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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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König Karl (der Kahle)(Carolus ... rex et spiritalis filius vester ...) antwortet Papst Nikolaus (I.) (... Nicolao ... pontifici...) unter Erwähnung des päpstlichen Auftrages an die Bischöfe (n. 837) auf die durch den Mönch Ansegis (von Saint-Riquier) (per servum vestrum Ansigisum monachum) übermittelte Anfrage (quando hoc anno infirmato Egilone archiepiscopo secundo Romam ... rediit) (n. 847), berichtet mit Nennung zahlreicher Personen und Orte, insbesondere der Weihe Ludwigs (des Frommen) durch Papst Stephan (IV.) (JE I p. 317) zu Zeiten des (Erzbischofs) Wulfarius von Reims, der Übertragung des Reimser Erzbistums auf den Abt Fulko (von Saint-Remi in Reims) durch Ludwig (den Frommen), mit weiteren Erwähnungen des Erzbischofs Aiulf (von Bourges), der Bischöfe Modoin (von Autun) und Badurard (von Paderborn), denen Erzbischof Ebo von Reims gebeichtet haben soll, sowie des Erzbischofs Noto (von Arles), der Bischöfe Theoderich (von Cambrai) und Aicharius (von Noyon), die dies bezeugen könnten; König Karl nennt den Brief Ludwigs (des Frommen) an Papst Gregor (IV.) (vgl. Böhmer-Mühlbacher2 n. 938c) und dessen Antwort über Herkunft, Erhebungen und Absetzungen des Erzbischofs Ebo von Reims, die von den Bischöfen nur noch Rothad von Soissons bezeugen könne. König Karl dementiert Gerüchte über die Zustimmung des von Ebo geweihten Wulfad zu seiner Absetzung sowie dessen Teilnahme überhaupt auf dem Konzil von Soissons (853, vgl. n. 284), entschuldigt sich für die Einsetzung Wulfads, des Erziehers seines Sohnes Karlmann, zum Erzbischof von Bourges vor Rückkehr des Erzbischofs Egilo (von Sens) und vor einer päpstlichen Antwort (n. 836), begründet diese Voreiligkeit mit den Einfällen der (normannischen) Heiden und erbittet für Wulfad gleichwohl das Pallium; abschließend empfiehlt er für weitere Nachrichten den Boten der Synoden von Soissons und Troyes, Bischof Actard von Nantes (Actardum Namneticae quondam sedis ... episcopum), und ersucht wegen der seit einem Jahrzehnt andauernden Zerstörung von Nantes durch Normannen und Bretonen den Papst um die Übertragung eines neuen Sitzes für Actard.

Empfänger:
Papst Nikolaus (I.)

Überlieferung/Literatur

Druck: MG Conc. IV 239-243.

Erw.: Ann. Bertiniani a. 867 (Grat 138); Brief Hadrians II. an Karl den Kahlen von 868 Feb. 23 (JE 2902; MG Epist. VI 704-707 n. 7).

Reg.: Bréquigny, Table I 280; Anal. iur. pont. X 165 n. 144; Lot-Brunel-Tessier, Recueil II n. 307.

Lit.: Schrörs, Hinkmar 289; Dümmler, Ostfränk. Reich II 147 und 168f.; Werminghoff, Synoden 638; Bouvier, Sens 265f.; Hefele-Leclercq, Hist. IV,1 418; Amann, Époque carolingienne 394; Wollasch, Berry 25f.; Devisse, Hincmar II 627; Goetting, Hildesheimer Bischöfe 57-59 und 69; Tonnerre, Enfance 28; Hartmann, Synoden 320f.; Krah, Entstehung der „potestas regia" 248f., Bigott, Ludwig der Deutsche 98; Patzold, Episcopus 316 Anm. 417.

Kommentar

Das in der Tendenz von n. 865 deutlich abweichende Schreiben berichtet über Ebo und den Streit um die von Ebo geweihten Kleriker (vgl. n. 806) mit dem Ziel, die Absetzung Ebos im Jahre 853 überhaupt fraglich erscheinen zu lassen, vgl. zu den Ereignissen Böhmer-Mühlbacher2 n. 938c sowie n. 806. Zu weiteren anekdotischen Inhalten bezüglich der Geburt Karls vgl. Krah. In der Angelegenheit Wulfads, eines Vertrauten Karls des Kahlen, war der König bereits mit n. 801 und n. 811 (vgl. auch n. 812) an den Papst herangetreten; wie in n. 811 wird im Text für die Übertragung des erzbischöflichen Sitzes in Bourges das Verbum commendare verwendet. Eine in der Handschrift aus Laon erhaltene Notiz am Ende vermerkt, daß der Empfänger des Briefes nicht mehr Nikolaus I., sondern dessen Nachfolger Hadrian II. war, der auch die Antworten an die Bischöfe (JE 2903), an Karl den Kahlen (JE 2902) und an Hinkmar von Reims (JE 2905) entsandte. Während die Antwort Hadrians den königlichen Brief nur im Zusammenhang mit der hier zum Abschluß geschilderten kirchlichen Situation in Nantes erwähnt, berichten die tendenziösen Ann. Bertiniani ausführlich, wie Actard mit dem Synodalschreiben (n. 865) zu Karl dem Kahlen zurückkehrte, dieser das Siegel erbrach und Actard den eigenen Brief mit einer Gegendarstellung mitgab. Hinkmars Schreiben an Anastasius Bibliothecarius war wohl eine unmittelbare Reaktion hierauf, vgl. Perels (MG Epist. VIII 224 Anm. 15). Über die im Brief erwähnte Antwort Gregors IV. an Ludwig wird gesagt, daß nicht bekannt sei, was sie enthalten habe (… sed quid in ipsis insertum fuerit, omnibus episcopis et cunctis regni nostri ordinibus habetur incognitum, vgl. MG Conc. IV 242; der Brief ist also nicht mit JE 2585 identisch). Die von Lot-Brunel-Tessier auf Ende Oktober vorgeschlagene Datierung ist auf November zu verlegen, denn laut dem Bericht der Ann. Bertiniani muß das königliche Schreiben nach dem Synodalbrief (n. 865) verfaßt worden sein.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 866, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/fbceb181-c3cd-4f08-80b1-38dc0aa25269
(Abgerufen am 28.05.2017).