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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Die zur Synode von Pavia (apud Ticinum urbem Liguriae) von Kaiser (Ludwig II.) einberufenen (Erz)bischöfe, darunter Tado von Mailand, Roland von Arles und Arpert von Embrun (Tado Mediolanensis et Rotlandus Arelatensis et Arpertus Ebdrunensis episcopi et ceteri nobiscum fratres et coepiscopi) verwenden sich bei Papst Nikolaus (I.) (Nicolao summo pontifici et universali papae) für die (abgesetzten Erzbischöfe) Gunther (von Köln) und Thietgaud (von Trier) und verweisen auf Beispiele der Vergebung unter den päpstlichen Vorgängern.

Überlieferung/Literatur

Druck: MG Conc. IV 190f.

Erw.: Brief des Erzbischofs Gunther von Köln an Erzbischof Hinkmar von Reims von Feb. 865 (MG Conc. IV 191f.); Einleitung der Propagandaschrift Gunthers von Köln (MG Conc. IV 192).

Reg.: Zagni, Atti arcivescovili milanesi 41; Oediger, Reg. Köln I 69f. n. 206; GP VII 26 n. 39; GP X 34 n. 37.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich II 139f.; Parisot, Lorraine 258 und 264f.; Kremers, Ado von Vienne 33; Savio, Vescovi Milano 329; Perels, Nikolaus 119; Perels, Propagandatechnik im IX. Jh. 423-425; Cazzani, Vescovi Milano 81; Fuhrmann, Propagandaschrift 6-36; Kottje, Bußbücher 29, 57f. und 132f.; Hartmann, Synoden 284f.; Bauer, Kontinuität 84f.

Kommentar

Der Brief an Papst Nikolaus I. ist zusammen mit einer Beispielsammlung und einem Brief Gunthers von Köln an Hinkmar von Reims (Oediger, Reg. Köln I 69, n. 206) überliefert (vgl. zum weiteren Zusammenhang Kottje und Hartmann in MG Conc. IV). Daß es sich hierbei um eine im Original erhaltene, zur weiteren Verbreitung bestimmte Propagandaschrift handelt, die Gunther von Köln an Hinkmar von Reims schickte, hat erstmals Fuhrmann nachgewiesen. Der wohl den Briefen an den Papst und Hinkmar (MG Conc. IV 191f.) beigefügten Beispielsammlung (mit Zitaten aus JK 303, JK 410, JK 423, JK 509, JK 544, JK 565, JE 1703, JE 1704, JE 1705, JE 1498 und der Kirchengeschichte des Eusebius in der Fassung des Rufin, Hist. eccl. X, 12. [ed. Mommsen 977]) (vgl. auch MG Conc. IV 193-197 mit den entsprechenden Anmerkungen) über den Strafnachlaß durch päpstliche Vorgänger bei reuigen Sündern ging ziemlich sicher eine zwischen 863 und 865 unter Einfluß Erzbischof Gunthers entstandene kanonistische Sammlung voraus. Sie wurde wohl teilweise weiterverbreitet, wie aufgrund von n. 751 und einer Nachricht Hugos von Flavigny, Chr. (MG SS VIII 354) über einen Brief des Kölner Klerus an Ado von Vienne (nicht an Papst Nikolaus I., wie noch Köpke, Quellen Hugo 271 und 272 n. 18 annahm, vgl. Dümmler und Kremers, Ado von Vienne 33 sowie Fuhrmann) nachgewiesen werden kann, vgl. n. 751. Dies förderte offenbar das Gerücht über die Wiedereinsetzung der Erzbischöfe Gunther und Thietgaud, dem der Papst mit n. 768 entgegentrat. Dazu dürfte beigetragen haben, daß Gunther von Köln in seinem Brief an Hinkmar versicherte, der Papst habe sich seiner Wiedereinsetzung gegenüber nicht abgeneigt gezeigt. Außerdem verwies er auf die Unterstützung durch Kaiser, Kaiserin sowie die in Pavia anwesenden Bischöfe, vgl. Fuhrmann 50f. sowie GP VII 26f. n. 40. Schon in Pavia hatte Gunther wohl den Eindruck erweckt, er komme mit Bewilligung des Papstes zur Synode, wie die Einleitung zur Beispielsammlung suggeriert, vgl. n. 750. Der Text könnte sich aber auch darauf beziehen, daß Gunther mit päpstlicher Erlaubnis und Rat Rom verlassen konnte, vgl. das Zitat in n. 750. Gunthers Leidensgenosse, Erzbischof Thietgaud von Trier, beteiligte sich an diesen Aktionen nicht, er ist unter den Synodalteilnehmern von Pavia nicht nachweisbar. Der Synodalbrief wurde mit kaiserlicher Zustimmung noch auf der Synode von Pavia (Böhmer-Mühlbacher2 n. 1228a; Böhmer-Zielinski n. 236) verfaßt, die wohl mit Fuhrmann 5 und 33 auf den 18. Februar 865 zu datieren ist.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 752, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f9bea959-b008-4ead-a5f0-6c09d7cb86a6
(Abgerufen am 06.12.2016).