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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Die Teilnehmer der am 18. August 866 auf päpstliche Anweisung hin veranstalteten Synode von Soissons (... synodus Suessionis XV. Kalendas Septembris auctoritate sancti praesulatus vestri habita ...) (n. 806) beklagen bei Papst Nikolaus (I.) (domino patri et papae Nicolao) die laut den Berichten des Metropoliten Herard von Tours und (des Bischofs) Actard von Nantes bereits etwa zwanzig Jahre dauernde (Iam vicenus et eo licet paululum adsit annus quo tirannica feritate resumpta...) Abtrennung der Bretonen von der Metropole Tours, die weder zum Konzil erschienen seien, noch die Provinzialsynoden besuchten, noch ihre Bischöfe vom Touroneser Metropoliten weihen ließen; sie verweisen auf frühere päpstliche Briefe (vgl. n. 566, n. 764, n. 770 und n. 798), berichten über die Verwüstungen der Bretonen in den Diözesen Nantes, Tours, Anjou und Maine sowie in ganz Neustrien (... parrochiam Nanneticam ... Turonicę metropoli et Andegavensi ... Cenomanensi ... et omnis penae Neustrię ecclesia), über die ohne päpstliche oder synodale Mitwirkung (... absque vestri pontificatus notitia ... etiam ... synodici conventus...) erfolgte Absetzung des Bischofs Susannus von Vannes sowie des Bischofs Salocon von Dol, für dessen Sitz widerrechtlich der Metropolitanrang beansprucht und zwei Nachfolger eingesetzt worden seien; sie informieren Nikolaus I. über die kürzlich (... infra praesentis anni spatium ...) aufgrund der päpstlichen Ermahnungen erfolgte Restitution (der Bischöfe Felix von Quimper und Liberal von Saint-Pol-de-Léon) allein durch den bretonischen Herzog (Salomo III.) sowie über die von diesem unterlassene Zinszahlung an (König) Karl (den Kahlen); sie erbitten schließlich Hilfe für den vom Konzil entsandten Bischof Actard, der aufgrund der Verwüstungen durch Normannen und Bretonen (... gentis Normannorum et Britonum feritate ...) seiner Diözese beraubt sei.

Überlieferung/Literatur

Druck: MG Conc. IV 218-221.

Insert: Chr. Namnetense 16 (Merlet 51-57).

Erw.: Brief Hadrians II. an Karl den Kahlen von 868 Feb. 23 (JE 2902; MG Epist. VI 704-707 n. 7); Brief Hadrians II. an die Teilnehmer der Synode von Soissons 866 (von 868 Feb.-März) (JE 2903; MG Epist. VI 707-709 n. 8).

Reg.: Bréquigny, Table I 276; Anal. iur. pont. X 141 n. 109.

Lit.: De la Borderie, Hist. Bretagne II 87f. und 100f.; Werminghoff, Synoden 637; Levillain, Réformes ecclésiastiques 232f.; Lot, Année 416 (ND 438); Lot, Festien 19f.; Duchesne, Fastes II 274 und 379; Hefele-Leclercq, Hist. IV,1 403-408 Anm. 3; Duine, Schisme breton 427 und 453-455; Werveke, Bisdom Terwaan 34; Pocquet du Haut-Jussé, Papes et Bretagne 16; Guillotel, Origines Dol 62; Poulin, Diocèse de Dol 614; Smith, Province and Empire 107 und 156f.; Bigott, Ludwig der Deutsche 144.

Kommentar

Vgl. zur päpstlich einberufenen Synode von Soissons und zu den weiteren von dort an den Papst gerichteten Briefen n. 806, n. 808, n. 821 sowie Hefele-Leclercq IV,1 392-413; zur Überlieferung und zu weiteren Drucken vgl. Werminghoff und Hartmann, MG Conc. IV 205. Unterzeichnet wurde das Schreiben von 31 Bischöfen. Vielleicht wurde der Brief nicht allein durch den persönlichen Einsatz Actards, sondern auch durch n. 204 veranlaßt. Der nur mit der vagen Datierung angedeutete Beginn des bretonischen Schismas dürfte sich auf die Synode von Coetleu (MG Conc. III 185-191) (wohl im Jahre 849, vgl. n. 204) beziehen, auf der augenscheinlich neben zwei weiteren auch die Bischöfe von Vannes und Alet/Dol abgesetzt wurden. Bezeichnenderweise wird das eigenmächtige Handeln des Bretonenherzogs Nominoë auch hier hervorgehoben, vgl. n. 204 sowie die späteren päpstlichen Ermahnungen, besonders n. 416 und n. 566. Die beiden erwähnten Bischöfe werden als noch lebend bezeichnet, so daß die Nachrichten Hugos von Flavigny, Chr. (MG SS VIII 286) und der Translatio s. Reginae (MG SS XV,1, 450) zum Tode Salocons im Kloster Flavigny auf die Zeit nach August 866 zu verlegen wären. Zu den Anfängen des Bistums Dol vgl. außer der grundlegenden Studie von Lot auch Guillotel und Poulin mit bedenkenswerten Hinweisen zu einem Bestehen des Bistums auch vor 848/850. Zu den auf Salocon folgenden Amtsinhabern in Dol vgl. bes. Lot, Festien 19f., der wohl richtig zwei zeitlich nacheinander amtierende Bischöfe annahm und Metropolitanansprüche Dols erst ab 858/859 feststellen will, während Levillain die betreffende Textstelle auf je einen Bischof in Aleth und Dol bezog. Die früheren päpstlichen Briefe werden im bischöflichen Schreiben pauschal erwähnt und könnten sich neben den angeführten noch auf weitere, nur aus anderen Erwähnungen bekannte Schreiben, besonders n. 231, n. 233 sowie n. 416 beziehen. Im Text wird die Absetzung allgemein kritisiert, nicht auf eine Wiedereinsetzung der Bischöfe gedrängt, die auch anderweitig nirgends bezeugt ist. Duchesne, Fastes 275 bezog den Hinweis auf die Vorsteher von Quimper und Saint-Pol-de-Léon, vgl. jedoch die Bedenken von Merlet in seiner Edition 55 Anm. 1. Zu den 863 von König Salomo III. dem König Karl dem Kahlen versprochenen Zinszahlungen vgl. Ann. Bertiniani a. 863 (Grat 96); zu Bischof Actard von Nantes vgl. n. 235, n. 416, n. 809, n. 810 sowie die erst unter Papst Hadrian II. erfolgten Reaktionen auf den vorliegenden Brief (JE 2902, JE 2903, JE 2904, JE 2905 und JE 2906). Der große zeitlicher Abstand zwischen Brief und päpstlicher Antwort beruht wohl darauf, daß Actard noch vor Antritt der Reise dem Konzil von Troyes (im Oktober-November 867) (vgl. n. 854, n. 865, n. 866) beiwohnte. Daß trotz des im Schreiben genannten Actards Egilo von Sens möglicherweise als Überbringer fungierte, ist wahrscheinlich, vgl. n. 821. Die Erweiterung des einleitend genannten Synodaldatums ergibt sich aus der Kombination mit n. 806 und n. 808.

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 807, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f221ffb3-92f7-4090-90c2-328b234d7a68
(Abgerufen am 26.05.2017).