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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) befiehlt (praecipimus) dem Grafen Stephan (von der Auvergne) (Stephano comiti) die unverzügliche Restitution des vertriebenen Bischofs Sigo von Clermont ( Sigone Altvernensi episcopo …) anstelle des von Stephan eingesetzten Klerikers Ado ( eius pervasorem Adonem clericum …), gebietet (sancimus) ihm für seine Vergehen die Leistung von Genugtuung vor den Legaten (Bischof Radoald von Porto und Bischof Johannes von Cervia) auf der vom Papst einberufenen (Metzer) Synode (n. 642), bedroht Stephan mit Ausschluß vom Wein- und Fleischgenuß, den Kleriker Ado mit Exkommunikation bis zur in Rom abgelegten Rechenschaft.

Incipit:
Quae et quanta contra canonicas ...
Empfänger:
Graf Stephan (von der Auvergne)

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 9. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 1458 fol. 175r-175v; Ende 9. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 1557 fol. 73r; 16. Jh., Rom Bibl. Vallicelliana: C 15 fol. 239v-240r; 17. Jh., Paris Bibl. nat.: Ms. lat. 3859A fol. 172v-173r;17. Jh., Paris Bibl. nat.: Coll. Dupuy 822 fol. 51r.

Drucke: Carafa, Epist. III 230; Sirmond, Conc. Gall. III 226; Conc. coll. reg. XXII 361; Labbe-Cossart, Conc. VIII 466; Hardouin, Acta Conc. V 304; Mansi, Coll. XV 352; Migne, PL CXIX 805; Chaix de Lavarène, Monumenta Arverniae 1 n. 1; MG Epist. VI 623 n. 108.

Reg.: J 2043; JE 2706.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich II 39; Imbart de la Tour, Élections épiscopales 150 und 216; Perels, Nikolaus 75; Haller, Nikolaus 150; Congar, Nicolas Ier 396; Klinkenberg, Veränderbarkeit des Rechts 167; Fuhrmann, Pseudoisidor. Fälschungen II 264; Bishop, Nicholas 186, 279.

Kommentar

Die kanonistische Sammelhandschrift Paris Ms. lat. 1458 stammt in diesem Teil aus dem 9. Jh., vgl. dazu Perels, Briefe I 570-572, Mordek, Bibl. capitularium 412-414 und Jasper, Beginning 114; zu den weiteren Hss. vgl. Perels I 550-553 und 565-569 sowie Jasper 112-114. Zur Überlieferung in der Coll. Dupuy vgl. Dorez, Catalogue II 520. Die in scharfem, vorwurfsvollen Ton gehaltene päpstliche Anordnung zielt wohl indirekt auch auf Stephans Rolle bei der Eheschließung des jungen Königs Karl von Aquitanien, die dieser ohne väterliche Zustimmung eingegangen war, vgl. Ann. Bertiniani a. 862 und a. 864 (Grat 90f. und 114) sowie n. 592. Eine Appellation Sigos an den römischen Stuhl, wie Imbart de la Tour annimmt, ist unsicher und nicht überliefert. Sigo wurde jedoch bis spätestens 866 restituiert, in diesem Jahr ist er auf der Synode von Soissons anwesend, vgl. Duchesne, Fastes II 39 und Hartmann, in MG Conc. IV 218 mit Anm. 95. Eher unwahrscheinlich ist allerdings die Teilnahme Stephans an der Metzer Synode, die im Text nur gemeint sein kann, da diese als einzige unter Vorsitz päpstlicher Legaten vor dem Tod Stephans 864 (Ann. Bertiniani a. 864, Grat 105) stattfand. Zum Begriff der iura naturalia, die der Papst zu Beginn neben den kirchenrechtlichen Regeln nennt (Quae et quanta contra canonicas et ecclesiasticas regulas, immo contra naturalia iura pertinaciter egeris …) vgl. Klinkenberg. Terminus ante quem ist die indirekt erwähnte Metzer Synode; aus deren verschiedenen Einberufungsterminen (vgl. n. 642) ergibt sich die Datierung.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 601, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/fc48fe86-c2ec-478d-8d0c-866eac034f16
(Abgerufen am 24.07.2017).