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RI I Karolinger 715-918 (926/962) - RI I,4,2

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Papst Nikolaus (I.) informiert Erzbischof Ado von Vienne (Adoni archiepiscopo Viennensi) in Beantwortung eines Schreibens (Gall. Pont. III 105 n. *96) über den Ausfall der angekündigten (römischen) Synode (vgl. n. 724) sowie über die Entsendung des Bischofs Arsenius (von Orte) als Legaten in die Gallia und die Germania (Arsenium ... episcopum, apocrysiarium et missum apostolicae sedis et consiliarium nostrum, Galliarum et Germaniae partibus) (n. 759), weist das Gerücht über eine päpstliche Wiedereinsetzung der ehemaligen (Erz)bischöfe Thietgaud (von Trier) und Gunther (von Köln) (vgl. n. 750 und n. 752) zurück, zumal die Verstoßung der Königin Theutberga durch König Lothar (II.) sowie das Vergehen der Ehebrecherin Ingiltrud fortbestünden und insbesondere Gunther entgegen den Kanones sein Amt ausgeübt habe. Er kritisiert schließlich die Bezeichnung des Überbringers von Ados Brief als Priester des Grafen Gerhard (von der Provence) (presbyterum Gerardi inlustris comitis).

Originaldatierung:
Data V. Idus Iunias indictione XIII.
Incipit:
Miraris, frater, cur synhodum dispositam ...
Empfänger:
Erzbischof Ado von Vienne

Überlieferung/Literatur

Orig.: –.

Kop.: 10. Jh., Rom Bibl. Vat.: Cod. Regin. lat. 566 fol. 60v-61r; 17. Jh., Carpentras Bibl. Inguimbertine (Bibl. mun.): Ms. 518 I fol. 991; 18. Jh., Paris Bibl. nat.: Coll. Moreau 1231 fol. 19r-20v.

Insert: Hugo von Flavigny, Chr. (MG SS VIII 354) (fragm.).

Drucke: Labbe-Cossart, Conc. VIII 565; Hardouin, Acta Conc. V 387; Coleti, Conc. IX 1584; Mansi, Coll. XV 450; Migne, PL CXIX 917; MG Epist. VI 312-314 n. 39.

Reg.: J 2106; Anal. iur. pont. X 131 n. 95; JE 2790; Chevalier, Reg. dauphin. I n. 747 c. 125; Oediger, Reg. Köln I 71 n. 211; GP VII 27 n. 42; GP X 34 n. 38; Gall. Pont. III 105f. n. 97.

Lit.: Dümmler, Ostfränk. Reich II 140 und 215; Parisot, Lorraine 258; Kremers, Ado von Vienne 26, 29f. und 34; Engelmann, Legaten 64 Anm. 2; Perels, Nikolaus 119, 173 Anm. 1 und 253 Anm. 3; Haller, Nikolaus 50 Anm. 127, 56; Fuhrmann, Propagandaschrift 17 Anm. 44; Szabó-Bechstein, Libertas Ecclesiae 68; Bishop, Nicholas 190, 197, 213 Anm. 1, 291 Anm. 2, 430 Anm. 1, 452 Anm. 2; Goetz, Auctoritas et Dilectio 56 Anm. 103; Heidecker, Kerk, huwelijk en politieke macht 81.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. Anal. iur. pont. X 131, Perels, Briefe I 564f. und 583, Jasper, Beginning 111 sowie vor allem Gall. Pont. Die römische und die Pariser Hss. repräsentieren das Briefbuch Ados, vgl. Schilling in Gall. Pont. III 49. Hugo von Flavigny verzeichnet nur den letzten Teil des Briefes, der den Priester des Grafen Gerhard betrifft. Zu diesem frühen päpstlichen Angriff auf das Eigenkirchenwesen vgl. Stutz, Benefizialwesen 295 Anm. 50, der allerdings die Bedeutung dieses Absatzes gering einschätzt. – Die Begründungen des Papstes zum Ausfallen der Synode (vgl. neben n. 723 auch n. 724) sind wohl politisch motiviert; laut Kremers und Engelmann werden die wahren Gründe nicht unterbreitet, weil dies dem Eingeständnis eines Fehlschlages gleichgekommen wäre. Das Gerücht über die Wiedereinsetzung der Erzbischöfe Gunther und Thietgaud hatte sich wohl aufgrund der propagandistischen Bemühungen Gunthers für seine Wiedereinsetzung entwickelt, vgl. neben den oben genannten Regestennummern Dümmler 140 und Fuhrmann 17. Zum Priester des Grafen Gerhard bzw. dessen Gesandtschaft vgl. Heidecker; zur Legation des Arsenius vgl. n. 759 sowie Oediger n. 212 und GP VII (Kommentar).

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Empfohlene Zitierweise

RI I,4,2 n. 768, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f0a55939-09ed-4a71-b935-5c78a491f42f
(Abgerufen am 23.08.2017).