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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,3

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Papst Johannes (VIII.) weist Bischof Ermenrich (von Passau) (Hermerico episcopo) scharf zurecht, weil dieser den (von Papst Hadrian II.) geweihten und entsandten (Bohemia-Moravia Pont. 14f. n. *10) (Erz)bischof Method (von Pannonien) abgesetzt und in unangemessener Art und Weise behandelt habe, teilt ihm mit, daß er exkommuniziert sei, und kündigt an, er werde verurteilt (non deerit iusta dampnatio), wenn er nicht mit dem päpstlichen Gesandten, Bischof Paulus (von Ancona) (Paulo ... episcopo) (n. 78) und mit Method zur Verhandlung seines Vergehens nach Rom komme.

Incipit:
Ad deflendam pravitatem tuam nonnisi ...

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: –.

Insert: Coll. Brit. (Ende 11./Anf. 12. Jh., London Brit. Lib.: Ms. add. 8873, fol. 125r).

Drucke: Friedrich, Cod. Dipl. Bohemiae 14 n. 19; MG Epist. VII 285f. n. 22; Acta Romanorum Pontificum 709 n. 338; Fontes historiae Bulgaricae VII 142f.; Grivec-Tomšic, Fontes 69; Herrmann, Slawisch-germanische Beziehungen 147f.; MMFH III 167 n. 50; Marsina, Cod. Slovaciae I 19 n. 24; Lacko, Great Moravia 114 n. 7.

Reg.: Ewald, Brit. Sammlung 303 n. 21; JE 2977; GP I 163 n. 13; Boshof, Reg. Bischöfe von Passau n. 148; Bohemia-Moravia Pont. 18f. n. 20.

Lit.: Lapôtre, Jean VIII 118 (ND 184) Anm. 1, 119 (ND 185) und 121 (ND 187); Engelmann, Legaten 79; Grivec, Lehrer der Slaven 97f.; Maß, Freising Karolingerzeit 122, 125, 129; Löwe, Cyrill und Methodius 659f. (ND 299f.); Schellhorn, Adalwin 116; Löwe, Ermenrich 231-234 (ND 337-340); Löwe, Consensus 507, 514; Boshof, Ostfränkisches Reich 68f.; Arnold, Johannes 168-171; Scholz, Politik 237; Pangerl, Metropolitanverfassung 213.

Kommentar

Das Schreiben ist nur fragmentarisch innerhalb der Coll. Brit. überliefert; vgl. zu dieser Sammlung und ihrer Entstehungszeit Herbers, Leo 63-72, Kéry, Canonical collections 237f., Jasper, Beginning 128 und Fowler-Magerl, Clavis Canonum 184-187. Ob es sich hierbei tatsächlich um die Antwort auf eine Appellation des Method durch geheime Boten und Briefe handelt (vgl. Schellhorn), ist unsicher. Der Brief wurde wohl durch den darin erwähnten päpstlichen Legaten Paulus von Ancona zusammen mit n. 67, n. 68 sowie einem Schreiben an den Erzbischof Adalwin von Salzburg (n. 69) und an Bischof Anno von Freising (n. 70) ins Ostfrankenreich gebracht, nachdem die beiden letzteren und Bischof Ermenrich maßgeblich an der Absetzung des von Papst Hadrian II. zum Erzbischof von Pannonien geweihten und dorthin entsandten Method im November 870 beteiligt gewesen waren, vgl. dazu MG Conc. IV 402 und Hartmann, Synoden 309f. Wenngleich in n. 69 zum Ausdruck kommt, daß der Papst Erzbischof Adalwin als den eigentlichen Urheber der Absetzung Methods sah, wird Ermenrich doch in sehr scharfem Ton zurechtgewiesen. Besonders die Tatsache, daß Method unter freiem Himmel dem winterlichen Wetter ausgesetzt wurde und Ermenrich ihn auf der Synode von Regensburg beinahe mit der Reitpeitsche geschlagen hätte, wird heftig kritisiert, vgl. dazu auch Löwe, Ermenrich. Der Bischof wurde seines Amtes enthoben und starb wohl bereits Ende 874 oder Anfang 875, vgl. Boshof, Regesten n. 151. Aufgrund der Erwähnung des Legaten Paulus und der inhaltlichen Parallelen ist auf dieselbe Zeit wie die übrigen vom Bischof von Ancona überbrachten Schreiben (vgl. n. 78) zu datieren.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,3 n. 70, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a2da4593-9a9c-4258-8ddd-d3d52d2703ba
(Abgerufen am 16.10.2019).