JE 3179.

Lit.: Werminghoff, Synoden 654; Griffe, Aude 111 Anm. 3 und 113; Hirsch, Untersuchungen 344-347; Lemarignier, Exemption monastique 298; Lohrmann, Register Johannes 274-276; Lohrmann, Kirchengut 61f.; Lohrmann, Delegationsgerichtsbarkeit 536; Oexle, Ebroin von Poitiers 205; Fuhrmann, Pseudoisidor. Fälschungen II 283-285; Boshof, Traditio Romana 32-35; Dubois-Renaud, Influence des vies des Saints 495-497; Arnold, Johannes 140f.; Hack, Codex Carolinus 347.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Dubois-Renaud 495 (zu deren nicht stichhaltigen Fälschungsnachweis vgl. n. 401) sowie MG Conc. V 89. Die im Rechtsinhalt mit n. 401 übereinstimmende Urkunde bezieht sich mehrfach auf das Konzil in Troyes (n. 405) und ist auch offensichtlich teils als Predigt vor den Konzilsteilnehmern konzipiert, vgl. Lohrmann, Register Johannes 274-276. In diesen Passagen, die Lohrmann der päpstlichen Verfasserschaft selbst zuweist, lasse sich das Selbstverständnis Johannes' VIII. von seinem päpstlichen Amt eindrucksvoll ablesen (quod apostolica ecclesia mater sit omnium ecclesiarum), jedoch müssen Lohrmanns Ausführungen abgeschwächt werden, nachdem Fuhrmann größere Teile dieser Passagen als Übernahmen aus den pseudoisidorischen Fälschungen nachgewiesen hat, vgl. insbesondere 284 Anm. 124. Zudem ist mater... omnium Dei ecclesiarum bereits in früheren Papstbriefen zu finden, vgl. Conte, Primato 173-177. Zu weiteren Bibelzitaten und den nicht aus Pseudoisidor stammenden zitierten Dekretalen der Päpste Symmachus und Simplicius, die Johannes VIII. laut Lohrmann 261 im Reisegepäck mit sich führte, vgl. auch Fuhrmann. Zu der außergewöhnlich scharfen, mit Bibelzitaten gespickten Sanctio, auf die bereits Studtmann, Pönformel 270 aufmerksam machte, vgl. Lohrmann und Fuhrmann. Die weiteren Unterschiede zwischen n. 401 und der Urkunde findet man bei Lohrmann, Kirchengut 61f. und Boshof verzeichnet, wobei Lohrmann 62 Anm. 47 die Interpretation Boshofs als teils zu einseitig kritisiert. Pierre Bohier hat Teile der Urkunde leicht überarbeitet und in seinen Liber Pontificalis (Přerovský II 640f.) aufgenommen, vgl. auch n. 355. Zur Vorgeschichte und der wohl verfälschten Narratio vgl. n. 401 mit Aufschlüsselung auch der genannten Personen. Der Streit um das Kloster Saint-Gilles konnte durch das Eingreifen des Papstes zunächst nicht entschieden werden, vgl. n. 532 sowie weitere Schreiben von Johannes' VIII. Nachfolgern Marinus I.(JE 3391), Hadrian III. (JE 3397), Stephan V. (gleichzeitig JE 3459 und JE 3460) und Sergius III. (Zimmermann, PUU I 33f. n. 20). Zur Zinspflicht und zur Namensform Deusde vgl. n. 401. Eine Verwendung des LD scheint nicht vorzuliegen, vgl. Santifaller, LD 96. Unterschrieben wurde die Urkunde von den auf der Synode von Troyes anwesenden Bischöfen (vgl. n. 405), mit Ausnahme der Bischöfe von Thérouanne, Amiens, Carcassonne, Elne, möglicherweise Ampurias, Urgel, Porto und Gabii. Zum Vergleich aller für die Synode von Troyes erhaltenen Unterschriftenlisten (auch der innerhalb der vorliegenden Urkunde enthaltenen Namensliste) vgl. Mordek-Schmitz, Konzil von Troyes 204-210. Die Datierung folgt in der Urkunde auf die Adresse und steht nicht wie üblich am Ende.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. 422, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b1ce1360-2c72-44da-88b4-2a4529f732d0
(Abgerufen am 30.11.2020).