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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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König Lothar (II.) informiert Papst Nikolaus (I.) schriftlich und mündlich durch Boten über die ihm gewährte Erlaubnis der Bischöfe (auf der dritten Aachener Synode vom 29. April 862), sich von Theutberga zu trennen, um Waldrada zu ehelichen und erbittet das päpstliche Urteil.

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 604; n. 863; Adventius von Metz, Narratio (MG Epist. VI 215 n. 5); Capitula der Zusammenkunft von Savonnières 862 Nov. 3 (MG Capit. II 161); Lib. pont. (Duchesne II 159).

Reg.: Böhmer-Mühlbacher2 n. 1296a.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich II 32; Parisot, Lorraine 195f., 211f.; Mühlbacher, Geschichte 513; Perels, Nikolaus 69; Haller, Nikolaus 10f.; Konecny, Frauen des karolingischen Königshauses 109; Staubach, Herrscherbild Karls 135 mit Anm. 167, 145; Georgi, Erzbischof Gunthar 10f.; Scholz, Politik 188.

Kommentar

Der heute verlorene Brief wird vor allem in den Capitula von Savonnières und in n. 863 erwähnt; in n. 604, n. 863 und in dem Bericht des Adventius wird lediglich der Anfrage in Rom durch eine Gesandtschaft gedacht; laut der letztgenannten Erwähnung nennt diese illustres viros, n. 863 genauer duos comites. Perels vermutet in MG Epist. VI 342 Anm. 8, daß hiermit die Boten der königlichen Abordnung von 860 (n. 533) irrigerweise gemeint seien, wie auch wohl in n. 863 und im Lib. pont. die zweite Aachener Synode von Februar 860 (Böhmer-Mühlbacher2 n. 1290a; MG Conc. IV 7-11) mit der dritten Aachener Synode vom 29. April 862 (Böhmer-Mühlbacher2 n. 1296a; MG Conc. IV 68-89) verwechselt werde. Diese letztere, bereits von Dümmler vertretene Annahme stützt sich auf die Formulierung in n. 863 episcopi regni sui cum aliis; eine Teilnahme von Bischöfen aus einem anderen als dem lotharingischen Reich ist jedoch nur für die zweite Aachener Synode bezeugt. Allerdings hält Hampe, Reise nach Frankreich 607 eine solche Verwechslung für nicht zwingend, da eine spätere Unterschrift von Bischöfen aus dem Reiche Karls des Kahlen unter das Protokoll der dritten Aachener Synode durchaus möglich sei (keine Hinweise in dieser Richtung bei Hartmann, MG Conc. IV 68f.). Während in der Literatur die Bitte Lothars gemeinhin als heuchlerisch hingestellt wird, bezweifelt Haller den Inhalt der Anfrage des Königs grundsätzlich und sieht darin eine päpstliche Unterstellung. Tatsächlich ist die Bitte um das päpstliche Urteil nur in den Papstbriefen n. 604 und n. 863 erwähnt (eine Bemerkung in n. 628, Lothar habe die päpstliche Auskunft nicht abgewartet, bleibt vage, vgl. MG Epist. VI 362 Z. 5f.), so daß König Lothar II. dem Papst durchaus nur die Ergebnisse der Aachener Synode ohne die Bitte um ein päpstliches Urteil mitgeteilt haben könnte. Staubach 135 interpretiert die Aussage Karls des Kahlen auf der Zusammenkunft von Savonnières (MG Capit. II 161) dahingehend, daß Lothar nicht nur beim Papst, sondern auch bei Karl die Bestätigung der Synode erreichen wollte. Das in n. 597 erwähnte Gesuch Lothars um Entsendung von Legaten zur Abhaltung einer Syn-ode ist wohl später als die hier interessierende Gesandtschaft anzusetzen, die wahrscheinlich unmittelbar auf die Zeit nach der dritten Aachener Synode zu datieren ist, vgl. hierzu auch n. 579.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 574, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/fe4a3cb6-f332-487e-b631-b53b546a856a
(Abgerufen am 20.10.2017).