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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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König Lothar (II.) (Hlotharius ... rex et devotus filius ac semel praelibatae filiationis ferventissimus ac fidelissimus prosecutor summae felicitatis et praesentis prosperitatis) versichert Papst Nikolaus (I.) (sanctissimo et perbeatissimo summo pontifici et universali papae Nicolao), er habe durch seinen Gesandten die päpstlichen Legaten würdig empfangen, unterstreicht, die von seinen Gegnern vorgebrachten Anschuldigungen seien erfunden und entbehrten jeder Grundlage, er sei bereit, vor dem Papst seine Unschuld zu beweisen, aber nicht in Gegenwart seiner Feinde; er teilt dem Papst mit, daß sich seine Krankheit in der Vergangenheit verstärkt habe, er sich jetzt aber auf dem Wege der Besserung befinde. Lothar verweist auf einen früheren Brief an Nikolaus (n. 697) und rechtfertigt sich schließlich mit wörtlichem Zitat aus einem Papstbrief (n. 738) gegen den Vorwurf einer angeblich schlechten Behandlung der päpstlichen Legaten, wobei er zwischen früheren (priores) und einem späteren (posteriorem) Gesandten unterscheidet; er unterstreicht, er habe sich immer bemüht, den Anweisungen und den Verfügungen (... edictis...) des Papstes zu gehorchen, jedoch hätten die päpstlichen Legaten ihm und seinem Königreich (regnum) Schaden zugefügt, in einer Zeit, in der er sich auf die Ausdehnung seiner Grenzen durch den Kampf gegen die heidnischen (Normannen) (vgl. n. 697) habe konzentrieren müssen, und bezeichnet den Anführer seiner Feinde abschließend (mit einem Bibelzitat) als accusator fratrum.

Überlieferung/Literatur

Druck: MG Epist. VI 230-232 n. 14.

Reg.: Böhmer-Mühlbacher 1278; Böhmer-Mühlbacher2 n. 1313.

Lit.: Parisot, Lorraine 292, Anm. 2; Dümmler, Ostfränk. Reich II 138; Haller, Nikolaus 66; Staubach, Herrscherbild 208f.; Anton, Synoden 106, 118; Georgi, Erzbischof Gunthar 13 Anm. 55; Heidecker, Kerk, huwelijk en politieke macht 155.

Kommentar

Die ausgesprochen ausführliche Intitulatio und die Adresse verweisen auf die politische Situation, in der sich Lothar II. befand, als er diesen Brief schrieb. Der Gesandte Lothars könnte der später in dieser Funktion tätige Walther gewesen sein (vgl. n. 818) oder der von Nikolaus in seinem Brief an den Episkopat im Reich Lothars II. (n. 842) erwähnte Christian. Das von Lothar verwendete Nikolauszitat (vgl. n. 738) ist nur in diesem Zusammenhang überliefert. Mit den früheren päpstlichen Legaten sind wohl die Bischöfe Radoald von Porto und Johannes von Cervia (vgl. n. 600) gemeint, der spätere ist ziemlich sicher Bischof Arsenius von Orte (vgl. n. 759). Zu den Normanneneinfällen in Lothars Reich vgl. Vogel, Normannen 195f. und d’Haenens, Invasions 45, zur Verwendung der erfolgreichen Normannenabwehr als Legitimationskriterium für Lothars Königtum vgl. Anton 118 Anm. 130. Als Anführer der Feinde bezeichnet Böhmer-Mühlbacher2 n. 1313 Karl den Kahlen, was jedoch Parisot 292 Anm. 2 für das Jahr 866 als unmöglich ansieht, da Lothar II. sich zu diesem Zeitpunkt gerade mit seinem Onkel versöhnt habe (vgl. zu dem Bund zwischen Lothar und Karl n. 802 und n. 843). Insgesamt wird Karl der Kahle in der neueren Forschung nicht mehr ausschließlich als Erzfeind Lothars II. gesehen, der von Anfang an auf den Zusammenbruch des Mittelreichs spekulierte (vgl. Böhringer in: MG Conc. IV, Suppl. I 17-19). Der zum Schluß genannte accusator fratrum (vgl. Apk. 12,10 und MG Epist. VI 232 Anm. 1) wird in einem späteren Brief des Papstes an Ludwig den Deutschen zitiert (vgl. n. 861). Zur sehr weit gefaßten Datierung, die nur durch die Rückreise des Legaten Arsenius’ (vgl. n. 781) und den Brief Nikolaus’ I. an Ludwig den Deutschen (n. 861) eingegrenzt werden kann, vgl. Dümmler 138 Anm. 5 und Parisot 292 Anm. 2.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 786, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/fae91684-f2cb-4fe1-a584-40be6ed01c9d
(Abgerufen am 27.07.2017).